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Wo die Isolationshaft erfunden wurdeDas ist Amerikas gruseligstes Gefängnis

Lesezeit 4 Minuten
Ein dunkler Flur des Eastern State Penitentiary

Das Eastern State Penitentiary gilt als Amerikas brutalste Haftanstalt, heute soll es hier spuken.

Philadelphia – In Philadelphia steht ein wirklich bedeutsames Monument seiner Zeit: Das Eastern State Penitentiary, eine 1829 erbaute Strafanstalt. Das einst herrschaftliche Bauwerk ist heute heruntergekommen: feuchte, schimmelige Wände, der Putz blättert von den Wänden, enge Zellen, wenig Tageslicht. Einst galt das Eastern State Penitentiary als das modernste Gefängnis der Welt. Über 300 Mal wurde es weltweit kopiert. Seine düstere Architektur und die heute archaisch und grausam anmutenden „Erziehungsmethoden“ sind immer noch berüchtigt.

Nur die schlimmsten Schwerverbrecher saßen hier ein

Flur im Zellenblock 7

In dem Gefängnis wurden Insassen in kleinen, fensterlosen Zellen ohne Toilette gehalten.

Im Eastern State Penitentiary saßen nur die schlimmsten aller Schwerverbrecher der damaligen Zeit ein. In ihren winzigen Zellen sollen sie teilweise bis zu zwei Wochen am Stück eingesperrt worden sein – ohne Tageslicht oder Kontakt zu anderen Menschen. Die einzige Ausnahme: Wer seine Zelle doch mal verlassen durfte, dann nur mit einem Sack über dem Kopf.

Altes Bettgestell in einer vermoderten Gefängniszelle

Enge Wände, wenig Tageslicht: So lebten die Gefangenen in dem Gefängnis.

Die Gefängnisverwaltung war der Meinung, dass die Insassen in der kompletten Isolation besser über ihre Straftaten nachdenken könnten. Tatsächlich passierte das Gegenteil: In Isolationshaft sollen nicht wenige Häftlinge psychisch krank geworden sein. Aber das war nicht das einzige Problem. Mehrere Webseiten, so auch die Daily Mail, berichten übereinstimmend, dass es im Grusel-Knast, der 1971 endgültig geschlossen wurde, wiederholt zu grausamen Folterungen und Verstümmelungen der Gefangenen gekommen sein soll.

Aufnahme eines Gefangenen mit Sack über dem Kopf

Durften die Gefangenen doch mal die Zellen verlassen, so wurde ihnen immer ein Sack über den Kopf gezogen.

Verstümmelungen und psychische Foltermethoden

Um nur einige der Foltermethoden zu skizzieren: Gefangene, deren Willen gebrochen werden sollte, wurden auf den „Irren Stuhl“ (auf englisch: „Mad Chair“) geschnallt und zwar so fest, dass die Blutzirkulation abgeschnitten wurde – nicht selten mussten den Gefangenen anschließend die betreffenden Körperteile amputiert werden. Im sogenannten „Wasserbad“ wurden Gefangene unter Wasser getaucht und dann nass draußen – vornehmlich im Winter – bei Minusgraden „zum Trockenen“ aufgehängt, bis sich eine Eisschicht auf dem Körper gebildet hatte. Die schlimmste Foltermethode, die von den Wärtern angewendet worden sein soll, war aber „das Loch“, in dem die Gefangenen in der berüchtigten Isolationshaft saßen: eine kleine, stickige unterirdische Zelle, ohne Licht, Kontakt zur Außenwelt oder Essen und ohne einen Ort, an dem sie ihre Notdurft verrichten konnten. Rund 1200 Menschen sollen schätzungsweise im Eastern State Penitentiary während ihrer Haft ums Leben gekommen sein, wie Experten laut dem Portal „news.com.au“ vermuten.

Historische Aufnahme des Eastern State Penitentiary

Einst halt das Gefängnis als modernstes seiner Zeit.

Das Eastern State Penitentiary war das erste Gefängnis in den USA, das systematisch die Isolationshaft – eine grausame psychologische Foltermethode – anwendete. Dabei wird dem Gefangenem jeglicher Kontakt zu anderen Mitgefangenen, zur Außenwelt und manchmal auch zu bestimmten Tätigkeiten verweigert. Heute ist die Isolationshaft umstritten und gilt als Folter.

Besucher berichten von gruseligem Lachen und Poltergeistern

Tor zum Krankenhausflügel

In den alten Hallen soll es heute noch spuken.

Auch darum zählt das Gefängnis, das 1971 geschlossen wurde und 25 Jahre später als Museum wiedereröffnet wurde, zu den unheimlichsten Orten in den gesamten USA. Obwohl hier heute keine Menschen mehr festgehalten und gequält werden, halten sich Spuk-Gerüchte hartnäckig. So berichten immer wieder Besucher von unheimlichen Begegnungen und schaurigen Geräuschen in dem ehemaligen Gefängnis. Besonders im Zellenblock 12 scheinen sich seitdem die vermeintlichen Geistersichtungen zu häufen. Touristen berichten von rätselhaften Schritten in den Fluren, und Geräuschen von sich schließenden Gefängniszellen.

Der ehemalige Wärter Gary Johnson berichtete sogar, dass er bei dem Versuch, ein Schloss im Zellenblock 4 zu entfernen, von einer unbekannten Kraft so festgehalten wurde, dass er sich nicht mehr bewegen konnte.

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Al Capone war berühmtester Insasse

Identitätskarte von Al Capone

Al Capone war der wohl bekannteste Häftling, der im Eastern State Penitentiary einsaß.

Ein Insasse, der damals nachweislich mit dem Leben davongekommen ist, ist der berüchtigte Gangsterboss Al Capone. Er war einer der berühmtesten Gefangenen im Eastern State Penitentiary und verbüßte im Jahr 1929 sieben Monate seiner insgesamt einjährigen Haftstrafe dort. Dabei wurde Capone eine absolute Sonderbehandlung zuteil: seine Zelle war luxuriös eingerichtet, teure Teppiche lagen auf dem Boden und Ölgemälde hingen an der Wand. 

Nachbildung der Zelle von Capone

Die Nachbildung der Zelle von Gangsterboss Al Capone im Eastern State Penitentiary kann man heute noch besichtigen.

Touristen können im Gefängnismuseum auch heute noch einen Nachbau der überraschend wohnlichen Gefängniszelle von Gangsterboss Al Capone besichtigen. Im Eastern State Penitentiary gab es mehrere Zellen für prominentere Fälle – in welcher Capone genau einsaß, ist aber unklar. (sar)