Addy Muckes verließ die Jahnhalle fluchtartig. Sieger Stingl dagegen triumphierte. Er galt als Kandidat von Fraktionschef Ripp.
Debakel für Parteichef MuckesCDU Kerpen schickt Stingl in den Bürgermeister-Wahlkampf

Die CDU wählte ihren Bürgermeisterkandidaten. Harald Stingl siegte gegen Addy Muckes.
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Mit einem Knall endete die Mitgliederversammlung der CDU Kerpen am Mittwochabend (2. April) in der Jahnhalle. Nicht der scheinbar klar favorisierte Parteivorsitzende Addy Muckes wurde zum Bürgermeisterkandidaten gewählt, sondern sein Kontrahent Harald Stingl. Bei der über alle Maßen gut besuchten Veranstaltung entfielen 75 Stimmen auf den Leiter der städtischen Pressestelle, Muckes kam auf 43 Stimmen. Es gab drei Nein-Stimmen bei 121 stimmberechtigten anwesenden Mitgliedern.
Kerpen: Muckes zeigte sich bestürzt und enttäuscht
Muckes hatte mit diesem Ergebnis offenbar nicht gerechnet. Er verließ konsterniert die Jahnhalle und zog bereits kurz nach der Verkündung der Ergebnisse in Betracht, von seinem Parteivorsitz zurückzutreten. Eine derartige Entscheidung blieb auf der Versammlung jedoch aus formalen Gründen offen, da die Tagesordnung dies nicht vorsah. Muckes betonte allerdings: „Dieser Ausgang ist ein ganz deutliches Zeichen.“
Als Muckes sich wieder fing und zurück in den Saal kehrte, fand er deutliche Worte gegenüber der Redaktion: „Ich bin menschlich einfach enttäuscht. Vor allem hätte ich diesen Abstand bei der Stimmauszählung nicht erwartet.“
Die Versammlung war nach Angaben von Parteimitgliedern um ein Vielfaches besser besucht als vorangegangene, in denen solch wichtige Entscheidungen anstanden. Etwa doppelt so viele Mitglieder als bei vergleichbaren Veranstaltungen waren vor Ort. Offenbar war es dem Stingl-Lager gelungen zu mobilisieren.
Bürgermeisterkandidat Stingl will direkt in Gespräche einsteigen
Der neue Bürgermeisterkandidat der CDU zeigte sich noch auf der Veranstaltung erleichtert und dankbar: „Ich hatte erwartet, dass die Anspannung nach der Entscheidung von mir abfällt, aber mir ist bewusst, dass es jetzt erst richtig losgeht.“ In seinen Dankesworten betonte Stingl, das Bürgermeisteramt müsse in den Händen der CDU bleiben.
Stingl erläuterte, seine nächsten Schritte seien, mit allen Verantwortlichen in der Partei in Gespräche zu gehen. Einen Sekt wolle er jetzt aber noch nicht aufmachen: „Wenn ich Bürgermeister bin, dann gerne, aber jetzt steht erst einmal der Wahlkampf an“, sagte Stingl gegenüber der Redaktion.
Die Verkündung des Wahlergebnisses sorgte vor allem unter den treuen Unterstützern Muckes' für verärgerte Reaktionen. Ein Mitglied sprach davon, dass „eine Person wieder ihre Strippen gezogen“ habe. Ein weiteres Mitglied äußerte sich: „Jetzt bleibt alles beim Alten, weil es manchen Leuten eher um eigene Befindlichkeiten als um die Partei geht.“

CDU-Parteichef Addy Muckes erlitt eine empfindliche Niederlage bei der Wahl des Bürgermeisterkandidaten.
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Vor der Wahl stellten Stingl und Muckes ihre Vorhaben in zwölf- statt zehnminütigen Bewerbungsreden vor. Muckes verwies auf seine lange politische Laufbahn, seinen christlichen Glauben und die Verbundenheit mit den Werten der CDU. Er konnte zudem eine Vielzahl an Vereinsmitgliedschaften nennen und auf sein weitreichendes ehrenamtliches Engagement verweisen.
Stingl zentrierte seine Rede vor allem auf seine Verwaltungserfahrung und seinen Weg in die Partei. Er betonte, er wisse, was die Menschen beschäftige, weil in seinem jetzigen Amt auch das Beschwerde-Management der Stadt angesiedelt sei. Er wolle „die Menschen in Kerpen mitnehmen“ und die Mitarbeiter der Verwaltung wieder motivieren.
Vor allem eine Rückfrage aus dem Plenum sorgte für Aufhorchen, als einer der Anwesenden Addy Muckes fragte, ob er stets die Steuern für sein Sonnenschutz-Unternehmen gezahlt habe. Auch wollte er wissen, wie Muckes sein Unternehmen aufgebaut habe. Muckes machte deutlich: „Die Steuern habe ich immer bezahlt und das seit nun mehr fast 30 Jahren. Wer sich mit dem Handwerk auskennt, weiß, das ist eine lange Zeit in der Branche.“
Muckes und Ripp sind einander in herzlicher Abneigung verbunden
Der Kerpener CDU-Vorsitzende Muckes hatte bereits vor Wochen angekündigt, bei der Kommunalwahl am 14. September antreten zu wollen. Zuvor hatte der amtierende Bürgermeister Dieter Spürck aus gesundheitlichen Gründen seinen Verzicht auf eine mögliche dritte Amtszeit verkündet.
Stingl hatte den Parteivorstand erst vor rund einer Woche darüber informiert, dass er ebenfalls Bürgermeister werden möchte. Er war erst Mitte Februar in die CDU eingetreten. Nach Recherchen dieser Redaktion war er vom Fraktionsvorsitzenden Klaus Ripp zu seiner Kandidatur bewegt worden. Ripp und Muckes sind dem Vernehmen nach einander in herzlicher Abneigung verbunden.
Am Folgetag machte Muckes deutlich, dass er aktuell keine Aussage gegenüber der Redaktion zu der Wahl treffen wolle und weitere Bedenkzeit benötige. Auch Stingl war nicht bis Redaktionsschluss zu erreichen.
Man kann da keinen Rat geben. Ich halte es aber für schwierig, wenn er weiter macht.
Muckes' Stellvertreterin Irmgard Bremer sagte im Nachgang: „Es war eine demokratische Wahl zwischen zwei Kandidaten, die ich beide für qualifiziert halte, und aus dieser Wahl ist ein Gewinner herausgegangen. Den Gewinner und damit unseren Kandidaten für das Bürgermeisteramt werden wir als CDU nun vollumfänglich unterstützen.“
Wie es nun für den Parteivorsitzenden weitergehe, vermöge sie nicht zu sagen. „Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass Herr Muckes sagt, das Vertrauen der Partei in ihn ist gebrochen. Aber das ist etwas, was er selbst entscheiden muss. Ich denke, dass es hier nur verständlich ist, dass Herr Muckes ein paar Tage Zeit für sich braucht, um sich die Frage zu beantworten, ob er Parteivorsitzender bleiben möchte“, erläutert sie. Bremer macht aber auch deutlich: „Man kann da keinen Rat geben. Ich halte es aber für schwierig, wenn er weiter macht.“
Für die Partei stehe jetzt vor allem der Wahlkampf im Fokus. „Wir werden zeitnah in den Wahlkampf starten und unseren Kandidaten, der zwar noch recht neu in der CDU, aber in seiner Funktion als Pressesprecher der Stadt bekannt ist, noch bekannter zu machen“, führt sie aus.
Aus ihrer Sicht könne es mit dem Wahlkampf bereits ab sofort losgehen: „Ich gehe davon aus, dass Herr Stingl bereits bei der Infoveranstaltung zur künftigen ZUE als Bürgermeisterkandidat der CDU auftritt und nicht als Pressesprecher der Stadt.“