Privatschulen gelten oft als teure Alternative zu staatlichen Schulen. Doch wie hoch sind die Kosten wirklich, und gibt es finanzielle Unterstützung?
Bildung gegen GeldWas eine Privatschule kostet

Ein Grund für die Beliebtheit von Privatschulen ist ihre durchschnittlich kleinere Klassengröße.
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Fast jedes zehnte Schulkind in Deutschland besucht eine Privatschule, Tendenz steigend. In den vergangenen zehn Jahren wuchs die Zahl der Privatschulen kontinuierlich. Im Schuljahr 2023/24 gab es rund 3.800 Privatschulen – ein Zuwachs von knapp acht Prozent gegenüber 2013/14. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler an Privatschulen wuchs von 8,7 Prozent auf 9,1 Prozent.

Die Anzahl der Privatschulen und öffentlichen Schulen im Vergleich zwischen 2013/14 und 2023/24.
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Studien zeigen, dass Privatschulen in Deutschland allerdings nicht per se bessere Leistungen bieten als öffentliche Schulen. Vielmehr hängt der Erfolg eines Schülers oder einer Schülerin von ihrer Motivation, der Unterstützung der Eltern und der Qualität des Unterrichts ab – unabhängig von der Schulform. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Privatschüler bessere Chancen auf Studienplätze in begehrten Fächern oder an renommierten Universitäten haben könnten. Allerdings sind diese Vorteile in Deutschland weniger ausgeprägt als in Ländern wie den USA oder Großbritannien. Auch beim späteren Gehalt lassen sich keine eindeutigen Unterschiede zwischen Absolventen öffentlicher und privater Schulen feststellen.
Der Grund für die Beliebtheit von Privatschulen
Ein Grund für die Beliebtheit von Privatschulen ist ihre durchschnittlich kleinere Klassengröße: In öffentlichen Schulen sind im Schnitt 26 Schüler, in Privatschulen 22 pro Klasse. Das sorgt für eine etwas intensivere Betreuung und Förderung. Oft werden mit privaten Schulen ein höheres akademisches Niveau und innovative Lernmethoden verbunden. Hinzu kommen besondere pädagogische Konzepte und ein stärkeres Augenmerk auf Werte wie Respekt und Verantwortungsbewusstsein.

Oft werden mit privaten Schulen innovative Lernmethoden verbunden.
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In verschiedenen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz gibt es verhältnismäßig wenige Privatschulen. Grund dafür sind gesetzliche Vorgaben, die es erschweren, Schuldgeld zu erheben. Privatschulen müssen sich dort über staatliche Zuschüsse und Trägerfinanzierungen finanzieren. Sie sind in Deutschland gemeinnützig und dürfen Kinder daher nicht aufgrund des Einkommens der Eltern ausschließen.
Viele Privatschulen bieten Stipendien an
In der Regel variiert das monatliche Schulgeld zwischen 200 und 1.500 Euro. Einige Schulen erheben feste Beträge, bei anderen orientiert sich die Höhe am Einkommen der Eltern. Ein Großteil der Privatschulen bietet Stipendien an. Sie sollen besonders talentierten oder motivierten Schulkindern einen Schulbesuch unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Eltern ermöglichen. Einige davon sind Vollstipendien, die das gesamte Schulgeld abdecken, andere umfassen nur einen Teil davon. Häufig werden Kriterien wie schulische Leistungen, soziales Engagement oder besondere Begabungen bei der Auswahl zugrunde gelegt.

Anteil von Schulkindern auf Privatschulen.
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Es gibt auch überregionale Stipendienprogramme. Diese Programme richten sich vor allem an Familien, die zwar keine hohen Einkommen erzielen, aber besonderen Wert auf die Privatschul-Ausbildung legen. Bis zu 30 Prozent des Schulgeldes, maximal 5.000 Euro pro Jahr, können Eltern steuerlich absetzen, sofern die Schule keine rein berufliche Ausbildung bietet.
Viele Schulen setzen bewusst auf soziale Durchmischung in ihrer Schülerschaft und bieten flexible Finanzierungsmodelle an. Eltern sollten sich daher frühzeitig bei den Schulen über Fördermöglichkeiten informieren und keine voreiligen Schlüsse ziehen. Viele Privatschulen verfügen über eigene Sozialfonds, aus denen Familien in finanziellen Notlagen unterstützt werden können. Diese Fonds werden durch Spenden, Zuschüsse oder Überschüsse aus dem Schulbetrieb finanziert. Oft genügt ein formloser Antrag auf Schulgeldermäßigung.
In einigen Bundesländern gibt es staatliche Zuschüsse für einkommensschwache Familien, die ihre Kinder auf eine Privatschule schicken möchten. Diese Förderungen variieren jedoch stark zwischen den Bundesländern und sind oft an bestimmte Voraussetzungen wie das Einkommen oder die Anzahl der Kinder in der Familie geknüpft.