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LandschaftspflegeBladersbacher kritisiert Stadt Waldbröl für „rigorose Rückschnitte“

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Der Bladersbacher Martin Klein kritisiert die Rückschnitte von Büschen und Sträuchern an den Wirtschaftswegen der Stadt Waldbröl, hier an einer Stelle oberhalb seines Heimatortes und am Rande des Nutscheid-Höhenzugs.

Der Bladersbacher Martin Klein kritisiert die Rückschnitte von Büschen und Sträuchern an den Wirtschaftswegen der Stadt Waldbröl, hier an einer Stelle oberhalb seines Heimatortes und am Rande des Nutscheid-Höhenzugs.

Martin Klein fürchtet, dass etwa den Vögeln nun Brutplätze fehlen und die Natur um seinen Heimatort Bladersbach nun Schaden nehmen könnte.

Da sei die Stadt seiner Meinung nach viel zu weit gegangen, findet Martin Klein und blickt in seinem Heimatort Bladersbach auf die Sträucher und Büsche an den Rändern von Wirtschaftswegen der Stadt Waldbröl – oder vielmehr auf das, was davon übrig ist. Denn seit dem Jahreswechsel bis in die vergangenen Wochen hinein hat der Bauhof der Stadt diese gestutzt und die Wege freigeschnitten – und hat nach Ansicht von Klein zu viel Grünes weggeschnitten. Das sei vollkommen übertrieben.

„Viele Vögel und Insekten brauchen bestimmte Sträucher und Büsche als Lebensgrundlagen. Diese können nicht in Wälder mit Bäumen ausweichen, jetzt fehlt ihnen der Unterschlupf“, erklärt der Bladersbacher Klein, der als Sachkundiger Bürger für die Grünen in der Waldbröler Stadtpolitik aktiv ist. „Sträucher und Büsche bilden auch keine Gefahr für Menschen und stören nicht bei Durchfahrten.“

Waldbröls Bauhof sorgt alle acht bis zehn Jahre für einen Rückschnitt

Für Waldbröls Bauhofchef Dirk Stoffel ist das ein übliches Vorgehen, denn nur alle acht bis zehn Jahre erfolge ein solcher Rückschnitt durch die Stadt, die Wirtschaftswege mit einer Gesamtlänge von etwa 280 Kilometern zu betreuen und zu unterhalten habe. Darunter sind laut Stoffel auch Strecken, die der Versorgung mit Löschwasser dienen und schon deshalb freizuhalten sind. „Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben zur Breite des Rückschnitts an Wirtschaftswegen“, sagt er. „Der wird den Örtlichkeiten angepasst, dann wird mit Augenmaß zurückgeschnitten.“

Auch an dieser Stelle, so findet der Waldbröler Martin Klein, sei zu rigoros zurückgeschnitten worden.

Auch an dieser Stelle, so findet der Waldbröler Martin Klein, sei zu rigoros zurückgeschnitten worden.

Auch reagiere der Bauhof stets auf Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern, versichert Stoffel. „Und nasse Wege bekommen durch den Rückschnitt mehr Licht und Sonne, also trocknen sie so besser ab“, ergänzt er und beziffert die Arbeitszeit dafür im vergangenen Januar auf fast 290 Stunden. An externe Dienstleister würden solche Arbeiten nicht vergeben, Kosten für den Schnitt würden ebenso wenig veranschlagt.

Trotzdem, so glaubt Martin Klein, könne die Marktstadt Geld sparen, ginge sie weniger rigoros zur Sache: „Anfallende Kosten für den Einsatz der städtischen Maschinen, für Diesel sowie für die Personalstunden könnten eingespart werden und würden den Haushalt entlasten“, führt der Bladersbacher aus.

Bei der Biologischen Station in Nümbrecht hat Fachmann Florian Schöllnhammer durchaus Verständnis – „auf der einen Seite, weil das seltene Rückschneiden ein Teil des städtischen Zeitmanagements ist“, führt der Garten- und Landschaftsarchitekt aus Lindlar aus. „Auf der anderen Seite aber verlieren so Vögel plötzlich ihren angestammten Brutplatz, Schmetterlinge den Ort, um ihre Eier abzulegen, und die Igel ihre Verstecke.“ Sträucher, Büsche und Hecken seien „ein wunderbarer Lebensraum für viele Arten“.

„Vielleicht sollte die Stadt Waldbröl ihr Vorgehen überdenken und weniger, aber dann eben öfter, das Grün zurückschneiden“, schlägt Schöllnhammer vor. Im Sinne der Landschaftspflege seien die Prioritäten falsch gesetzt, diese Erfolge nicht im Sinne der Biologischen Station: „Da bedeutet manchmal mehr Geld auszugeben auch mehr Qualität zu erhalten“, sagt Schöllnhammer.