Das LKA räumte am Abend 17 Kanister mit chemischen Substanzen aus dem Keller. Explosive Stoffe wurden kontrolliert gesprengt.
Illegales Drogenlabor vermutetMann bei Detonation in Lohmar schwer verletzt – Sprengstoff gefunden
Ein 36 Jahre alter Mann aus Lohmar ist am Samstagvormittag, 29. Juni, bei einer Verpuffung im Keller eines Mehrfamilienhauses schwer verletzt worden. Nach Informationen dieser Zeitung hat der Lohmarer ein Drogenlabor betrieben, zudem fand die Polizei dort selbst hergestellten Sprengstoff. Das Mischen einiger Substanzen hatte dann offenbar die Verpuffung zur Folge.
Gegen 11 Uhr am Samstag hatten Nachbarn eine Detonation gehört, die Erschütterung war so stark, dass eine Frau gegenüber des Gebäudes glaubte, ihr Dach hebe ab. Ein Kellerfenster war geborsten, die Scherben lagen weit verstreut im Garten.
Notärztin wurde mit dem Rettungshubschrauber eingeflogen
Die zuerst eintreffenden Wehrleute fanden den Schwerverletzten – der Mann wurde an Händen, im Gesicht und an der Hüfte verletzt und erlitt Verbrennungen – im Kellerflur und brachten ihn ins Freie. Eine Notärztin wurde mit einem Rettungshubschrauber eingeflogen, nachdem geschulte Feuerwehrkräfte ihn versorgt hatten. Ein Rettungswagen brachte ihn zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus nach Köln-Merheim.
Weil Dämpfe einer unbekannten Flüssigkeit austraten, löste der Einsatzleiter, Standbrandinspektor Peter Völkerath, ABC-Alarm aus. Einsatzkräfte hatten die Gase eingeatmet, deshalb kamen vier Rettungswagen und zwei Notärzte zur Einsatzstelle am Weidchensweg. Zwei Feuerwehrleute wurden zum Durchchecken vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht.
Weitere Trupps unter Atemschutz durchsuchten das Untergeschoss. Dabei fanden sie schließlich den Raum, von dem die Detonation ausgegangen war und entdeckten eine gelbe, rauchende Flüssigkeit sowie 17 Kanister mit unbekannten Substanzen. Daraufhin wurde ABC-Alarm ausgelöst, das Wohnhaus evakuiert und das Gebiet um das Mehrfamilienhaus in Lohmar weiträumig abgesperrt.
Detonation in Lohmar: Polizei beschlagnahmte die Kleidung und machte Abstriche zur Analyse
Die analytische Taskforce aus Köln wurde ebenso angefordert wie Messgruppen. Auf der Jahnstraße wurde ein Dekontaminationsplatz zur Reinigung von Mensch und Gerät durch schädliche Substanzen aufgebaut.
Nach Informationen dieser Zeitung war der polizeibekannte Mann im Krankenhaus, wo er wegen seiner Verletzungen operiert wurde, später ansprechbar, verweigerte aber die Aussage zu dem Geschehen. Seine Kleidung wurde beschlagnahmt, und zur Analyse der chemischen Stoffe wurden Abstriche gemacht.
Am Abend gegen 21.40 Uhr kamen Beamte des Landeskriminalamts nach Lohmar, um die 17 Kanister zu sichten. Sie entschieden schließlich, dass der Keller noch am Samstagabend ausgeräumt werden sollte. Ein Feuerwehrfahrzeug holte aus Dormagen Spezialbehälter, in denen die Substanzen nach der Registrierung durch die Kriminalpolizei verpackt werden sollten. Übers Wochenende sollten sie dann auf dem Bauhof gelagert werden, bevor sie endgültig entsorgt werden konnten.
Der Gerätewagen Gefahrgut aus Breidt wurde erneut alarmiert. Die speziell ausgebildeten Einsatzkräfte rüsteten sich mit Einmalanzügen und Atemmasken aus, bevor sie ins Untergeschoss gingen. Kurz vor 24 Uhr, nach dem heftigen Gewitter, begannen sie mit dem Ausräumen, hatten vorher die Spezialbehälter mit Chemikalienbindemittel gefüllt. Stück für Stück holten sie die Kanister, die nach Angaben der Analytischen Taskforce aus Köln keine gefährlichen Substanzen enthielten, nach oben.
Die Räumung musste unterbrochen werden, weil Sprengstoff gefunden wurde
Beim Ausräumen von Wohnung und Keller hatten die Einsatzkräfte eine Substanz gefunden, bei der es sich offensichtlich um selbst hergestellten Sprengstoff handelte. Dieser hätte, so Informationen dieser Zeitung, bei einer Erschütterung jederzeit explodieren können. Schnell fiel die Entscheidung, ihn noch vor Ort zu sprengen, weil er nicht transportiert werden konnte. Im Garten eines Nachbarhauses gruben Einsatzkräfte ein Loch, ein Roboter mit Kettenantrieb des LKA brachte das explosive Gemisch dort hinein.
Kurz vor 2 Uhr war in der Siedlung ein dumpfer Knall zu hören, die Gefahr war gebannt. Noch dreimal wurde die Prozedur wiederholt. Bei einem Durchgang flog eine 60 Kilogramm schwere Abdeckplatte mehrere Meter hoch und beschädigte das Dach eines Hauses.
Der Einsatz dauerte die Nacht über an. Gegen den 36-Jährigen wurden Ermittlungen eingeleitet. In dem Haus hatte es vor wenigen Tagen schon einmal einen Feuerwehreinsatz gegeben, damals hatte es in einer Küche gebrannt.