Meine RegionMeine Artikel
AboAbonnieren

Falsch beschildertVon Swisttal bis Weilerswist dürfen Radfahrer nur noch Schritttempo

Lesezeit 3 Minuten

Die Beschilderung des eigentlichen neuen Radweges von Heimerzheim nach Weilerswist-Metternich sorgt für Enttäuschung und für Verwirrung. 

Swisttal/Weilerswist – „Entschuldigen Sie, wie kommen wir denn von hier aus nach Weilerswist?“ Diese Frage wurde Volkmar Sievert vor einigen Wochen in Heimerzheim von einer Familie auf einer Radtour gestellt. „Über den direkten Radweg natürlich“, hätte der Vorsteher der Swisttaler Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) gerne geantwortet, konnte er aber nicht. Denn der jüngst eröffnete Radweg, der so sehnlich erwartet worden war, ist bisher nur ein Fußgängerweg, auf dem „Fahrräder frei“ gilt.

Verwirrung und Ärgernis sind bei Radfahren und Kommunalpolitikern groß. Volkmar Sievert vom ADFC nennt es einen „Schildbürgerstreich“, die Swisttaler SPD beschwerte sich bereits bei Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU).

Radfahrer haben die Wahl zwischen Schritttempo und Tempo 70

Die aktuellen Schilder – „Sonderweg Fußgänger“ (Zeichen 239) und „Radfahrer frei“ bedeuten, dass dort zwar Rad fahren erlaubt ist, allerdings höchstens mit Schrittgeschwindigkeit. Radfahrer müssen besondere Rücksicht auf Fußgänger nehmen und im Zweifelsfall auch absteigen und schieben. „Das größte Problem ist aber, dass aufgrund der Beschilderung als Fußweg keine Radwegnutzungspflicht gilt“, erklärt Sievert. Somit ist das Verbindungsstück nach mehr als einer Dekade Planung vorhanden, aber eben nicht vollwertig nutzbar. Radfahrer haben aktuell nur die Wahl des kleineren Übels: Entweder Fußweg mit Schrittgeschwindigkeit oder Landstraße mit Pkw-Verkehr bei Tempo 70.

Niemand will das Schild dort aufgestellt haben

SPD-Fraktionsvorsitzender Tobias Leuning weist in einer Pressemitteilung auch darauf hin, dass auf der Landstraße anstelle einer sicheren Querungshilfe noch ein neues Tempo 70-Schild angebracht wurde. Hier müsse dringend nachgebessert werden. „Die Querung der Landstraße bei Tempo 70 ist aus Sicht des ADFC unakzeptabel“, so sieht es auch Sievert. Die Gemeinde Swisttal drängt bei den beteiligten Behörden auf eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit.

Wer die falschen Wegschilder aufgestellt hat, ist nicht zu erklären. Die Gemeinde Swisttal, zu der nur ein rund 50 Meter langes Teilstück des Radweges gehört, bestätigte der Rundschau, „dass dieser Weg seit Jahrzehnten als Radweg gefordert war“, so Pressesprecher Bernd Kreuer. Auch Claudia Roberz von der Gemeinde Weilerswist erklärte gegenüber der Rundschau: „Dieser Weg war auch von unserer Seite aus immer als Radweg geplant.“ Aufgrund des deutlich größeren Anteils der Strecke hinter der Kreisgrenze zum Kreis Euskirchen, hatte Swisttal die Verantwortung an Weilerswist abgegeben. Nun ist jedoch nicht das Straßenverkehrsamt Euskirchen, sondern das des Rhein-Sieg-Kreises als anordnende Behörde für die Umsetzung zuständig. An dieser Stelle verdichtet sich der Dschungel um die fälschlicherweise aufgestellten Fußwegschilder, denn Daniela Blumenthaler von der Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises ließ verlauten: „Wir haben noch keine Beschilderung angeordnet, die Unterlagen dazu liegen noch beim Planungsbüro.“ Sie zitiert das Straßenverkehrsamt: „Wir wollen nicht, dass Radfahrer so lange Schrittgeschwindigkeit fahren müssen“, und verspricht gegenüber der Rundschau: „Wir werden dafür sorgen, dass diese Beschilderung ausgetauscht wird.“

Der Landesbetrieb Straßen.NRW erklärte: „Wir haben die Beschilderung weder aufgestellt, noch jemanden beauftragt“, so Torsten Graber, Pressesprecher der Regionalniederlassung Ville-Eifel. „Der Rhein-Sieg-Kreis hat uns aber gestern damit beauftragt, das Fußwegschild zu entfernen.“