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Mohamed AmraFrankreichs meistgesuchter Verbrecher geschnappt

Lesezeit 4 Minuten
Zugriff in Rumänien: Mohamed Amra bei seiner Verhaftung.

Zugriff in Rumänien: Mohamed Amra bei seiner Verhaftung.

Nach einer spektakulären Flucht wurde Frankreichs meistgesuchter Verbrecher Mohamed Amra ist am Samstag in Bukarest verhaftet worden.

Mohamed Amra gilt als höchst gefährlicher Drogenboss und war der meistgesuchte Mann Frankreichs, bevor er am Samstag in Rumänien gefasst wurde. Vier Hintermänner hatten den 30-Jährigen im Mai vergangenen Jahres bei einem bewaffneten Überfall auf einen Gefangenentransporter an einer Mautstelle in der Normandie befreit. Sie erschossen dabei zwei Strafvollzugsbeamte im Alter von 34 und 52 Jahren und verletzten drei weitere schwer.

Aufgrund dieser extremen Brutalität und weil Amra aus dem Gefängnis heraus per Handy in Kontakt mit einem Drogenhändlerring stehen, weitere Straftaten in Auftrag geben und möglicherweise seine eigene Flucht organisieren konnte, sorgte der Fall in Frankreich für großes Entsetzen. Es kam zu Streiks der Mitarbeiter von Haftanstalten, die besseren Schutz einforderten. Mehr als 300 Polizisten fahndeten zeitweise nach Amra. Doch „die Fliege“, wie sein Spitzname lautete, schien entwischt zu sein, obwohl er mit internationalem Strafbefehl gesucht wurde.

Neun Monate später kam ihm nun die rumänische Polizei auf die Spur und nahm ihn in Bukarest fest, ebenso wie einen mutmaßlichen Komplizen. Der französische Innenminister Bruno Retailleau lobte die „absolut vorbildliche Kooperation mit Rumänien“, wie er in den Abendnachrichten betonte: „Ich will dem ganzen Drogen-Gesindel und allen Schwerstkriminellen sagen: Wir verfolgen euch überallhin und ihr werdet nirgends in Sicherheit sein.“ Amra soll nun einem rumänischen Haftrichter vorgeführt und in den kommenden Wochen Frankreich ausgeliefert werden. Der Drogenboss habe seiner Überstellung von Rumänien nach Frankreich bereits zugestimmt. Die Bedingungen dafür müssen nun noch von den beiden EU-Ländern vereinbart werden.Präsident Emmanuel Macron begrüßte den „tollen Erfolg“ der Festnahme.

Zugriff in Rumänien: Mohamed Amra bei seiner Verhaftung.

Zugriff in Rumänien: Mohamed Amra bei seiner Verhaftung.

Vor seiner spektakulären Flucht galt Amra den Behörden trotz seiner vielfachen Verurteilungen vor allem wegen Diebstählen, teils mit Einbruch und unter Gewaltanwendung, und illegalen Motorrad-Rennen nicht als gefährlicher Schwerverbrecher. Er unterlag keinen besonderen Überwachungsmaßnahmen. Sein Transport vom Gefängnis in Évreux, wo er einsaß, in ein Gericht im rund 60 Kilometer entfernten Rouen zu einer Anhörung war nicht speziell abgesichert. Allerdings wurde gegen ihn auch wegen seiner Verwicklung in einen Fall von versuchtem Totschlag sowie der Entführung und brutalen Tötung eines Drogendealers in Marseille ermittelt.

Für Drogenhändler typische „Karriere“

Dem auf organisierte Kriminalität spezialisierten Journalisten Frédéric Ploquin zufolge hat Amra ein für die heutigen Drogenhändler typisches Profil: „Alles beginnt mit ersten Delikten im Jugendalter, es folgen kleine Diebstähle, dann größere auch unter Gewaltanwendung.“ Bis es den Betroffenen, die „angezogen von dieser enormen kriminellen Maschinerie, die der Drogenhandel ist“, gelinge, in Rekordzeit „zu jemandem zu werden“. Amras Heimatregion liege unweit der nordfranzösischen Hafenstadt Le Havre, wo der Drogenhandel, vor allem jener mit Kokain, floriere.

Die Angehörigen der Getöteten reagierten über ihre Anwälte erfreut auf die Festnahme. „Diese Verhaftung ist eine wichtige Etappe und eine erste Erleichterung für die Familie“, sagte Matthieu Chirez, der die Witwe und die Söhne eines der beiden ermordeten Männer vertritt. Der Nationalsekretär der Gewerkschaft der Strafvollzugsbediensteten, Wilfried Fonck, betonte, dass die Mitglieder von Amras Befreiungskommandos noch auf freiem Fuß sind. „Wir hoffen auf eine sehr schnelle Festnahme.“ Zum ersten Mal seit 1992 waren Gefängnismitarbeiter in Frankreich bei ihrer Arbeit getötet worden.

Am Tag nach Amras Festnahme in Rumänien meldeten die Behörden in Frankreich weitere Erfolge: Mehr als ein Dutzend weitere mutmaßliche Komplizen seien festgenommen worden. Am frühen Montagmorgen seien 14 Verdächtige in Gewahrsam genommen worden, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit. Damit befinden sich den Behörden zufolge inzwischen 24 Verdächtige im Zusammenhang mit Amras Flucht in Frankreich in Haft. Darüber hinaus wurden im marokkanischen Marrakesch am Sonntagabend zwei per Interpol gesuchte Franzosen festgenommen, wie die marokkanischen Sicherheitsbehörden mitteilten. Laut Pariser Staatsanwaltschaft befinden sie sich in Abschiebehaft, das Verfahren für ihre Überstellung nach Frankreich laufe.

Am Wochenende waren im Zusammenhang mit Amras gewaltsamer Flucht bereits zehn mutmaßliche Komplizen festgenommen worden, ein weiterer Beschuldigter wurde in einer stark gesicherten Luxusvilla in spanischen Provinz Málaga gefasst. (mit afp)