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Fluch, Segen oder beides?So feiert ein echtes Christkind Geburtstag an Heiligabend

Lesezeit 4 Minuten
Weihnachten in den 1960er Jahren: Alexander Schröder-Frerkes (Mitte) hat an Heiligabend Geburtstag und empfindet das alle Jahre wieder als besonders.

Weihnachten in den 1960er Jahren: Alexander Schröder-Frerkes (Mitte) hat an Heiligabend Geburtstag und empfindet das alle Jahre wieder als besonders. 

Wie es ist, am 24.12. Geburtstag zu haben? Für den Juristen und ehrenamtlichen DRK-Präsidenten Nordrhein Alexander Schröder-Frerkes fühlt es sich alle Jahre wieder besonders an – anekdotenreich ist es auf jeden Fall. 

Die Antwort auf die Frage nach seinem Geburtsdatum löst fast immer dieselbe Reaktion aus: „Ein Christkind!“ Alexander Schröder-Frerkes wurde in den frühen Morgenstunden des 24.12.1960 geboren – am Heiligabend vor 64 Jahren. Fluch, Segen oder beides? Auch diese Frage schließt sich schnell an. Schröder-Frerkes hat rückblickend auf die Geburtstage und seinen bisherigen Weg darauf eine sympathisch-entwaffnende Antwort: „Bitte kein Mitleid. Ich hatte keine Nachteile und bisher ein Super-Leben. Ich bin ein Glückskind!“

Das Datum seines Geburtstages hat vermutlich sein Leben geprägt. „Ich habe das schon als kleiner Junge als besonders empfunden.“ Im Erwachsenenalter fügte er dann gerne auch noch die weitere Besonderheit hinzu: „Meine Eltern heißen Wilhelm-Josef und Gisela-Maria.“ Ein Stück Heilige Familie steckt also auch in ihm.

Nach der Geburt spielte eine Weihnachtskapelle

Als Baby Alexander im Marien (!)-Hospital in Düsseldorf geboren wurde, spielte, so erzählte die Mutter später, unten im Hof eine Weihnachtskapelle ein Ständchen für das Christkind des Tages. Schröder-Frerkes wuchs mit seinen beiden deutlich älteren Brüdern in Erkrath auf. Seine Kindheit und die Weihnachtsfeste verliefen im klassischen Sinne katholisch: „Das hat mich als Kind fasziniert“, erinnert er sich. Besonders, wenn es auf Heiligabend zuging. Die Heilige Messe war wichtig, das gemeinsame Singen, der Christbaum, den seine Mutter in den 1960ern mit Kugeln und Lametta schmückte, das Jahr für Jahr glänzend und geglättet aus den Kartons geholt wurde.

Und dann war da ja die Geschenkefrage. Anfangs wurde noch fein säuberlich unterteilt: morgens gab es das Geburtstagspräsent, abends kam das Christkind. Schröder-Frerkes: „Die Tür zum Wohnzimmer, wo der Baum stand, war verschlossen, ich durfte nicht rein.“ Einmal sei er, weil er es nicht abwarten konnte und mit seinem Bruder darum kämpfte, doch ins Wohnzimmer zu kommen, durch das Glasfenster in der Türe gekracht. „Das war dann ein ganz anderer Geburtstags-Heiligabend: Ich musste ins Krankenhaus und habe ein kleine Narbe davongetragen.“

Als der Glaube ans Christkind kleiner und die Wünsche größer wurden, entschieden die Eltern, die Geschenkfrage anders zu regeln. „Es gab immer ein bestimmtes Budget, und das wurde dann für ein größeres Geschenk zusammengelegt“, so Schröder-Frerkes. Heute muss er lachen, wenn er an so manche Bescherung denkt. Einmal hatten seine älteren Brüder – mutmaßlich aus Eigennutz – angeregt, Klein-Alex würde sich doch sicher über einen Kicker freuen. Gesagt, getan. Doch als das Präsent ausgepackt wurde, konnte das Geburtstagskind kaum über die Kante des Fußballtisches schauen. Der Kicker wurde dann erstmal von den Brüdern gekapert.

Schröder-Frerkes

Später Weihnachts- und Geburtstagswunsch erfüllt - und sogar mehr als ein Mofa.

Als Jugendlicher war sein größter Wunsch, ein Mofa zu bekommen. Natürlich, weil es cool war – und man damit mutmaßlich die besten Chancen bei den Mädchen hatte. Dieses Unterfangen verhinderte allerdings der Vater mit Verweis auf zu schlechte Schulnoten. Kürzlich wurde Schröder-Frerkes dieser Wunsch dann aber doch noch erfüllt. Angeregt durch einen Film, den er, so will es die Legende, an einem Weihnachtstag mit seiner Frau geschaut hat – und der von zwei Brüdern handelt, die sich mit Mofas auf den Weg zum Timmendorfer Strand machten – gab es zum Geburtstag und Weihnachten im vergangenen Jahr das lange gewünschte Zweirad von seiner Frau. Zwei weitere Mofas wurden angeschafft für Sohn und Tochter. Nun soll es nächstes Jahr gemeinsam auf sechs Rädern nach Texel gehen. Alles nur, weil es vor fast fünf Jahrzehnten kein Mofa für das Geburtstags-Christkind gab…

Von der Carrera-Bahn zur Oldtimer-Halle

Pferdestärken und schöne Fahrzeuge haben es Schröder-Frerkes von jeher angetan. Irgendwann gab es zu seinem Ehrentag am 24.12. die heiß ersehnte Carrera-Bahn, die er viel später als Familienvater gemeinsam mit seinem Sohn im Keller wieder aufbaute. Apropos Keller: Als Geburtstage wichtiger als Weihnachten wurden, durfte natürlich auch ordentlich gefeiert werden. Die vom Vater, einem Schreiner, gefertigte Holzbar war Dreh- und Angelpunkt für so manche leicht verspätete Geburtstagsparty an Silvester.

Als Schulkind, so erinnert sich Schröder-Frerkes, durfte er auch seinen Namenstag im Mai feiern. Das war nochmal ein Ersatz für den Geburtstag, an dem aufgrund des Feiertages meist keine Freunde kommen konnten. Während seiner Studienzeit in Köln wurde es zur Tradition mit zwei Jura-Kommilitoninnen, die ebenfalls am 24.12.Geburtstag hatten, morgens beim Brunch in einer Kneipe zu feiern. Und in gewisser Weise ist er dem Brauch in den nächsten Jahrzehnten treu geblieben. Seit rund 20 Jahren gibt es das feste Ritual des Geburtstagsbrunchs in einer Oldtimer-Halle in Meerbusch, zu dem Freunde, Weggefährten und Geschäftspartner eingeladen werden. „Um 10.30 Uhr geht's los - bis 13 Uhr. Dann schmeiße ich alle raus“, lacht er.

Familienzeit mit Raclette

Denn dann ist Familienzeit. Spaziergang mit dem Hund, Kirchgang am Nachmittag, Bescherung zuhause und Weihnachtsessen. Auf seine kulinarischen Geburtstagswünsche wird dabei allerdings keine Rücksicht genommen. „Ich hätte lieber Kartoffelsalat und Würstchen, aber meine Kinder haben sich durchgesetzt. Seit Jahren gibt es Raclette.“ Die Geburtstagsanekdoten im Hause Schröder-Frerkes könnten übrigens noch weiter angereichert werden. Ehefrau Kristina hat am 29. Februar Geburtstag – ist also ein Schaltjahrkind, Bruder Julius am 1. April – kein Aprilscherz!