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Verfügbares EinkommenIn dieser Region um Köln leben die wohlhabendsten Menschen

Lesezeit 7 Minuten
Shoppen dpa

Wer kann sich am ehesten eine große Shoppingtour leisten? Es gibt große Einkommensunterschiede.

  1. Wer hat am meisten Geld zur Verfügung? Wir sagen Ihnen, wie der Wohlstand in der Region um Köln verteilt ist. Hier gibt es deutliche Unterschiede.
  2. Groß ist auch das Gefälle innerhalb Deutschlands. Alle Zahlen und Fakten erfahren Sie in der Analyse.

Reiches Starnberg, armes Gelsenkirchen – so lässt sich das Wohlstandsgefälle zwischen den Regionen und Städten in Deutschland bündig auf den Punkt bringen. Denn laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung liegen die beiden Extreme des durchschnittlich verteilten Wohlstands im Land genau dort. Während die Einwohner aus Starnberg bei München pro Person und Jahr über knapp 34 987 Euro verfügen können, sind es in Gelsenkirchen mit 16 203 Euro weniger als die Hälfte. Zu diesem Befund passt auch, dass zu den Regionen mit besonders niedrigem Einkommen Teile des Ruhrgebietes zählen, aber auch des Saarlandes und Niedersachsens.

Eine andere Grenze des Wohlstandsgefälles trennt nach wie vor den Osten vom Westen Deutschlands. So haben die Wirtschaftsforscher festgestellt, dass in nur sechs von 77 östlichen Regionen und kreisfreien Städten das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen über der Schwelle von 20 000 Euro lag. Im Westen dagegen lagen 284 von insgesamt 324 Kreisen und Städten darüber.

Neben Gelsenkirchen zählt zu den Schlusslichtern bei den verfügbaren Einkommen auch Duisburg – hinter Leipzig und Dresden. Mit im Schnitt 18 946 Euro rangiert Dortmund unter den größten Städten Deutschlands ebenfalls abgeschlagen auf Platz zwölf des Einkommens-Rankings. Der Durchschnitt des verfügbaren Einkommens in Deutschland liegt bei 23 295 Euro.

Den bundesweit stärksten Anstieg der Einkommen gab es seit dem Jahr 2000 in Heilbronn. Damit liegt die württembergische Stadt nach Starnberg bundesweit auf dem zweiten Platz. Allerdings dürfte das hohe Durchschnittseinkommen und die kräftige Steigerung in Heilbronn damit zu tun haben, dass dort ein paar sehr reiche Personen gemeldet sind; unter anderem der Milliardär Dieter Schwarz, dem der Handelskonzern Lidl gehört.

„Grundsätzlich gilt, dass das Durchschnittseinkommen gegenüber Ausreißern nach oben sehr empfindlich ist. Das wirkt sich in kleineren Städten stärker aus als in Metropolen“, schreiben die Autoren der Studie.

Wohlstand KR

Starnberg, der Hochtaunuskreis in der Nähe Frankfurts und Heilbronn liegen laut Aussage der Studienautoren mit ihrem verfügbaren durchschnittlichen Einkommen über dem reichsten EU-Land Luxemburg. In den Regionen mit dem niedrigsten Durchschnitt – Gelsenkirchen, Duisburg, Halle an der Saale, der Landkreis Vorpommern-Greifswald – ist das Einkommensniveau hingegen vergleichbar mit dem Durchschnitt in Italien oder auf Korsika.

Untersucht haben die Autoren 401 deutsche Landkreise und kreisfreie Städte. Als verfügbares Einkommen wird die Summe an Geld verstanden, die nach Steuern und Abgaben übrig bleibt.

Untersuchung bezog sich auf 2016

Es ist also das Geld, das die Bundesbürger im Durchschnitt für Dinge ausgeben oder sparen können. Basis der Untersuchung sind Daten der Bundes- und Landesämter für Statistik. Die Untersuchung bezog sich auf 2016. Vergangene Woche hatte auch die Bundesbank ihre jüngste Vermögensstudie aus dem Jahr 2017 publik gemacht. Auch sie stellt fest, dass die Vermögen ungleich verteilt sind. So haben die Forscher der Bundesbank errechnet, dass die obersten zehn Prozent über mehr als die Hälfte aller Vermögen verfügen. Die untere Hälfte aller Haushalte muss sich mit einem Gesamtvermögensanteil von mageren drei Prozent begnügen. „Es ist so, dass man gut und gerne sagen kann, dass 20 bis 30 Prozent der Haushalte faktisch gar kein relevantes Vermögen haben“, sagte Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zur Vermögensstudie. „Und das ist im Hinblick auf private Altersvorsorge als äußerst problematisch anzusehen.“

Die Ungleichheit zeigt sich laut Bundesbank auch beim so genannten Median. Das ist der Vermögensbetrag, der die Haushalte in eine reichere und eine ärmere Hälfte teilt – der liegt bei knapp 71 000 Euro. Damit ist er zwar gestiegen, liegt aber weit unter dem Durchschnittsvermögen.

Drastisch auch hier wieder der Unterschied zwischen Ost und West: Während in Ostdeutschland der Median des Nettovermögens bei rund 23 000 Euro liegt, beträgt er im Westen gut 92 000 Euro – und ist damit fast viermal so hoch. Die Bundesbank vermutet, dass das damit zusammenhängt, dass im Osten vergleichsweise wenige Haushalte über Immobilieneigentum verfügen.

Das wiederum ist ablesbar am Vermögensunterschied zwischen Immobilien-Eigentümer-Haushalten und Miethaushalten: Bei Eigentümerhaushalten lag das Vermögen im Mittel bei 277 000 Euro, bei Mieterhaushalten lediglich bei 10 400 Euro.

Das erklärt auch, warum in Deutschland Vermögen ungleicher verteilt sind als in vielen anderen Ländern – wie etwa Italien oder Spanien. Denn während hierzulande nur 44 Prozent der Haushalte über Immobilieneigentum verfügen, sind es in Ländern wie Italien oder Spanien 70 bis 80 Prozent.

Ein Blick in die Region rund um Köln

Über das höchste verfügbare Pro-Kopf-Einkommen in der Region verfügen die Einwohner des Rheinisch-Bergischen Kreises. Im Jahre 2016 betrug das 25 295 Euro. Das waren real 4,1 Prozent mehr als im Jahr 2000. „Wir freuen uns natürlich über die konstant positive wirtschaftliche Entwicklung des Rheinisch-Bergischen Kreises“, sagte Pressesprecherin Hannah Weisgerber. Der Kreis profitiere unter anderem von der Nähe zu den Ballungszentren und der Vielfalt seiner guten mittelständischen Betriebe.

4,2 Prozent betrug das Plus im Rhein-Erft-Kreis auf 21 815 Euro. „Die Daten belegen, dass der Rhein-Erft-Kreis seit dem Jahrtausendbeginn konstant und verträglich wächst“, sagte Kreiskämmerer Martin Gawrisch. Das gelte sowohl für die verfügbaren Einkommen als auch die Einwohnerzahl. Es werde eine große Herausforderung, dieses parallele Wachstum angesichts des Strukturwandels beizubehalten.

22 691 Euro betrug das Einkommen im Oberbergischen Kreis. Das waren 8,1 Prozent mehr als im Jahr 2000. Und um fast zehn Prozent wuchs das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen im Kreis Euskirchen. Im Vergleich zu den umliegenden Regionen habe der Kreis damit einen großen Schritt gemacht, sagte Pressesprecher Wolfgang Andres. „Mit einem Durchschnittseinkommen von nahezu 21 000 Euro liegt der Kreis Euskirchen im Mittelfeld“, so Andres weiter. Die regionale Wirtschaft sei mittelständisch geprägt, wobei der wirtschaftliche Schwerpunkt im nördlichen Kreisgebiet mit der Stadt Euskirchen liege. Das südliche Kreisgebiet reiche bis an die belgische Grenze und sei ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Um lediglich 0,9 Prozent real wuchs das Pro-Kopf-Einkommen in Köln auf 21 608 Euro. Untypisch ist das nicht. In den 15 größten Städten der Republik fiel das Einkommensplus vergleichsweise gering aus.

Auch Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis stehen, was das durchschnittliche verfügbare Pro-Kopf-Einkommen betrifft, gut da. Im Vergleich zum Bundesdurchschnittswert aus dem Jahr 2016 von 21 952 Euro liegt das verfügbare Einkommen im Rhein-Sieg-Kreis mit 22 975 Euro und in Bonn mit 23 056 Euro deutlich darüber. Kreiswirtschaftsförderer Hermann Tengler ist vom Ergebnis der WSI-Studie wenig überrascht, beobachtet er doch seit Jahren diesen Trend für die Region, wenngleich auf anderer Datengrundlage. „Wir erhalten von der Industrie- und Handelskammer Zahlen zur Kaufkraftentwicklung, die auf Daten der Gesellschaft für Konsumforschung basieren. Die Tendenz ist dieselbe: Die Region steht danach überdurchschnittlich gut da.“ Was sind die Gründe für die Einkommensstärke? Tengler: „Viele Akademiker, eine unterdurchschnittliche Arbeitslosigkeit und ein starkes Wirtschaftswachstum mit einer steigenden Zahl an Arbeitsplätzen. Kollege Matthias Schönert vom Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn: „Die Wirtschaft steht gut da, was sich auf die Arbeitsmarktsituation und die Einkommenssituation auswirkt.“ (raz/ri)

Geld für Konsum

Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte ist das Einkommen, das für den Konsum verwendet oder gespart werden kann. Bezogen auf die Zahl der Einwohner, gilt es als Indikator für die Wohlstandsentwicklung eines Landes oder einer Region. Allerdings können einige extrem hohe Einkommen den Durchschnittswert einer Region nach oben ziehen.

Im Vergleich dazu wird im allgemeinen Sprachgebrauch oft der Begriff Kaufkraft synonym verwendet. Daher schreibt das Sparkassen-Finanzportal auf seiner Internetseite: „Der Begriff Kaufkraft hat zwei unterschiedliche Bedeutungen. Erstens bezeichnet Kaufkraft die Menge an Gütern, die mit einer bestimmten Menge an Geld gekauft werden kann. In diesem Sinn ist die Kaufkraft mit dem Geldwert gleichzusetzen. Wenn das Preisniveau für Waren steigt, verringert sich die Kaufkraft. Sinkt das Preisniveau, erhöht sich die Kaufkraft. Als Kaufkraft wird zweitens die Geldmenge bezeichnet, die private Haushalte für Konsum zur Verfügung haben.“ (ri)