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Fähre wird umgewidmetBonner „Rheinnixe“ lädt bald zum Schlafen ein

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Das frühere Fährschiff Rheinnixe liegt derzeit am Steg in Beuel . Auf ihm wird seit vielen Wochen fleißig gearbeitet.

Das frühere Fährschiff Rheinnixe liegt derzeit am Steg in Beuel. Auf ihm wird seit vielen Wochen fleißig gearbeitet.

Die Rheinnixe in Bonn wird von einer Fähre zu einem Übernachtungsboot für sechs Personen umgebaut, um Gästen Entspannung am Rhein zu bieten.

Beim Vorbeigehen schauen sich die Beuelerinnen und Beueler nach ihr um, der eine oder andere bleibt stehen, um das weiß-gelbe Schiff zu betrachten. Seit Monaten fragen sie sich, was wohl mit der Rheinnixe passiert. Was wird aus dem geliebten Fährschiff, das derzeit am Steg in Beuel liegt – und auf dem seit vielen Wochen fleißig gearbeitet wird?

„Das Schiff ist jetzt umgewidmet, es ist keine Fähre mehr, sondern ein Sportboot“, sagt der Besitzer der Rheinnixe, Stephan Wollersheim bei einer Begehung der schwimmenden Baustelle Ende 2024. Doch das bedeutet nicht, dass das Schiff künftig wie ein Jet-Ski über den Rhein düsen wird. Es bedeutet erst mal nur, dass es den regelmäßigen Fährbetrieb nicht mehr gibt. Doch unterwegs sein soll die Nixe auch in Zukunft, so Wollersheim: „Es ist ein Schiff, es bleibt ein Schiff und es wird auch fahren.“ Nur eben nicht mehr so regelmäßig wie früher.

Rheinnixe: „Wenn oben jemand Musik macht, fliegt er raus“

Denn in Zukunft soll die Rheinnixe zu einem Schiff mit Übernachtungsmöglichkeiten werden – mit Wellen- und Möwengeräuschen zum Einschlafen. „Es können nachher sechs Leute auf dem Schiff übernachten“, sagt der Besitzer und zählt auf: „Zwei über dem hinteren Motorraum, zwei vorne und zwei an der Seite in Richtung Rhein.“ Dort werde noch eine Wand gezogen, sodass man in der Schiffsmitte eine Kabine für zwei Übernachtungsgäste und einen Aufenthaltsraum in Richtung Ufer hat.

Im hinteren Teil des Schiffes sollen zwei Schlafzimmer und ein Aufenthaltsraum entstehen.

Im hinteren Teil des Schiffes sollen zwei Schlafzimmer und ein Aufenthaltsraum entstehen.

Er geht den schmalen Treppenabgang hinunter. „Hier kommen zwei Badezimmer hin“, sagt er und zeigt durch die Türen. Schon bald soll in den noch leeren Räumen je eine Dusche, ein Waschbecken und eine Toilette entstehen. „Vorher gab es hier nur einen winzigen Wassertank“, sagt der Schiffsbesitzer und führt fort: „Wir haben zwei große Tanks eingebaut. Jetzt gibt es 3000 Liter Frischwasser und 3000 Liter Abwasser.“ Wenn das Boot voll besetzt ist, reiche das frische Wasser circa für vier Tage, gibt er an. Dann werde das Abwasser ausgepumpt und in die Kanalisation geleitet.

Bonn: Rheinnixe muss noch umgebaut werden

Doch bis Gäste auf der Rheinnixe übernachten können, muss noch einiges passieren. „Hier wird noch alles richtig gedämmt – auch an den Seitenwänden“, sagt er. Auf die Dämmung komme dann eine Wandverkleidung. „Damit, wenn man heizt oder kühlt, dass nicht direkt wieder rausgeht“, erklärt er. In den Schlaf- und Aufenthaltszimmern und der Küche gibt es je ein Gerät, das zugleich als Heizung und Klimaanlage dient. „Die sind jetzt noch mit Kartons abgedeckt, solange hier umgebaut wird“, sagt der Besitzer. Z Auf das Dach komme zudem eine Solaranlage.

Der neue Besitzer der Rheinnixe, Stephan Wollersheim, bei einer Begehung.

Der neue Besitzer der Rheinnixe, Stephan Wollersheim, bei einer Begehung.

Isolierung ist wichtig Um die Innenräume bestmöglich zu isolieren, habe Wollersheim auch die Fenster der Nixe tauschen lassen. Wo früher Einfachverglasung war, sind nun zweifachverglaste Fenster eingebaut worden. „Das war wohl die teuerste Einzelmaßnahme“, resümiert er.

Neben den Fenstern, der Heizung, den Tanks und weiteren Umbauten im Innenraum hat Wollersheim, der gelernter Schreiner ist, auch außen am Schiff schon erste Arbeiten verrichtet. „Der Unterboden wurde mit Drahtbürsten abgeschrubbt und dann gestrichen. Das haben wir zu dritt gemacht“, sagt er. „Das war eine Höllenarbeit.“ Auch wen er vieles selbst oder gemeinsam mit Freunden macht, habe er für vieles – beispielsweise die Elektronik oder die Fenster – Fachfirmen engagiert.

Rheinnixe soll so viel kosten, wie eine Nacht im Hotel

Wie teuer das ganze Projekt werden wird? „Da habe ich so langsam eine Ahnung“, sagt Wollersheim und lacht. Einen Betrag möchte er nicht nennen. Was er jedoch verrät: Die gesamte Nixe zu mieten werde vermutlich ungefähr so teuer sein, wie auch eine Hotelübernachtung mit sechs Personen. Doch das Geld scheint für ihn zweitrangig. Wenn er auf seiner Nixe steht, wirkt er begeistert. „Ich finde es ganz wunderbar“, sagt er.

Er plane, im Sommer mit dem Umbau fertig zu werden. Die Arbeiten dauerten eben seine Zeit, sagt Wollersheim, der selber nebenbei voll berufstätig ist. Es seien noch letzte Absprachen und Genehmigungen notwendig – doch den Großteil habe er schon hinter sich gebracht. Beispielsweise, die Prüfung für das Sportpatent zu bestehen, um die Nixe dann auch fahren zu können, das entsprechende Gewerbe anzumelden, Absprachen mit dem Tiefbauamt und der Wirtschaftsförderung zu treffen. Außerdem, so Wollersheim, habe er den Steg langfristig als Anlagestelle gemietet. „Der Steg ist das eigentliche Stück Gold hier. So einen Platz würde man nie wieder bekommen“, sagt er.

Für ihn sei die Lage mit das Entscheidende bei seiner Geschäftsidee. Um Anwohner nicht zu verärgern, ist ihm wichtig, wie er betont, dass die Rheinnixe in Zukunft weder Partyboot noch Veranstaltungsraum werden soll. „Es wird kein Partyschiff. Oben an Deck gibt es keine Musik. Wenn oben jemand Musik macht, fliegt er raus“, so der Eigentümer. Warum er da so eine klare Meinung hat: „Hier ist Ruhe. Die Leute sollen genau das genießen – dass es hier so schön ist.“