OldtimerBergheim Classics Oldtimer-Freunde trafen sich an der alten Mühle in Oberaußem
Bergheim-Oberaußem – Das typische Aroma nach verbleitem Benzin atmet der Achtzylinder des Ford Thunderbird Coupé aus der geöffneten Motorhaube. Die Karosserie schimmert wie Perlmutt, und tiefrot zeigt sich die lederne, mehr als großzügig bemessene Innenraumausstattung des amerikanischen Straßenkreuzers. Seinerzeit, 1964, sei das die amerikanische Antwort auf die ersten Mercedes Benz-Modelle im europäischen Automarkt der Luxusklasse gewesen, weiß Klaus Büttgenbach, der Besitzer des Oldtimers.
Schon damals habe das Auto über elektrische Scheibenheber verfügt oder das für diese Klasse typische Fußpedal für die Feststellbremse. Großzügig ist auch die Motorisierung des Amerikaners, 350 Pferdestärken aus 6,5 Litern Hubraum. „Dabei hat er eine Straßenlage wie ein Bötchen auf dem Rhein“, sagt Büttgenbach.
Schneller als Tempo 120 fahre er damit nicht, der Verbrauch belaufe sich auf elf Liter. Der Wagen war ehemals ein Schaustück in den Räumen einer Stuttgarter Brauerei, nach fünf Jahren Suche hat Klaus Büttgenbach dieses Traumauto gefunden, und das ganz im Originalzustand, abgesehen von der aufwendigen, schimmernden Dreischichtlackierung, schwärmt der Oldtimerfreund aus Lövenich.
Der Straßenkreuzer findet zum vierten „Bergheim Classics“, dem Treffen für Old- und Youngtimer, an der alten Mühle viele Bewunderer. Es bleibt am Sonntag ein beschauliches Treffen auf dem Rasen rund um die Mühle, am Mittag sind es etwa 20 Fahrzeuge. Mit den Oldtimern präsentiere man zum Tag des offenen Denkmals auch die Mühle, sagt Sprecher Carsten Hütten. Genau das Richtige für jene, die eine familiäre Atmosphäre dem Rummel und Kommerz der großen Oldtimertreffen vorziehen, sagt Büttgenbach.
Ro 80 mit Wankelmotor
Vorgefahren sind etwa ein Ro 80 mit Wankelmotor, verschiedene Mercedes-Modelle der 1970er-Jahre, eine 250er Zündapp und ein Porsche 914 im Lenner-Umbau. Das sei ein Bausatz, von dem seit 1972 nur 120 verkauft worden seien, berichtet Besitzer Andreas Krebber. Einen der begehrten Bausätze habe er fabrikneu ergattern können, um seinen Porsche mit Totalschaden neu aufzubauen, sagt der Karosseriebauer aus Titz-Spiel.
Auch Günter Jütersonke aus Kaster, Automechaniker im Ruhestand, hat sich einen Traum erfüllt. Er fuhr mit Frau Hannelore im Fiat Topolino, einem „Mäuschen“ in Adriablau von 1954, vor die Mühle. „An dem Auto habe ich meine Lehre gemacht. Mit verbundenen Augen erkenne ich jede Schraube“, schwört Jütersonke. Nur eines sorge bei allem Lob für das schön erhaltene Auto immer wieder kritische Kommentare: das moderne Radio mit Kassettenrekorder. „Ich habe 35 alte Radios zu Hause, keines ist bei Motorbetrieb ordentlich funkentstört“, sagt Jütersonke. Das Gemecker hatte er aber satt. Für das High-Tech-Radio hat er jetzt eine altmodische Blende besorgt.