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IT-StatistikWie und wo in Rhein-Berg die Schuldenberge wachsen

Lesezeit 2 Minuten
Die Statistiker des Landes haben umfangreiche Daten zur Finanzsituation in den Kommunen vorgelegt.

Die Statistiker des Landes haben umfangreiche Daten zur Finanzsituation in den Kommunen vorgelegt.

Klar war, dass die Schuldenberge wachsen - aber die Statistiker von IT-NRW liefern nun sehr präzise Zahlen.

Über diesen Zahlenkolonnen werden die Politiker und Bürger noch lange brüten. Die Aufstellung der Schuldenberge pro Kommune ist für die Statistiker von IT-NRW so eine Art Routine. Aber die jetzt vorgelegten Zahlen machen einen Trend, der erwartbar, aber eben nicht quantifizierbar war, deutlich: Die Schuldenberge wachsen in den Kommunen in astronomische Höhe – und das mit hohem Tempo.

Die Landesregierung will gegensteuern und kündigt an, ab 2025 jährlich 250 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Diese Hilfe soll 30 Jahre lang geleistet werden. Am Ende ein Gesamtbetrag von 7,5 Milliarden Euro. Das hört sich nach viel an.

Die Altschulden-Thematik geht total am Thema vorbei
Frank Stein (SPD), Bergisch Gladbachs Bürgermeister

Aber um diesen Betrag richtig einschätzen zu können, reicht ein Blick auf Bergisch Gladbach. Die Kreisstadt mit rund 110 000 Einwohnern sitzt im Jahr 2023 auf einem Schuldenberg von insgesamt 347 785 000 Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 10,3 Prozent – gegenüber 2013 ein Plus von 19,1 Prozent. Das Tempo der Verschuldung hat sich also in den vergangenen Jahren ganz erheblich gesteigert.

Und die Gesamtsumme, die das Land für alle Kommunen zur Verfügung stellt, würde nicht einmal ausreichen, um die Gladbacher Altschulden abzutragen. Ganz zu schweigen von den Altschulden der viel größeren Städte. Bergisch Gladbachs Bürgermeister Frank Stein (SPD) reagierte auf die Zahlen auf Anfrage aus seinem Urlaub. „Die Altschulden-Thematik geht total am Thema vorbei“, sagte er.

Die Zahlen aus Düsseldorf zeigen echte Besonderheiten

Entscheidend sei das strukturelle Defizit von Bergisch Gladbach wie von allen anderen Kommunen. „Selbst wenn das Land die Schulden von Bergisch Gladbach auf einen Schlag tilgen würde, müssten wir am nächsten Tag ja schon wieder neue aufnehmen.“

Aber die Zahlen zeigen auch echte Besonderheiten. Kürten konnte sich ganz gegen den Trend entwickeln. Dort sanken die Schulden im Vergleich zu 2013 um satte 58,7 Prozent. Kürten profitierte von einem „Stärkungspakt“ des Landes aus 2011.

Allerdings: Das von Gladbachs Bürgermeister Stein attestierte strukturelle Defizit trifft auch Kürten. Anders die Zahlen in Odenthal. Dort hat sich die Verschuldung von 2013 bis 2023 nahezu verdoppelt. Frei von großen Ausschlägen ist die Entwicklung in Rösrath. Und die Menschen in Overath müssen verdauen, dass die Pro-Kopf-Verschuldung mit 4917 Euro einen Rekordwert in Rhein-Berg darstellt.

Die Auswertung der Zahlen von IT-NRW und der Vergleich zwischen den Kommunen wird Verwaltung und Politik noch sehr lange beschäftigen.