KönigswinterNeues Hallenbad für neun Millionen Euro

Architekt Heinrich Blass verspricht sich eine städtebauliche Aufwertung.
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Königswinter – Für rund 9,2 Millionen Euro könnte die Stadt Königswinter ein neues Hallenbad bekommen. Das geht aus einer Vorplanung hervor, die das Ingenieurbüro Blass (Euskirchen) im Auftrag der Stadt Königswinter erarbeitet hat und die nach den Osterferien den Fraktionen im Detail vorgelegt wird.
Damit nimmt das Thema Neubau eines Hallenbades, das am Standort des heutigen Paul-Lemmerz-Hallenbades neben der CJD-Schule entstehen soll, wieder Fahrt auf, nachdem die Schwimmbadprivatisierungspläne 2015 – nach insgesamt rund achtjährigen Versuchen – zum zweiten Mal gescheitert waren.
Halbe Millionen Euro für Abriss
Das Büro Blass hat zwei Kostenberechnungen vorgelegt: Mit einer Energie- und Wärmeversorgung durch ein Blockheizkraftwerk (BHKW) würde demnach ein neues Hallenbad 9,145 Millionen Euro (brutto) kosten, bei einer Solarlösung 9,255 Millionen Euro. Die Abrisskosten für das Lemmerz-Hallenbad werden mit knapp 472 000 Euro angegeben. Die technischen Betriebskosten sollen sich je nach Variante auf 4,116 Millionen Euro (BHKW) oder 4,508 Millionen Euro (Solar) über einen Zeitraum von 30 Jahren belaufen.
Die Vorplanung sieht ein Sportschwimmbecken mit Ein-Meter-Brett und Drei-Meter-Plattform und einer Wassertiefe von 1,35 bis 3,80 Meter vor, dazu ein Lehrschwimmbecken und ein Kinderbecken. Die Fachleute schlagen vor, das neue Hallenbad über eine auch für die direkt angrenzende Mehrfachturnhalle „gleichermaßen attraktive Passage zu erschließen. Die Passage gibt den Blick frei auf die engagierte Architektur des dort stehenden Sakralbaus“ (die Kirche Maria Königin des Friedens).
Vorplatz auch für Sportvereine
Darüber hinaus könne eine eigenständige Erschließung des Neubaus über die Bahnhofsallee ermöglicht werden. „Der Vorplatz soll zum Verweilen dienen, aber auch als Veranstaltungsfläche für sporttreibende Vereine nutzbar sein“, heißt es in einer Projektbeschreibung, die jetzt zunächst dem Hauptausschuss und danach dem Stadtrat vorgelegt wird. „Der Neubau des Bades eröffnet durch standortgerechte Architektursprache die Chance zur Aufwertung des gesamten Schul- und Sportbereiches.“ In der Eingangshalle soll es zudem eine Bistrofläche geben.
Die Verwaltung schlägt vor, nach der Hauptausschusssitzung (25. April) erst die Fraktionen die Pläne beraten zu lassen und den Vorentwurf im Stadtrat (9. Mai) vorstellen zu lassen. Zudem soll die Verwaltung beauftragt werden zu prüfen, ob eine Realisierung in städtischer Eigenregie oder in Form einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) wirtschaftlicher ist, wobei es diesmal nur um den Bau und nicht mehr – wie im zuletzt gescheiterten Verfahren – um den Betrieb des Bades gehen soll.

Pläne des Euskirchener Architekturbüros Blass hat die Stadt Königswinter jetzt in ihrem Ratsinformationssystem veröffentlicht.
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Vereine sind für Sanierung des alten Bads
Die Neubaupläne sind – wie mehrfach berichtet – in der Drachenfelsstadt stark umstritten. So plädiert der Förderverein „Rettet unsere Lemmerzbäder“ für eine Sanierung des alten Paul-Lemmerz-Hallenbades und verweist auf das Gutachten des Architekten Alfons Tamburro (Koblenz), nach dessen Einschätzung sich das Schwimmbad für rund 4,9 Millionen Euro (brutto) kernsanieren ließe. Die SPD ist ebenfalls auf dieser Linie, die Königswinterer Wählerinitiative wirft der Jamaika-Koalition vor, „ideologisch verbohrt auf die Neubaulösung“ zu setzen, und der Ortsverband der Grünen will eine „Sanierung Plus“, also mit Saunalandschaft.
Der Stadtrat hat mehrheitlich allerdings mit den Stimmen von CDU, FDP und Grünen (die drei Grünen-Ratsmitglieder liegen mit der Partei über Kreuz, haben dieser Tage ihren Austritt angekündigt, wollen aber als „Grüne Alternative“ im Rat weiterarbeiten) einen Neubau beschlossen.
Dass das neue Bad – wie von CDU-Fraktionschef Josef Griese angekündigt – schon 2018 stehen könnte, ist nach den Unterlagen des Büros Blass allerdings ausgeschlossen. Es schätzt, was die Umsetzung angeht, 12,5 Monate Zeit für Planung, Ausschreibung und Vergabe, 2 Monate für Abriss des alten Bades und 18,5 Monate für den Neubau bis zur Inbetriebnahme.