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Klima-QuartierMucher haben noch viele Fragen

Lesezeit 3 Minuten
An Hang hinter der Dörrenbitze soll ein sogenanntes Klima-Quartier entstehen. Das Thema sorgt schon jetzt für Debatten.

Am Hang hinter der Dörrenbitze soll ein sogenanntes Klima-Quartier entstehen. Das Thema sorgt schon jetzt für Debatten.

Die Gemeinde hatte zur Bürgerversammlung in die Aula der Gesamtschule eingeladen.

Es steht zwar noch alles in den Sternen. Aber allein die Tatsache, dass schon laut darüber gesprochen wird und die Planungen laufen, sorgt bei den Muchern für Diskussionen. Die Aula der Gesamtschule ist jedenfalls voll, als Beigeordneter Karsten Schäfer die Bürgerversammlung eröffnet.

Alle wollen mitreden und wissen, was passiert. Am Hang hinter der Dörrenbitze soll nämlich ein sogenanntes Klima-Quartier entstehen. Ein Wohngebiet, das besonders ressourcenschonend gestaltet werden soll. Der Investor André Kleinpoppen verspricht Häuser aus nachhaltigen Baustoffen, die klimaneutral mit Strom und Wärme versorgt werden sollen. Der benötigte Strom soll mit Solaranlagen und Wärmepumpen selbst produziert werden.

Investor besitzt das Grundstück, baut aber nicht selbst

Im Winter muss fremder Strom eingekauft werden, im Sommer soll der Überschuss allerdings eingespeist werden, sodass es am Ende auf null ausgeht. Schottergärten sind ausgeschlossen, stattdessen müssen zehn Prozent der Außenfläche aus einer Blumenwiese bestehen, die das Leben der Insekten fördern soll. Die Straßen sollen fußgängerfreundlich sein und kein Wald darf für das Projekt gerodet werden.

So sieht es das Konzept der KPP GmbH & Co. KG vor, doch umsetzen wird sie es nicht selbst. André Kleinpoppens Firma besitzt zwar das Bauland an der Dörrenbitze, baut aber nicht. Alle 50 Wohneinheiten möchte die KPP an Bauherren verkaufen, die die Vorhaben umsetzen.

Bei jedem Verstoß muss der Bauherr 20.000 Euro in einen Klimaschutzfonds zahlen
Investor André Kleinpoppen zu den Klimaschutzregeln

„Wer stellt denn sicher, dass alle Klimaschutzregeln auch umgesetzt werden”, möchte Thorsten Bliss wissen, einer der anwesenden Bürger. „Bei jedem Verstoß muss der Bauherr 20.000 Euro in einen Klimaschutzfonds zahlen”, antwortet Kleinpoppen. So werde sichergestellt, dass Verstöße einfach nicht passieren.

Was ein potenzieller Eigentümer später auf seinem Grundstück macht, liege natürlich nicht mehr in der Macht des Investors, auch das gibt Kleinpoppen zu Bedenken. Thomas Glass fragt in die Runde, wer die Wärmepumpen und PV-Anlagen bezahlen und instand halten soll. Dafür arbeitet die KPP schon seit Jahren mit den Stadtwerken Solingen zusammen. „Im Kaufvertrag ist gleichzeitig ein Vertrag mit dem Energieversorger drin”, erklärt Kleinpoppen.

Einige Mucher bezweifeln jedoch, dass die Häuser jemals stehen werden. Immerhin hat der Investor erst eins seiner Klima-Quartiere fertiggestellt. Das Wohngebiet in Dormagen hat aber nie den offiziellen Status vom NRW-Klimaschutzministerium erhalten, da die Vorgaben nicht umgesetzt wurden. Genügend Bauherren zu finden, die auf den 50 Grundstücken bauen wollen, ist fraglich. Bauen wird immer teurer, selbst im Neubaugebiet Gippenstein sind nach fünf Jahren noch zahlreiche Grundstücke unverkauft.

Ein Mann im dunklen Sakko und weißen Hemd spricht vor sitzenden Zuhörern; in der Hand hat er ein Mikrofon.

Der Beigeordnete Karsten Schäfer moderierte die Veranstaltung.

Der Mucher Beigeordnete Karsten Schäfer spricht meistens im Konjunktiv. Die Gemeinde hat das letzte Wort und muss die Baupläne des Investors absegnen. Dass man noch ganz am Anfang stehe, betont auch Pauline Gödecke von den Grünen. „Es wird in dem Prozess mehrere Offenlegungen der Pläne geben und da kann man schriftliche Belange einreichen”, so die Mucher Fraktionsvorsitzende.

Mucher können Anregungen im Verfahren einbringen

Dem pflichtet der Investor bei: „Sie können im ganzen Verfahren ihre Anregungen geben, es soll ja im besten Fall alles im Einvernehmen mit den Bürgern passieren”, so Kleinpoppen. So sichert er etwa Verkehrsberuhigungen zu, nachdem sich einige Bürger über Raser im Ort beschwert haben. Auch einen Grünstreifen oder eine Hecke kann er sich vorstellen, um das Neubaugebiet besser abzugrenzen.

Ein Bürgeranliegen kann jedoch mit Sicherheit nicht berücksichtigt werden. Melissa Urban erinnert sich an tolle Schlittenfahrten auf dem Hang und sorgt sich um Lärm im Fall einer Bebauung. „Wo fahren die LKW lang? Kann man da noch in Ruhe spazieren gehen?”, möchte sie wissen. „Ich weiß es nicht”, sagt Karsten Schäfer. Und das ist nicht die einzige Unbekannte in diesem großen Projekt.