Abdo Hamo sucht einen Nachfolger für das „Adendorfer Lädche“ - jemanden, der den Kiosk mit Bäckertheke so leidenschaftlich führt, wie er. Denn mit seinen bald 73 Jahren kann er nicht mehr, wie er mag.
Abdo Hamo setzt sich endgültig zur RuheNachfolger fürs „Adendorfer Lädche“ in Wachtberg gesucht

Abdo Hamo und sein Kiosk "Adendorfer Lädche"
Copyright: Manfred Reinnarth
Einmal ist Abdo Hamo unglücklich vor der Tür seines „Adendorfer Lädche“ gestürzt, und Ehefrau Carmen hat ihn rechtzeitig gefunden. Immer öfter muss der bald 73-Jährige, den Freunde „Abi“ nennen, erkennen, dass er seinen Kiosk an der Töpferstraße nicht mehr so führen kann, wie er das gerne möchte. Alter und Gesundheit fordern ihren Tribut. „Ich schäme mich schon, zu schreiben: ‚Ich komme gleich wieder.‘“ Viel zu oft habe das Schild schon an der Türe gehangen.
Darum sucht der Wachtberger mit kurdischen Wurzeln und einer zweiten Heimat in Spanien einen Nachfolge-Pächter, der auch das Sortiment übernimmt. Aber „Abi“ schaut sich Kandidaten genau an. Er will niemanden hinterlassen, der eine Schufa-Auskunft fürchtet, oder den Adendorfern nicht die gewohnten Brötchen liefert. „Es soll eine respektable Person sein, die passt, die Geduld hat.“

Das 'Adendorfer Lädche' mit der Terrasse
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Hinter dem Qualm einer Zigarette funkeln trotz des Alters lebhafte Augen, und die gehören zu einem Mann mit bewegter Vergangenheit. Stundenlang kann er von seinen vielen Anstellungen als Koch, seinen Medaillen und den Prominenten berichten, für die er gekocht hat, von einer Zeit auf See, seinem Restaurant auf Fuerteventura – eine spannende Geschichte, die mit einer Flucht aus Syrien begann, die ganz anders war, als eine Flucht heute.
Mit dem Vater und zwei Brüdern kam er als Kurde nach Wachtberg. Eigentlich war er in Marseille geboren. Der Vater hatte ein Arbeitsvisum und war „Bauunternehmer“, wie Abdo Hamo sagt. Als er 16 Jahre alt war, kehrten der Vater und die Brüder aber zurück, er blieb in Niederbachem und wurde Koch. In Frankreich habe er gelernt, in Deutschland den Meister gemacht. Es folgte ein arbeitsreiches Leben an ungezählten Herden in Deutschland, der Türkei, Saudi-Arabien, Griechenland, Spanien und sonstwo.
Stolz trieb ihn aus mancher Stelle und manchem Ort, eine Form von Abenteuerlust in die Welt. Als er nach dem Ausnahmehochwasser Ende der 80er Jahre den Schlamm aus seinem selbst aufgebauten Restaurant im einstigen Hotel Bender in Bad Breisig schaufeln musste, wies er den Bürgermeister sowie einen Banker ab, die mit ihm und einem 300-Euro-Spendenscheck in die Zeitung wollten sowie einen Kredit verkaufen wollten.
Beim Sänger Heino hat er auf der Hochzeit gekocht. Er sei als Freund bei ihm in Münstereifel ein und aus gegangen. Für den jüngst verstorbenen Gerhart Baum habe er gern gekocht („Der war mein bester Freund, nicht wegen der Politik, sondern weil er Spaß machte“), auch für Lambsdorff, Scheel, Genscher und etliche andere Größen. Das ist alles lange her, zumal er 30 Jahre auf der Kanareninsel lebte. „Die ist aber meine zweite Heimat, meine erste ist hier. Syrien? Da habe ich keine Erinnerung dran.“ Kommt das Gespräch auf Politik, wechselt er das Thema.

Die Theke im Kiosk 'Adendorfer Lädche'
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Den Kiosk in Adendorf, der auch bereits eine vier Jahrzehnte lange Tradition hat, übernahm er, weil es ihm als Rentner einfach zu langweilig war. So hatte er wieder einen vollen Tag. Während im Kiosk ab 5.30 Uhr Kaffee für die Handwerker auf dem Weg zur Arbeit gekocht wird, fährt er nach Karweiler (Gemeinde Grafschaft) und holt beim Bäcker Valder die Brötchen für die Backtheke. Bis 19 Uhr hält er die Stellung, kocht für sich und seine zweite Ehefrau Carmen. Heute gibt es Huhn mit Reis, natürlich nicht aus der Tüte.
Den Drang, auf besonderem Niveau zu kochen, zeigen auch einer seiner beiden Söhne und eine inzwischen volljährige Enkelin. Da ist der Senior sehr glücklich drüber. Seit 2018 ist er Rentner, seit 2019 wieder in Deutschland. Ab und an, erkennt ihn jemand aus früheren Zeiten. Selbst die Wachtberer Altbürgermeisterin Renate Offergeld musste feststellen, dass sie im Urlaub auf Fuerteventura bei einem "Abi" gegessen hatte, der niemand anders war als Abdo Hamo aus Wachtberg. Doch nun will sich der Koch endgültig zur Ruhe setzen. Den Imbisswagen, der ihm schon lange zuviel geworden war, hat er an den Fritzdorfer Karnevalsverein verkauft.
Wer den Kiosk in Adendorf samt Terrasse von Abdo Hamo übernehmen will, muss ihm eine Abstandszahlung von knapp 12.000 Euro zahlen. Da sind die Einrichtung und alle Waren mit enthalten. Es geht um Tabak, Zeitungen, Süßigkeiten und Getränke. Die eigentliche Monatspacht ist mit dem Hausbesitzer auszuhandeln.
Informationen gibt Abdo Hamo selbst unter der Rufnummer 0176 84650670.