Nach dem Edeka-Aus zeigt ein Einzelhändler Interesse an Wahlscheid. Doch statt des alten Standorts favorisiert dieser ein Grundstück am Ortsrand.
EinzelhandelNach Edeka-Aus in Lohmar-Wahlscheid gibt es einen Interessenten

Für die Fläche neben dem Lidl-Discounter in Wahlscheid interessiert sich ein großer Lebensmitteleinzelhändler.
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Rund 3300 Einwohner hat Wahlscheid, dazu mit dem Altenheim einen großen Arbeitgeber - genug Kundschaft, sollte man meinen, für einen Supermarkt im Ortskern. Doch nach dem Aus des Edeka vor fast zwei Jahren steht das Ladenlokal an der Hauptstraße leer. Jetzt gibt es einen Interessenten, allerdings für ein Grundstück am Ortsrand.
Dort offeriert mit Lid schon ein Discounter Lebensmittel und Nebensortiment. Mit dem Rewe würde sich dem Vernehmen nach ein Vollsortimenter gern daneben ansiedeln, ein Teil des Grundstücks gehört Privatleuten, ein Teil ist im städtischen Besitz.
Um den Einzelhandel zu fördern, verhängte der Lohmarer Stadtrat eine Sperre
Bislang gab es dafür kein grünes Licht vom Stadtrat, im April 2023 war ein Vorstoß von allen Fraktionen abschlägig entschieden worden. Um zu verhindern, dass der alte Edeka in Wohnungen umgebaut wird, verhängte die Kommunalpolitik eine Veränderungssperre. Auch die Stadtverwaltung mit Bürgermeisterin Claudia Wieja an der Spitze wollten sich für eine weitere Nutzung als Einzelhandelsstandort stark machen.
Man habe schon Monate vor der Edeka-Schließung Kontakt mit dem Betreiber und möglichen Nahversorgern aufgenommen, „um die nahtlose Fortführung der lokalen Grundversorgung zu sichern“, resümierte sie in der jüngsten Sitzung des Stadtrats.

Der alte Edeka an der Hauptstraße in Wahlscheid. Bislang scheiterte eine Nachnutzung als Lebensmittelgeschäft. Nun gibt es neue Ideen.
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Nach ersten positiven Gesprächen habe ein lokaler Geschäftsmann aber abgesagt: wegen fehlender Wirtschaftlichkeit. Das Ladenlokal sei mit 500 Quadratmetern sehr klein und müsse zudem umgebaut werden. Ein weiterer Investor wollte das Objekt kaufen und an einen Nahversorger verpachten. Mit Nahkauf, einer Rewe-Tochter, gab es mehrere Ortstermine und gemeinsame Planungen, doch nach Einreichen des Businessplans bei der Bank folgte der Rückzug, berichtete Wieja: Es habe sich kein Geldgeber zur Finanzierung des Projekts gefunden.
Im Herbst 2024 habe sie Kontakt aufgenommen zu einem Unternehmen, das mögliche Nachfolge-Betreiber für Nahversorger-Märkte sucht, es gebe zwei Interessenten, doch keine endgültige Rückmeldung. Zwei Bürgerinnen schwebte ein Haus des inklusiven Wohnens und Arbeitens vor, mit Café und eventuell einem Lebensmittel-Bringservice. Nach einem Termin Anfang Februar 2025 hätten die Frauen nun bei der Stadt wegen einer finanziellen Unterstützung angefragt.
Sollten auch diese Betreiber ihre Ansätze nicht realisieren können, so Wieja, sollte sich der Ausschuss mit der Frage beschäftigen, ob alternativ ein größerer Markt in Wahlscheid-Süd neben dem Lidl angesiedelt werden könne: „Interesse von Frischemärkten ist vorhanden.“
Die CDU-Fraktion will in der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses die Entwicklung des Gebietes südlich des LIDL-Marktes in Wahlscheid anstoßen. Sie hat einen Antrag eingebracht, der zum Ziel hat, dieses Gebiet für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes sowie für Handwerker und Gewerbebetriebe zu entwickeln.
Die Fläche müsse ausreichend groß sei, so Ratsmitglied Eberhard Temme aus Wahlscheid: „Uns ist es dann auch gelungen, Kontakt zu einem Eigentümer herzustellen, der ein geeignetes Grundstück zur Verfügung stellte.“ Die CDU wolle das Entwicklungs- und Handlungskonzept Wahlscheid 2021 wieder aufgreifen, das der Ausschuss in der letzten Wahlperiode einstimmig gefordert hatte.
In eine ähnliche Richtung zielt ein Antrag der Koalition aus Grünen, SPD und UWG. Die Verwaltung soll das Einzelhandelskonzept für Wahlscheid überarbeiten, Ziel: dass ein weiterer großflächiger Einzelhandel südlich des Lidl möglich wird. Falls erforderlich, solle ein Gutachten in Auftrag gegeben werden. Vorbereitend und begleitend solle die Verwaltung die notwendigen Gespräche mit der Bezirksregierung führen.