Bad Godesberger StraßentunnelJetzt ist die bergseitige Röhre gesperrt

Bis vor kurzem befahren, jetzt aber dicht: Die bergseitige Tunnelröhre ist gesperrt bis Anfang 2020.
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Bonn – Die sicherheitstechnische Nachrüstung des Bad Godesberger Straßentunnels, die vor allem zusätzliche Brandschutzmaßnahmen umfasst, geht in die nächste Runde. Die Arbeiten in der bislang geschlossenen, rheinseitigen Tunnelröhre sind abgeschlossen. Ihre Vollsperrung wurde aufgehoben, sie wird nun bis Anfang 2020 im einspurigen Gegenverkehr betrieben. Die bergseitige Röhre hingegen bleibt nun bis zu diesem Zeitpunkt komplett geschlossen.
In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde die Verkehrsführung im Tunnel samt Neuprogrammierung der Ampelanlagen umgestellt. Während der nun folgenden Bauarbeiten wird in der bergseitigen Röhre eine Fahrspur pro Richtung geöffnet sein, die Geschwindigkeit wird auf maximal 30 Stundenkilometer beschränkt.
Lüftungstechnik entsprach nicht mehr den Vorschriften
Grund für die Bauarbeiten ist die Erneuerung der Lüftungstechnik. „Die, die wir bisher hatten, benutzt Technik aus den Neunzigern“, erklärt Stefan Pieper, der das Projekt bei der Stadt betreut. Und diese entspreche seit dem Jahr 2006 nicht mehr den Bestimmungen. „Solche Bauarbeiten sind einfach zu teuer, um sie auf Zuruf zu machen, wir haben auf eine Gelegenheit gewartet“, begründet Pieper die Wartezeit.

Extraschicht für die Arbeiter: In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde die Verkehrsführung im Tunnel geändert.
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Die neuen Sicherheitsbestimmungen erforderten eine leistungsstarke Lüftungsanlage: „Wir saugen die Luft aus dem Tunnel und pumpen sie nach draußen“, sagt Pieper. Mit dem neuen System könne man die Luft im Tunnel innerhalb von einer Minute komplett ersetzen. Bei Bränden könnten dadurch Rauchvergiftungen verhindert werden. Notwendig dafür sind sechs etwa zehn Meter hohe Lüftungsanlagen – im Grunde wie „hochkant gestellte Flugzeugturbinen“, so Pieper. Das System wird ergänzt durch neue Notrufnischen und eine Reihe von Sensoren, mit denen Brände zielgenau lokalisiert werden können.
Ebenfalls neu: Die Leitstelle des Tunnels wurde deutlich vergrößert. Dort überwachen bis zu vier Mitarbeiter gleichzeitig das Geschehen in den Röhren. Dafür benutzen sie die Bilder von mehr als 80 Kameras im Tunnel. „Kennzeichen oder Gesichter erkennt man darauf aber nicht. Zur Überwachung sollen sie ja nicht dienen“, erklärt Pieper. Seinen Angaben zufolge werden die Bilder live an die Feuerwehr übertragen. Die Kameras in den Notrufnischen würden aktiviert, sobald man das Telefon dort betätigt, damit die Unfallstelle lokalisiert oder Missbräuche aufgedeckt werden könnten.
Positiv überrascht zeigt sich die Stadt, dass es weniger Komplikationen gibt als befürchtet. „Wir hatten mit mehr Staus und Unfällen gerechnet“, gibt die stellvertretende Tiefbauamtsleiterin Monika Gehrmann freimütig zu. Hauptgrund für die positive Entwicklung sei vor allem das reduzierte Verkehrsaufkommen. Gehrmann: „Der Verkehr hat sich von circa 40 000 Autos pro Tag auf etwa 24 000 verringert. Viele Leute sind wohl aufs Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen.“ (soe)