Firma „Rahm - Zentrum für Gesundheit“ in SpichGold-Gewinner konstruiert seine Prothesen selbst
Troisdorf – Hinter dieser Tür wurde Sportgeschichte geschrieben: Hier an seiner Werkbank in der Montage der Firma „Rahm - Zentrum für Gesundheit“ in Spich hat Markus Rehm an seiner Sprungprothese gefeilt, so lange, bis sich die Schwinge aus Kohlenstoff und der Schaft perfekt an den Stumpf seines rechten Beins fügte.
Die Statik muss passen
Noch im September kehrte er mit Gold und seinem dritten Weitsprung-Weltrekord von den paralympischen Leichtathletik-Weltmeisterschaften aus Katar zurück, 8,40 Meter sprang er dort. „Es ist gut, wenn man die Prothese selbst bauen kann, die Statik muss passen“, sagt der 27-Jährige. Überschätzen sollte man den Effekt der Schwinge aber nicht: Von der Konstruktion her sei diese simpel und aus ganz normalen Serienteilen gefertigt. Angesichts heute üblicher Spitzenleistungen führe nur hartes Training zum Erfolg.
Aus seiner sportlichen Erfahrung macht Rehm, der für den TSV Bayer 04 Leverkusen antritt, keine Geheimnisse. Und dieser Tatsache ist wohl auch zu verdanken, dass es in der Firma bereits einen zweiten Spitzensportler gibt. Sein Kollege, der Auszubildende Johannes Floors brachte die Bronzemedaille über 400 Meter und einen Europarekord über 200 Meter mit – und zudem gemeinsam mit Rehm, David Behre und Felix Streng eine Goldmedaille in der 4x-100-Meter-Staffel.
Floors Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker begann im September 2014. „Ich gehe total darin auf“, sagt er über seinen Beruf und die Möglichkeit, sich selbst und anderen zu helfen. Rehm arbeitet in der firmeneigenen Gehschule Protheo-Fit in Spich, Floors derzeit in einer Filiale in Leverkusen. Der 20-Jährige braucht zwei Unterschenkelprothesen für Sport und Alltag. Er kam mit einer „Fibula-Aplasie“ zur Welt, einem Gendefekt, der fehlende Wadenbeine und Unterentwicklungen an Unterschenkeln und Füßen zur Folge hat – und Schmerzen. In der Pubertät seien diese so groß geworden, dass er sich mit 16 zur Operation entschloss. Sportlich sei er immer gewesen und habe sich sofort ans Trainieren gemacht. Neben der Arbeit in der Werkstatt ist ihm der Kundenkontakt, etwa beim Anpassen von Prothesen, besonders wichtig. „Für den Kunden ist es schön, wenn da jemand ist, der auch betroffen ist“, hat Rehm festgestellt.