Mit der Umstellung auf Erdgas spare die Produktion jährlich 100.000 Tonnen CO₂ und reduziere die Emissionen am Standort um 40 Prozent.
70 Millionen investiertNeues Gaskraftwerk für das Martinswerk in Bergheim

Die Luftaufnahme zeigt das neue Kraftwerk am Martinswerk in Bergheim
Copyright: J.M. Huber Corporation
Es kostete rund 70 Millionen Euro und deckt den gesamten Energiebedarf des Martinswerks: Ein eigenes Erdgaskraftwerk versorgt seit Dezember die Bergheimer Produktion mit einer maximalen elektrischen Leistung von 14 Megawatt. Nun wurde es unter Anwesenheit des stellvertretenden Landrates des Rhein-Erft-Kreises, Bernhard Ripp, des Bergheimer Bürgermeisters Volker Mießeler und Vertretern von geschäftlichen Partnern des Unternehmens feierlich eröffnet.
Das 1913 gegründete Martinswerk gehört seit 2014 der J. M. Huber Corporation, die in den USA ansässig ist. Das Unternehmen reagiert mit dem Bau des neuen Kraftwerks in Bergheim auf den geplanten Kohleausstieg. Bisher bezog das Martinswerk seine Energie aus einem eigenen Braunkohlenkraftwerk, das in diesem Zuge abgeschaltet wurde.
Bergheim: Martinswerk spart 40 Prozent CO₂-Emissionen ein
Entsprechend bewertet das Unternehmen die Umstellung hin zum Gas als wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Huber verspricht sich daraus am Standort in Bergheim jährlich rund 100.000 Tonnen CO₂ einzusparen – das entspräche einer Senkung der Kohlendioxid-Emissionen des Werks um etwa 40 Prozent.

Zur Besichtigung des Kraftwerks waren unter anderem Mitarbeitende von Shell und GETEC anwesend, außerdem der stellvertretende Landrat des Rhein-Erft-Kreises, Bernhard Ripp.
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Wegen der Umstellung fallen jährlich auch über 7000 Lkw-Fahrten weg, die Braunkohle zum Werk transportierten, außerdem 10.000 Tonnen Flugasche. Die Emissionen der weltweit agierenden J.M. Huber Corporation würden mit diesem Schritt um etwa elf Prozent verringert. Für Planung, Errichtung und Inbetriebnahme sowie die Wartung und Instandhaltung ist der Energiekonzern GETEC verantwortlich. Shell beliefert den Standort mit Gas.
Gas- und Dampfturbine erzeugt Energie
Essenziell für die Energieversorgung ist aber nicht nur eine Gas-, sondern auch eine Dampfturbine. Damit werde ein höherer Wirkungsgrad erzielt, und der Energiebedarf könne flexibler gedeckt werden. 400.000 Tonnen Dampf erzeugt das Kraftwerk pro Jahr. Der Dampf ist dabei für verschiedene chemische Prozesse essenziell, etwa beim Erhitzen und Lösen des Produkts in Lauge, aber auch um Wasser wieder herauszuziehen, nachdem das Produkt ausgewaschen wurde.

Das Verbrennen von Gas verursacht viel Hitze, die in einem Abhitzekessel aufgefangen wird.
Copyright: Rafael Greboggy
„Das neue Kraftwerk ist das Herzstück des Martinswerks und produziert die notwendige Energie für unser Werk“, sagt Martin Schulting, Geschäftsleiter des Martinswerks und Vizepräsident Sales & Marketing von Huber Advanced Materials, einer Geschäftseinheit der J.M. Huber Corporation. Er sieht die Umstellung als sichtbares Zeichen dafür, wie der Standort mit seiner langen Geschichte erfolgreich in die Zukunft geht. „Wir erzeugen die benötigte Energie jetzt wesentlich umweltfreundlicher und sind für die Zukunft gerüstet, da wir das Erdgaskraftwerk auf Wasserstoff umstellen können.“
Erdgas wird als Übergangstechnologie hin zu grünem Wasserstoff gehandelt. Denn auch wenn Erdgaskraftwerke wesentlich weniger CO₂ emittieren als Kohlekraftwerke, handelt es sich bei Erdgas ebenfalls um einen fossilen Brennstoff. Die Emissionen aus Gaskraftwerken sind signifikant, besonders im Vergleich zu erneuerbaren Energien.
Zum Werk
Das Martinswerk wurde 1913 als Tochtergesellschaft der schweizerischen Aluminium Industrie AG gegründet. Seit 2016 gehört es der J. M. Huber Corporation. Der Standort in Bergheim stellt Spezialprodukte auf der Basis von Aluminiumhydroxid und Aluminiumoxid her. Flammschutzmittel des Werks werden unter anderem für den Schutz von Kabeln, Drähten oder Polymeren verwendet. Abnehmer sind Industrien, die mit Kunststoff, Papier, Keramik oder im Agrarbereich arbeiten, außerdem Hersteller von Lack, Feuerfest- und Poliermitteln. Aktuell beschäftigt das Werk rund 450 Mitarbeitende. (rag)