Mittelpunkte der LeserSommertour-Bus macht Station in Rösrath

Dorfplatz und Bleifelder Hof (hinten) sind für Heike Schminke und Wolfgang Volberg (l.) sowie Neubürger Klaus Pehle der Mittelpunkt.
Copyright: Thomas Rausch
Rhein-Berg – Es ist früh am Morgen und noch ziemlich frisch, als die ersten Kunden auf den Hoffnungsthaler Markt strömen. Das Wetter der vergangenen Wochen ist natürlich Gesprächsthema. Während der Hitzeperiode dieses Sommers sei zweifellos das Hoffnungsthaler Freibad Rösraths Mittelpunkt gewesen, sagt Regionaldirektor Frank Strathmann, der für das Redaktionsmobil vor seiner Regionalfiliale der Kreissparkasse Köln direkt neben dem Wochenmarkteingang ein Plätzchen freigehalten hat.
Die Lage ist prima. Und bei den Besucherzahlen geht das Freibad dieses Jahr auf die Marke von 100 000 zu, weiß der Tafel-Vorsitzende, Dr. Gerd Wasser, aus einer Sitzung des Freibad-Fördervereins. Jetzt, da es etwas kühler ist, wirkt am Samstag vor allem wieder der Hoffnungsthaler Wochenmarkt als Rösraths samstäglicher Dreh- und Angelpunkt.
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Landwirt Kalli Müllenbach deutet auf seine Ware: „Ich habe in 60 Jahren noch nie so dicke Kartoffeln gehabt“, sagt er und lächelt. Das lasse aber keinerlei Rückschlüsse auf seine Intelligenz zu, beugt er dummen Sprüchen vor.
Tafel sucht Fahrer
Ein paar Meter weiter überwiegt Metall am Stand von Friedhelm Kotthaus. „Ich komme alle 14 Tage hierher“, sagt der 69-Jährige, der nicht nur Scheren und Messer schleift, sondern auch verkauft. „Eigentlich ist es nur noch ein Hobby“, sagt der Rentner, der Scherenhärter in Solingen gelernt hat und heute in Witzhelden lebt. Er hat noch eine besondere Metallspezialität im Angebot: besonders große Skalpelle aus chirurgischem Stahl.

Vierbeiner sind die Bewohner in der „City“ von Bleifeld. Gleich neben ihrer Weide ist der Dorfplatz.
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Ganz andere Spezialitäten bietet Margret Kürten aus Wipperfürth an. Bei ihr gibt es Fleisch, Wurst und Käse aus der Region. Seit mehr als 20 Jahren kommt sie regelmäßig nach Hoffnungsthal. Was gerade gut läuft? „Braten“, sagt sie, „das Grillen ist jetzt fast vorbei.“ Spanferkel sind Kürtens besonderes Angebot. Gerade reicht sie einem Stammkunden seinen Einkauf über die Theke. Oliver Kürsten aus Rösrath sagt: „Seit drei Jahren kaufe ich mehr regionale Produkte.“
Heidi Meurer, langjährige Vorsitzende der IG Hoffnungsthal, ist gerade aus dem Urlaub zurück und hat sich auf dem Markt ein paar schöne Blumen gekauft. Das gute Wetter nutzen an diesem Vormittag viele Menschen aus der Region, um auf dem Hoffnungsthaler Markt einzukaufen. Und dabei bleiben viele kurz am Stand der Redaktion stehen und sprechen über die Zeitung. Der Markt in Hoffnungsthal ist ganz sicher einer der Mittelpunkte im Ort.

Dorfplatz und Bleifelder Hof (hinten) sind für Heike Schminke und Wolfgang Volberg (l.) sowie Neubürger Klaus Pehle der Mittelpunkt.
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In einer anderen Rösrather Dorfmitte sollen Vierbeiner den Ton angeben, haben wir von Klaus Pehle gehört. Wir machen zu ihm auf – auf die Hoffnungsthaler Berge, nach Bleifeld. Dort wartet Pehle, der 2016 aus Bergisch Gladbach in den Rösrather Höhenort gezogen ist, zusammen mit Heike Schminke und Wolfgang Volberg von der Dorfgemeinschaft. Schafe grasen auf der Wiese mitten in Bleifeld.

Vorbereitung fürs Stadtfest am Stadtteilbüro: (v. l.) Roswitha Hoge, Gabi Koßmann und Dagmar Breunsbach
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Direkt daneben liegt der Dorfplatz, ein Steinwurf entfernt zudem der Bleifelder Hof. Der Platz wird oft genutzt für die Aktivitäten im Dorf, etwa beim Martinszug. „Wir arbeiten gerade an neuen Konzepten für das Dorffest“, erzählen Volberg und Schminke und versprechen: „2019 wird es ein neues Fest geben, an einem Tag.“ 50 Aktive – bei etwa 500 Bewohnern – hat die Dorfgemeinschaft – und ein Ziel: „Wir versuchen immer, alle zu integrieren.“
Möbel Höffner lockt Menschen aus der Region an
Von der Rösrather Stadtgrenze zu Köln macht sich derweil der radelnde Reporter der Redaktion auf. Zwischen 9 und 10 Uhr ist kaum jemand auf der Straße, trotz des sonnigen Wetters. „Hier ist nie was los“, findet Katharina Dias, die ihre Frühschicht im Restaurant Heideblick beendet hat und nun in Kleineichen auf den Bus wartet. Ab 10 Uhr nimmt die Geschäftigkeit im Ort zu: Möbel Höffner öffnet, auch Petra und Adrian Mikoschek aus Engelskirchen steuern mit ihren Kindern Diego und Paula den Eingang an. „Wir wollen mal gucken, was es so gibt“, sagt Petra Mikoschek, im neuen Haus der Familie fehle es noch an Lampen und Dekoration.

Hochzeitspaar: Caterina Krüger (l.) und Christina Wilm
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Für den Reporter geht’s weiter nach Stümpen, wo es schon etwas belebter ist, die meisten Passanten wollen hier zum Einkauf im nahen Discounter Netto. Sonja Reucher hat gerade ihr Auto mit Lebensmitteln vollgeladen: „Ich muss meine Tiere füttern gehen, ich habe Rinder und alles Mögliche.“ Auch Sabine Strauß aus Stümpen will nach dem Einkauf ihr Pferd versorgen, das in den „Hoffnungsthaler Bergen“ untergebracht ist. „Stümpen ist mittlerweile sehr gut aufgestellt“, sagt sie über ihre Umgebung. Sie schätzt die Nähe zur Natur, aber auch die gute Verkehrsanbindung mit Auto und Regionalbahn. Ihren Schritt, bei der Fahrt zur Arbeit auf die Bahn umzusteigen, hat sie allerdings bald bereut. Verspätungen und Zugausfälle hätten ihr das Leben schwer gemacht, erzählt sie. Zu allem Übel habe die Bahn zur Hauptverkehrszeit Kurzzüge eingesetzt. „Ich bin oft gar nicht reingekommen“, erzählt sie. „Da habe ich mich nach anderthalb Jahren Versuch wieder fürs Auto entschieden.“

Scherenschleifer Friedhelm Kotthaus steht auf dem Wochenmarkt.
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An der Versöhnungskirche in Rösraths Ortsmitte wird auf der Baustelle für eine neue Kita auch samstags gearbeitet, rege geht es auch im Ladenlokal der Dachdeckerei von Hansi Kautz zu. Der Vereinsvorsitzende von „Gemeinsam für Rösrath“ macht letzte Änderungen am Aufstellplan für die Stände des Straßenfests am Sonntag.
Zum Finale geht es am Montag nach Kürten
Die letzte Etappe der Sommertour führt die Lokalredaktion am Montag nach Kürten. Von 9 bis 12.30 Uhr befindet sich der Redaktionsstand an der Bergstraße gegenüber der Kirche St. Johann Baptist. Reporter starten mit Rad und Redaktionsmobil von Biesfeld und Spitze dorthin. Um 12.30 Uhr beginnt am Redaktionsstand eine kostenlose Rundfahrt für Interessierte. (wg)
Auch im Stadtteilbüro dreht sich alles um das Straßenfest. Stadt-Mitarbeiterin Gabi Koßmann und Ehrenamtler von „Engagierter Stadt“ und Bürgerbus-Verein bereiten das Büro für den Besucheransturm vor. Anne Koch kommt herein und fragt nach einem Schild „Rösrath passt auf“ – und Roswitha Hoge erkundigt sich gleich bei ihr, ob sie nicht ein Ehrenamt suche. Koch zeigt sich nicht abgeneigt: Voraussichtlich im Februar geht sie in den Ruhestand. „Dann ist Unruhestand angesagt“, kündigt sie an. Hoge freut sich: „Ich schaue in die Gesichter der Leute und überlege, wer vielleicht zu gewinnen ist für Ehrenamt.“ Dagmar Breunsbach will so auch beim Straßenfest neue Mitstreiter gewinnen. Auch Tafel-Vorsitzender Dr. Gerd Wasser sucht Freiwillige: „Wir brauchen dringend weitere ehrenamtliche Fahrer und Beifahrer, um die Lebensmittel einzusammeln“, sagt er und freut sich, dass Zeitungsfotograf Klaus Daub bei der Tafel angefangen hat, als er in den passiven Teil seiner Altersteilzeit gewechselt ist. Weitere Interessenten könnten sich gerne bei ihm unter (0 22 05) 8 29 26 melden, sagt Wasser
Kaffee und Klaaf am Hofferhof
Während die einseitige Straßensperrung an dem abgerutschten Hang nahe dem Bahnhof Rösrath weiter die Bürger ärgert, ist unweit davon, am Schloss Eulenbroich, große Freude angesagt: Christina Wilm und Caterina Krüger haben geheiratet. Die frischgebackenen Ehefrauen sind auf dem Weg zum Sektempfang. Doch das ist nur der erste Teil des Feierns – auch ohne kirchliche Trauung. „Nächste Woche gibt“s eine große Party“, freut sich Caterina Krüger.

Empfang für die Lesertour im Redaktionsmobil mit Kaffee an der Dorfbank im Zentrum von Hofferhof.
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Auf die mittägliche Rundfahrt mit dem Redaktionsmobil freuen sich eine ganze Reihe Zeitungsleser, die den historischen Schulbus interessiert besichtigen, bevor Fahrer Norbert Kuhl sie mit dem Gefährt auf eine Bergtour nach Hofferhof mitnimmt. Dort werden die Passagiere nicht nur von Tino und Ralf Müllenbach in der örtlichen Kornbrennerei „Hoffer Alter“ mit Quittenschnaps und Wasser empfangen, Käthe Müllenbach schenkt an der Bank in der Ortsmitte auch spontan Kaffee für die Fahrgäste aus. Gastfreundschaft wird in Rösraths Dörfern eben groß geschrieben, und erst recht im „Dorf, wo Milch, Korn und Honig fließen.“
Von der sechsten Etappe der Redaktions-Sommertour berichteten Thomas Franke, Lea Menzel, Matthias Niewels, Thomas Rausch und Guido Wagner.