Dem Landesumwelt wurden in den letzten Wochen extrem viele Beobachtungen aus NRW gemeldet. Die Fachleute haben Fotos und Videos erhalten.
Wölfe gesichtetMögliche Rückkehr der Tiere sorgt viele Menschen im Rhein-Erft-Kreis

Im Rhein-Erft-Kreis wurden in den letzten Wochen an verschiedenen Stellen Wölfe gesichtet. (Symbolfoto)
Copyright: Bernd Weißbrod/dpa
Ist der Wolf zurück im Rhein-Erft-Kreis? Diese Frage treibt momentan einige Menschen um. Nicht wenige sind beunruhigt, wie Markus Wipperfürth, Landwirt und Reitstallbetreiber aus Pulheim-Stommelerbusch weiß. In einem Gespräch mit der Redaktion berichtet er, dass sich in den vergangenen Woche zahlreiche Privatleute bei ihm gemeldet haben, um ihm mitzuteilen, dass sie im Rhein-Erft-Kreis sowie im Kölner Raum Wölfe gesehen hätten.
Rhein-Erft-Kreis: 24 Stunden im Freien
Auch Fotos und Videos habe man ihm zukommen lassen. Demnach hat es Wolfssichtungen beispielsweise in Elsdorf, Pulheim-Geyen, in den Bergheimer Stadtteilen Büsdorf und Glessen gegeben. In der vergangenen Woche „wurde ein Wolf in der Bergheimer Innenstadt, am Chaunyring, gesehen.“
Der Familienvater hat 340 Pensionspferde auf den Reitanlagen Hahnenhof in Stommelerbusch, Burg Stammeln in Elsdorf-Heppendorf und Haus Furth, die zwischen Pulheim, Dormagen und dem Kölner Norden liegt. Die Tiere „werden artgerecht gehalten, so wie es der Tierschutz verlangt. Sie sind 24 Stunden in Gruppen und im Freien, in Offenställen.“
Der Wolf geht Menschen aus dem Weg, wo er nur kann
Das Thema Wölfe betrachtet er mit größter Sorge, wie er betont. „Weil wir eine Verantwortung haben für unsere Tiere und weil wir Angst um unsere Kinder haben, wenn sie draußen spielen oder zur Schule gehen.“ Sie seinen umzingelt von Wald, es gebe nur wenig Verkehr. „Wir genießen es, wir sind dankbar, so leben zu dürfen, mit der Natur.“
Jetzt allerdings feststellen zu müssen, dass ein Raubtier möglicherweise ansässig werde, mache ihm große Sorgen. „Keiner kann die Gefahr einschätzen, keiner kann mir sein Wort geben, dass nichts passiert.“ Birgit Kaiser de Garcia, Sprecherin des Landesumweltamtes (Lanuv) NRW, zeigt Verständnis für die Sorgen um die Kinder. Sie sagt aber auch: „Prinzipiell hat es keinen Übergriff auf Menschen gegeben. Der Wolf geht Menschen aus dem Weg, wo er nur kann.“
Rhein-Erft-Kreis: Viele Hinweise von Bürgern
Und was Pferde betreffe, sie seien viel zu groß, um als Beute für den Wolf infrage zu kommen. Es sei kein einziger Fall in Nordrhein-Westfalen bekannt, bei dem ein Wolf ein großes Reitpferd gerissen habe. Hingegen haben in den letzten Wochen viele Bürger das Landesumweltamt kontaktiert. „Uns wurden extrem viele Beobachtungen aus NRW gemeldet. Wir haben Fotos und Videos bekommen“, sagte die Sprecherin.
Häufig seien sie unscharf und es sei nicht eindeutig zu erkennen, ob es sich um einen Wolf handele. Einige meldeten sich, um ihre Beobachtungen zu schildern. „Auch sie sind für uns wertvoll.“ Ihre Kollegen, allesamt Wildbiologen, nähmen Kontakt zu den Urhebern auf, um zu klären, wo genau sie sie ihre Beobachtungen gemacht haben und werteten das Bildmaterial und die Beobachtungen aus.
„Das machen sie nicht alleine“, weiß Birgit Kaiser de Garcia. Das Material schauten sich auch die Kooperationspartner der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in Görlitz an. „Sie überprüfen das Material für ganz Deutschland.“ Seien sich alle Fachleute einig, dass es sich um einen Wolf handelt, werde die Information auf der Homepage www.wolf.nrw unter den „Wolfsnachweisen“ veröffentlicht.
Für den Rhein-Erft-Kreis gibt es für das laufende Jahr noch keinen Eintrag. „Die meisten Beobachtungen sind noch in der Überprüfung.“ Aktuell würden dem Lanuv fünf bis zehn Wolfsichtungen pro Tag gemeldet, schätzt Kaiser de Garcia. „Es ist jetzt die Zeit, in der die Jungtiere, die aus dem Rudel gejagt wurden, unterwegs sind, um einen eigenen Lebensraum zu finden.“ Die Hochphase dauere von Januar bis Juni.
Was tun bei der Begegnung mit einem Wolf?
Erkennen: „Einen Wolf sicher zu erkennen, ist gar nicht so einfach“, sagt der Biologe Wilfried Knickmeier. „Meist sehen Spaziergängerinnen und Spaziergänger das Tier nur kurz und manche Hunderassen sind auch für geübte Personen kaum vom Wolf zu unterscheiden.“ Wie verhalten? Was bei einer Begegnung mit einem Wolf zu tun ist?
„Der Wolf ist weder ein Kuscheltier noch ein zu fürchtendes Monster“, sagt Veterinär Dr. Thomas Mönig, der für die Kreisverwaltung von Rhein-Berg im rechtsrheinischen Bergisch Gladbach arbeitet. „In den seltenen Fällen einer Begegnung sollten sich Menschen vorsichtig verhalten. Das gilt im Übrigen auch bei Begegnungen mit anderen Wildtieren, zum Beispiel einer Bache mit Frischlingen.“
Wölfe seien in der Regel scheu und Begegnungen mit dem Menschen daher eher selten. „Wichtig ist es, dass der Wolf den Menschen nicht mit Nahrung in Verbindung bringt“, so der Veterinär. „Daher sollten Menschen niemals einen Wolf mit Nahrung anlocken oder füttern.“ Bei einer Begegnung sei die wichtigste Maßnahme, nicht wegzulaufen. „Ziehen Sie sich langsam zurück, ohne dem Wolf dabei direkt in die Augen zu starren“, rät Biologe Wilfried Knickmeier.
„Wenn Sie einen Hund dabeihaben, sollten Sie ihn anleinen und dicht bei sich führen. Nähert sich der Wolf dennoch, sollten Sie ihm mit einer aufrechten Haltung und selbstbewussten Gesten begegnen“, so Knickmeier. Seit mehr als 20 Jahren gibt es in Deutschland wieder wildlebende Wölfe. Bislang sei in dieser Zeit kein einziger Übergriff auf einen Menschen dokumentiert worden, so Veterinär Mönig.
Wer einen Wolf sichtet oder dessen Spuren findet, beispielsweise Kot, der – für den Wolf typisch – viele Haare, aber auch Knochenreste enthält, sollte das dem Landesumweltamt melden oder einen Wolfsberater kontaktieren. Die Fachleute des Landes haben Spurensicherungskoffer und können damit Proben nehmen. Die Behörde hat für Wolfsmeldungen eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet. Weitere Infos auch online. (wg/r/mma)