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Leverkusener KonzernCovestro zieht positive Bilanz für 2024 – und schreibt rote Zahlen

Lesezeit 3 Minuten
Covestro dpa

Das Covestro-Logo in Leverkusen

Covestro erwartet 2024 ein stabiles operatives Ergebnis zwischen ein und 1,6 Milliarden Euro trotz wirtschaftlicher Herausforderungen.

Covestro erwartet im laufenden Jahr ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Angesichts von anhaltend herausfordernden Rahmenbedingungen rechnet der Leverkusener Kunststoffhersteller mit einem operativen Gewinn (Ebitda) zwischen 1,0 und 1,6 Milliarden Euro. Eine Belebung der Wirtschaft sieht Finanzvorstand Christian Baier erst in der zweiten Jahreshälfte. So erwartet der Konzern für das erste Quartal des laufenden Jahres ein Ebitda zwischen 50 und 150 Millionen.

Mit dem abgelaufenen Jahr zeigte sich Covestro zufrieden. „Wir haben unseren Kurs im Jahr 2024 konsequent gehalten und unsere Transformation mit voller Kraft vorangetrieben – und das trotz der Herausforderungen, denen die gesamte chemische Industrie erneut gegenüber stand“, sagt Konzernchef Markus Steilemann am Mittwoch bei der Vorlage der Bilanz. Der Umsatz des Leverkusener Kunststoffkonzerns sank vor allem aufgrund niedriger Verkaufspreise um 1,4 Prozent auf 14,2 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) ging leicht um 0,8 Prozent auf 1,1 Milliarden zurück. Es lag im erwarteten Rahmen, nachdem Covestro im Juli des abgelaufenen Jahres die Gewinnerwartungen zurückgeschraubt hatte. Unter dem Strich gab es einen Verlust von 266 (2023: 198) Millionen. Covestro hat ein Sparprogramm aufgelegt, mit dem die Kosten pro Jahr bis 2028 um 400 Millionen sinken sollen.

Den Absatz konnte Covestro steigern. Dazu habe vor allem eine bessere Verfügbarkeit der Anlagen gesorgt. An vielen Schrauben sei gedreht worden, so Steilemann. Es habe technische Verbesserungen gegeben, um die Anlagen länger bis zur nächsten erforderlichen Wartung betreiben zu können. Auch Prozesse seien verbessert worden, etwa in der Logistik für eine bessere Versorgung mit Zulieferungen.

Covestro: Rolle als Preisführer verteidigen

In die Anlagen werde Covestro weiter investieren. Gerade im Massengeschäft sei es wichtig, die Rolle als Preisführer zu verteidigen. Auch in Deutschland werde investiert. Neben der Erhaltung von Anlagen fließe das Geld vor allem in Forschung und Entwicklung. Von Investitionen in einer Größenordnung zwischen 700 und 800 Millionen im Jahr ging ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag nach Europa und davon wieder ein „relevanter Teil“ nach Deutschland, so Steilemann.

Im abgelaufenen Jahr seien bestehende Anlagen in Baytown (USA), Schanghai (China) und Tarragona (Spanien) optimiert worden. In der TDI-Anlage Dormagen sei zur Steigerung der Energieeffizienz und damit der Wettbewerbsfähigkeit in der Produktion investiert worden. Im laufenden Jahr werde ein Standort in Ohio (USA) erweitert, wo bestimmte Polycarbonate, schlagfeste, durchsichtige Kunststoffe, hergestellt werden.   Diese Anlage gehört zum Bereich der Spezialitäten, in der höhere Margen erreicht erzielt werden.

Generell investiere Covestro da, wo Wachstum zu erwarten sei und die Kundenindustrien angesiedelt seien. Angesichts von hohen Energiekosten etwa seien die Geschäfte in Deutschland schwieriger, zumal auch mit der Autoindustrie ein wichtiger Kunde von Covestro in Deutschland und Europa derzeit nicht wachse. Steilemann forderte bessere Rahmenbedingungen durch niedrigere Energiepreise, den Abbau von Bürokratie und eine weniger strenge Regulierung.

Covestro setzt auf Nachhaltigkeit

Nach Übernahmeangeboten, die die Covestro-Leitung zuletzt unterstützt hatte, hält XRG (vormals Adnoc) inzwischen 91,58 Prozent der Covestro-Aktien. Mit dem staatseigenen Konzern aus Abu Dhabi wurde eine Investitionsvereinbarung unterzeichnet inklusiver Zusagen zur Unterstützung der Wachstumsstrategie und der Beibehaltung der etablierten Governance von Covestro. Die Übernahme muss noch von den Behörden genehmigt werden. Den Vollzug der Transaktion erwartet Covestro in der zweiten Jahreshälfte. XRG wolle unter die Top 5 Chemieunternehmen der Welt aufsteigen, so Steilemann. Und Covestro mit rund 17.500 Mitarbeitenden weltweit solle der Nukleus dazu sein. Covestro selbst will die fortschrittlichste Plattform für nachhaltige Chemie werden.