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Koloss von EemshavenAusgebrannter Autofrachter „Fremantle Highway“ wird zum Blickfang im Hafen

Lesezeit 3 Minuten
Die „Fremantle Highway“

Ziemlich hässlich und ziemlich giftig: Die „Fremantle Highway“

Der ausgebrannte Autofrachter „Fremantle Highway“ hat am Donnerstag im niederländischen Eemshaven festgemacht. Begrüßt wurde er von vielen Schaulustigen.

Autofrachter gehören zu den hässlichsten Schiffen überhaupt, selbst wenn sie unversehrt sind. Keine bunten Container stapeln sich an Deck, es gibt nichts, an dem der Blick hängen bleibt. Autofrachter sind einfach glatte, gesichtslose Masse.

Das ist bei der „Fremantle Highway“ inzwischen anders, seit sie vor über einer Woche vor der niederländischen Küste in Flammen aufging. Der Anblick des Schiffes ist allerdings verstörend: Deutlich sind die Spuren des Feuers an der Außenhaut zu sehen, der knapp 200 Meter lange, nunmehr graubraune Koloss hat außerdem durch das Löschwasser starke Schlagseite.

Spezialisten an Bord der „Fremantle Highway“

An Bord sind Spezialisten des Bergungsteams, man sieht sie in ihrer orangen Schutzkleidung vereinzelt an Deck stehen. Innen sollen mehrere Decks eingestürzt sein, dennoch gibt es wohl eine Reihe Fahrzeuge an Bord, die das tagelange Inferno recht unbeschadet überstanden haben. Wie die Bergungsspezialisten sich an Bord bewegen, wie es sich anfühlt, in dieser Dystopie zu arbeiten – man kann es sich kaum vorstellen.

Schaulustige verfolgen die Ankunft des Schiffes.

Schaulustige verfolgen die Ankunft des Schiffes.

Als das Schiff am Donnerstagmittag von drei Schleppern in den Hafen von Eemshaven manövriert wird, ist es trotz seiner Größe zuerst kaum auszumachen vor der grauen Industriekulisse, die sonst den Hafen umgibt. Windkraftanlagen, Kohle- und Gaskraftwerke, ein riesiges Umspannwerk, große Hallen der ansässigen Unternehmen prägen die Landschaft.

Lediglich die vielen Menschen auf dem Deich und die entlang der Zufahrtsstraßen geparkten Autos verraten, dass hier gerade etwas vor sich geht. Auch rund ein Dutzend Schafe hat sich auf dem Deich versammelt, vorsichtshalber drängen sich die Tiere dicht aneinander und behalten den seltsamen Menschenauflauf wachsam im Blick.

Auch ein dutzend Schafe verfolgt das Treiben um die „Fremantle Highway“

Ein beißender Geruch weht herüber, als die „Fremantle Highway“ an ihren vorläufig letzten Liegeplatz gezogen wird. Die Menschenmenge verlässt jetzt den Deich und wechselt noch einmal den Standort: Manche setzen den Weg mit ihren Fahrrädern fort, andere steigen ins Auto und fahren näher heran an den Liegeplatz vor der großen Wagenborg-Halle, einem Transportunternehmen, bei dem das Schiff nun vertäut wird.

Die Stimmung ist entspannt, fast fröhlich. Vertreter der niederländischen Wasserstraßenbehörde „Rijkswaterstraat“, der Hafenkapitän, der Feuerwehrchef, sie alle stellen sich geduldig den Fragen der Reporter. Sie haben ja auch einen guten Job gemacht, den Frachter sicher in den Hafen gebracht, eine Umweltkatastrophe für das Wattenmeer ist ausgeblieben.

Schaulustige verfolgen die Ankunft des Schiffes.

Schaulustige verfolgen die Ankunft des Schiffes.

Das Vertrauen in Küstenwache und Behörden ist auch bei den umstehenden Menschen groß, Sorgen hätten sie sich nicht gemacht, antworten viele und zucken mit den Schultern. Sie sind fast alle Touristen, wobei man sich fragt, wo in diesem riesigen Industriegebiet an der Emsmündung sie wohl ihren Urlaub verbringen. Für sie ist es eine interessante Abwechslung, dass es den ausgebrannten Frachter, der seit Tagen die Nachrichten beherrscht, jetzt ausgerechnet in diesen Hafen und in ihre Ferien verschlagen hat. „Total verrückt“ sei der Anblick, kommentiert ein junger Mann, der mit mehreren Freunden hier seine Ferien verbringt. Die gelassene Atmosphäre, das freundliche Interesse an dem giftigen Koloss, die vielen mitgebrachten Hunde, die nun in der Sonne dösen, kommentiert eine Frau lachend: „Das ist eben Holland!“

Tracking-App installiert

Nur zwei Frauen zeigen sich besorgter: Sie wohnen in der Gegend und haben zu Beginn der Havarie extra eine Schiffstracking-App auf ihrem Handy installiert, um die Bergung zu verfolgen. Als beschlossen wurde, die „Fremantle Highway“ mit ihrer giftigen Ladung nach Eemshaven zu schleppen, hätten sie schon Angst gehabt, erzählen sie. Und jetzt? „Immer noch“, sagen sie ernst, bevor sie sich auf den Weg nach Hause machen.