Der Blick in die Zukunft stimmt Bayer optimistisch. Das laufende Jahr werde aber schwierig, und 2024 gab es einen Verlust von 2,55 Milliarden Euro.
Leverkusener KonzernBayer erleidet erneut einen Milliardenverlust

Bayer-Chef Bill Anderson sieht ein Ende der Durststrecke für den Konzern im kommenden Jahr.
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Der Leverkusener Agrochemie- und Pharmakonzern erwartet für 2026 wieder bessere Ergebnisse. Ein Grund dafür ist die fortschreitende Neuorganisation (siehe unten). „Es liegt aber noch Arbeit vor uns“, sagte Bayer-Chef Bill Anderson bei der Vorlage des Zahlenwerks für das abgelaufenen in einer Online-Pressekonferenz am Mittwoch. Das Jahr 2025, das zweite Jahr des Turnarounds, werde im Hinblick auf die Geschäftszahlen aber wohl das schwierigste Jahr, so Anderson weiter.
Den Umsatz erwartet Bayer zwischen 45 und 47 Milliarden und damit auf dem Niveau des abgelaufenen Jahres. Das operative Ergebnis (Ebitda) vor Sondereffekten soll bereinigt um Währungsschwankungen zwischen 9,5 und 10,0 Milliarden liegen, die Verschuldung immerhin auf 31,0 bis 32,0 Milliarden sinken.
Die Geschäftsergebnisse 2024
Bayer hat 2024 die Werte der gekürzten Prognose erreicht. Der Umsatz sank um 2,2 Prozent auf 46,6 Milliarden Euro. Negative Währungseffekte sowie den Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen ausgeklammert ergab sich ein Plus von 0,7 Prozent. Das operative Ergebnis ging um 13,5 Prozent auf 10,1 Milliarden zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank von 612 Millionen im Vorjahr auf minus 71 Millionen. Darin enthalten sind Sonderaufwendungen von 5,5 Milliarden, im Wesentliche aus einer Firmenwertabschreibung in der Pflanzenschutzsparte Crop Science. So ist auch das Konzernergebnis einmal mehr tiefrot. Nach einem Verlust von 2,94 Milliarden im Vorjahr betrug das Minus nun 2,55 Milliarden. Der Free Cash Flow als Summe der liquiden Mittel stieg auf 3,1 (2023: 1,3) Milliarden, die Verschuldung sank um 5,4 Prozent auf 32,6 Milliarden. Bayer will eine Dividende von 0,11 Euro pro Aktie zahlen.
Bei der Agrochemiesparte Crop Science ging der Umsatz um 4,3 Prozent auf 22,3 Milliarden zurück. Bayer verweist auf niedrigere Preise im Pflanzenschutzgeschäft. Preisdruck gibt es im Geschäft mit Glyphosat. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen wie der Abschreibung sank um 14,2 Prozent auf 4,3 Milliarden. In der Division soll die Profitabilität durch Maßnahmen im Produktportfolio, durch Forschung und Entwicklung, in Produktion und Vertrieb steigen. Deren Ergebnisbeiträge sollen sich bis 2029 auf eine Milliarde jährlich summieren. Die um Sondereinflüsse bereinigte Ebitda-Marge soll dann im mittleren 20-Prozent-Bereich liegen nach 19,4 Prozent im abgelaufenen Jahr. „Wir haben Handlungsbedarf erkannt, unser Team hat einen Plan, und es hat das Zeug dazu, ihn umsetzen“, sagte Anderson.
Glyphosat belastet den Konzern weiter
Im Rechtsstreit rund um Glyphosat setzt Bayer weiter auf die Gerichte und hier auf ein Grundsatzurteil des obersten US-Gerichts. Es ist aber unklar, ob die Richter sich der Sache annehmen. Bis zum 31. Januar wurden von insgesamt etwa 181.000 angemeldeten Ansprüchen rund 114.000 verglichen beziehungsweise erfüllten laut Bayer nicht die Vergleichskriterien. Durch Lobby-Arbeit will Bayer auch Gesetzesänderungen erreichen.
In der Pharmasparte stieg der Umsatz um 0,3 Prozent auf 18,1 Milliarden. Das operative Ergebnis ging allerdings wegen rückläufiger Geschäfte mit dem Blutgerinnungshemmer Xarelto und negativen Währungseinflüssen um 9,0 Prozent auf 4,7 Milliarden zurück. Bei dem Kassenschlager laufen in verschiedenen Regionen der Welt nach und nach Patente aus und günstiger Nachahmerpräparate sorgen für Wettbewerbsdruck. Neue Mittel wie Nubeqa gegen Prostatakrebs und Kerendia zur Behandlung einer chronischen Nierenerkrankung von Diabetikern können das noch nicht ganz auffangen.
Die Bayer-Aktie legt zu
Der Umsatz im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten ging um 2,6 Prozent auf 5,87 Milliarden zurück, das operative Ergebnis um 3,2 Prozent auf 1,36 Milliarden. „Wir haben drei großartige Geschäfte mit langfristig attraktiven Entwicklungsperspektiven, und wir erwarten, dass sie im Wettbewerb ihrer jeweiligen Branchen ganz vorne mit dabei sind“, so Anderson. Sei das nicht der Fall, werde Bayer Maßnahmen ergreifen. Bei der Ankündigung der Neuorganisation 2023 hatte Anderson angekündigt, sich zunächst darauf zu konzentrieren. Für eine gleichzeitige Aufspaltung des Konzerns fehle die Kraft.
Die seit der Übernahme des US-Konzerns Monsanto 2018 arg gebeutelten Bayer-Aktie legte um 4,1 Prozent auf 24,49 Euro zu. Der Dax gewann 3,6 Prozent. Im Zuge des milliardenschweren Rechtsstreit rund um Glyphosat, den Kläger in den USA für ihre Krebserkrankung verantwortlich machen, gab es allerdings Kursverluste von rund 75 Prozent. Bayer betont, dass das Mittel bei sachgerechter Anwendung sicher sei.
Neue Organisation
Dynamic Shared Ownership (DSO) ist das neue Managementsystem, das Konzernchef Bill Anderson vor über einem Jahr eingeführt hat. Beim Umbau sieht er sich auf Kurs. Die neue Arbeitsweise soll Mitarbeitenden Autonomie, Verantwortung und Gestaltungsfreiheit wie in einem Kleinunternehmen ermöglichen. Dabei fallen zahlreiche Hierarchieebenen weg, die Teams bekommen mehr Entscheidungsspielraum und sollen näher an die Kunden heranrücken. Von ihm bis zum Kunden gebe es zwölf Entscheidungsebenen, hatte Anderson bei der Einführung von DSO beklagt. „Wir haben im vergangenen Jahr erhebliche Fortschritte bei der Transformation von Bayer gemacht“, so Anderson. Die Organisation sei fast vollständig umgestellt. Das soll dieses Jahr Einsparungen von zusätzlich 800 Millionen bringen, nach 500 Millionen im Vorjahr. Weltweit sank die Zahl der Mitarbeitenden um rund 7000 auf 92.815. Seit Programmstart entfielen 10.000 Stellen. (raz)