Grundschüler aus Kippekausen und Refrath helfen, damit Schule und Kita in Butscha ein neues Dach bekommen – und bekommen Besuch aus der Partnerstadt.
Besuch aus der UkraineBergisch Gladbacher Kinder helfen, zerschossene Schule zu reparieren

Vom Leben mit dem Krieg erzählt Alina Saraniuk (3.v.l.) den Kindern der GGS Kippekausen. Auch Schulleiterin Sonja Frohleiks (r.) und Feuerwehrchef Jörg Köhler (3.v.r.) hören interessiert zu.
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Wie ist es, wenn Raketen über einen fliegen, wenn vor der Haustür Krieg ist? Mucksmäuschenstill hören die Kinder der Gemeinschaftsgrundschule Kippekausen Alina Saraniuk zu. Die 27-Jährige ist aus der ukrainischen Stadt Butscha nach Kippekausen gekommen, um die Fragen der Kinder nach dem Leben in der Stadt zu beantworten, die durch die Tötung von mehr als 400 Zivilisten mutmaßlich durch die russischen Besatzer weltweit bekannt wurde und die seit einigen Monaten Bergisch Gladbachs neue Partnerstadt ist.
Erlös auf Bergisch Gladbacher Spendenlauf für Dächer in Butscha
3000 Häuser der 35 000-Einwohner-Stadt seien zerstört worden, erzählt Alina Saraniuk den Kindern. Teilweise hätten die russischen Besatzer gezielt mit Panzern auf die Dächer geschossen, weil das die „weicheste Stelle“ vieler Gebäude sei und die dann schutzlos dem Wetter ausgesetzt seien, sagt Bergisch Gladbachs Feuerwehrleiter Jörg Köhler, der Alina Saraniuk in die Schule begleitet hat und selbst schon in Butscha gewesen ist.

Zwei Kita- und Schuldächer in Butscha konnten mit 56 000 Euro des Spendenlaufs der Bergisch Gladbacher Schulen GGS Kippekausen und KGS In der Auen repariert werden.
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Die Dächer von zwei zerschossenen Kita- und Schulgebäuden konnten jetzt repariert werden. Mit Hilfe von Geldern, die die Kinder der Gemeinschaftsgrundschule Kippekausen zusammen mit der Katholischen Grundschule In der Auen wie berichtet bei einem Spendenlauf gesammelt hatten. Stolze 56 000 Euro waren dabei zusammengekommen, sagt Schulleiterin Sonja Frohleiks und freut sich über die Fotos von den Dacharbeiten an den beiden Gebäuden, die Alina Saraniuk den Kindern schon vor ihrem Besuch geschickt hat.
Ein Junge habe im Kinderparlament der GGS Kippekausen spontan gesagt, wie schön er es finde, dass sie das Geld dafür geben konnten. Mit einem Tanz und Musik empfangen die Kinder die Mitarbeiterin des Bürgermeisters von Butscha, Alina Saraniuk. Sie ist gerührt. Und hat Bilder der Kinder aus Butscha mitgebracht, mit denen sie sich für die Unterstützung bei der Reparatur ihrer Dächer bedanken wollen.
Eure Unterstützung ist so toll Wir spüren, dass wir nicht alleine sind.
Friedenstauben in Blau und Gelb, den Nationalfarben der Ukraine sind darauf zu sehen, und zwei Figuren mit den Flaggen von Deutschland und der Ukraine, die sich die Hand geben.
„Eure Unterstützung ist so toll“, dankt Alina Saraniuk den Kippekausener Kindern: „Wir spüren, dass wir nicht alleine sind.“ Dann lädt sie die Kinder ein: „Wenn der Krieg vorbei ist, hoffen wir, dass ihr zu uns nach Butscha kommt“, sagt die 27-Jährige.
Grundschülerin möchte wissen, wie sich die Menschen in Butscha fühlen
Wie sich die Menschen in Butscha fühlen, will Luisa wissen. Alina Saraniuk erzählt davon, dass es zurzeit nur vier Stunden am Tag Strom gebe. „Ohne Strom funktioniert auch die Trinkwasserversorgung nicht und die Heizung“, ergänzt sie. Wie anders das Leben der Kinder in Deutschland zurzeit ist, hat sie sofort gemerkt, seitdem sie nach der 24 Stunden langen Reise von Butscha nach Bergisch Gladbach bei der Familie von Feuerwehrchef Jörg Köhler ins Gästezimmer eingezogen ist: „Morgens aufzustehen und Licht zu haben und duschen zu können, ist sehr viel“, sagt sie.

Schulgebäude mit repariertem Dach.
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Dass daheim in Butscha auch beinah jeden Tag Tote gebracht werden, Einwohner von Butscha, die als Soldatinnen und Soldaten in den noch stärker umkämpften Gebieten im Osten der Ukraine gekämpft haben, erzählt sie lieber später nur im kleinen Kreis im Lehrerzimmer. „Vielleicht ist es zu viel für Kinder“, sagt die 27-Jährige.
Was denn ist, wenn die gerade reparierten Dächer wieder von Panzern oder Raketen zerstört werden, möchte ein Kind vorher in der Schulversammlung wissen. „Dann bauen wir es wieder auf“, sagt Alina Saraniuk. „Und wir laufen nochmal einen Sponsorenlauf“, ergänzt Schulleiterin Sonja Frohleiks gleich. Alina Saraniuk ist gerührt: „Wir haben viele Partnerstädte in Europa aber nur eine Stadt, die uns bis heute wirklich hilft“, sagt sie: „Bergisch Gladbach“. Die 27-Jährige hält inne: „Wir sind nicht mehr nur Partner, sondern Freunde geworden“, sagt sie mit fester Stimme.
Auch Nazart, Artem und David hören aufmerksam zu. Sie kennen den Krieg. Sie kommen alle drei aus der Ukraine, sind mit ihren Müttern vor dem Krieg geflüchtet und gehen nun in Kippekausen zur Schule. Als Alina Saniuk Nazar auf Ukrainisch fragt, woher er komme, antwortet er auf Deutsch. Es ist erstaunlich, wie gut er die Sprache seit dem vorigen Sommer gelernt hat. Auch dank eines intensiven Sprachtrainings, das die Schule mit zusätzlichen Mitteln einrichten konnte, wie Schulleiterin Frohleiks erzählt.
Alina Saraniuks Handy meldet sich. Sie schaut auf Display. Keine guten Nachrichten aus Butscha: „Es sind neue Raketenangriffe angekündigt“, sagt sie. „Für heute.“ Wenn die Raketen fliegen, dann gebe es oft kein Handynetz, erzählt die 27-Jährige: „Dann bekommt man gar nichts mehr mit – bis man die Flugabwehr dann schießen hört.“

Mit einem Tanz und Musik empfangen die Kinder der GGS Kippekausen die Besucherin aus der Partnerstadt Butscha (2.v.l.).
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Kinder wie Lehrerinnen und Lehrer sind ganz still. Die Besucherin aus Butscha liest ein Schreiben von Anatolii Fedoruk, dem Bürgermeister der ukrainischen Stadt vor. Der dankt den Kindern aus Bergisch Gladbach für ihre Hilfe und endet damit „Gemeinsam sind wir stärker.“
Alina Saraniuk macht eine Pause: „Wir hoffen nur, dass der Krieg bald zu Ende ist – und ihr uns dann besuchen könnt.“ – „Ja“, sagt ein Mädchen spontan und nickt.
Wärme aus Bergisch Gladbach für Butscha

Handwärmer hat der Gladbacher Konvoi in die Ukraine gebracht.
Copyright: Alina Saraniuk
Neben Bildern von den reparierten Dächern haben die Menschen aus Gladbachs ukrainischer Partnerstadt Butscha Fotos von Soldaten geschickt. Die halten Wärmepakete in den Händen, die mit dem jüngsten Hilfskonvoi der Gladbacher Feuerwehr, der auch warme Kleidung und Generatoren an Bord hatte, in die Ukraine gebracht wurden. „Danke, das hilft uns sehr hier im Winter“, heißt es dazu. (wg)