BeethovenhalleKein Puffer für Finanzen und Zeitplan führte zum Baustellen-Desaster

Auf marodem Grund (Bild von Februar 2018) steht die Beethovenhalle – eines von vielen Problemen, die zu Zeitverzögerungen und Kostensteigerungen führten.
Copyright: Archivfoto: Matthias Kehrein
Bonn – Die Stadtverwaltung zieht Lehren aus dem Desaster bei der Fertigstellung der Beethovenhalle, die – nach derzeitigen Kostenstand – mit über 117 Millionen Euro nicht nur mehr als 30 Millionen Euro teurer wird als veranschlagt, sondern auch im Zeitplan aus dem Ruder gelaufen ist: Statt 2019 wird der Bau voraussichtlich im Mai 2021 fertig – da ist das Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens fünf Monate vorbei.
In einem Bericht für den am Freitag tagenden Projektbeirat Beethovenhalle teilt die Stadtverwaltung mit, dass der Bauzustand der 60 Jahre alten Halle nicht im gewünschten Maße erfasst worden sei, weil diese Arbeit eine Vielzahl von Untersuchungen erfordert hätte, für die aber das Haus früher hätte geschlossen werden müssen. Das aber habe man vermeiden wollen. 152 Probebohrungen wurden vorgenommen, bei denen nicht erkannt wurde, dass der Untergrund nicht stabil war. Der Bau war auf den Fundamenten der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Uni-Frauenklinik errichtet worden. Die Folge: Beim Entkernen der Halle rieselte Beton, die Reparatur verzögerte den Terminplan um sechs Monate.
Komplizierte Abstimmungsprozesse
Nachteilig sei auch gewesen, so heißt es in dem Bericht weiter, das Projekt in der Vorplanung in zwei Varianten und diese wiederum in einzelne Module einzuteilen, weil es dadurch zu „komplizierten“ und längeren Abstimmungsprozessen zwischen Objekt- und Fachplanern gekommen sei. Die Küche und das Studio etwa wurden zurückgestellt, weil auf Spenden gehofft worden war; als die nicht eintrafen, musste nachgeplant werden. Folge auch hier: Zeitverzögerung, Kostensteigerung.
Ebenfalls als nachteilig habe sich das Finanzkonstrukt erwiesen, nach dem sowohl das Städtische Gebäudemanagement, eine Art Eigenbetrieb der Stadt, als auch die „normale“ Verwaltung für das Budget zeichneten. Weder für Finanzen noch den Zeitplan gab es Puffer. (dbr)