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Kein Versammlungsraum im OrtDersdorfer Bürgergespräch fand in der Kirche statt

Lesezeit 3 Minuten
29. März 2023. Bornheim-Dersdorf. Di Erweiterung der Kita Grashüpfer an der Albertus-Magnus-Straße ist fertiggestellt. Derzeit werden noch die Außenanlagen angelegt. Foto: Frank Engel-Strebel

Der Erweiterungsbau der Kita Grashüpfer ist fertig, derzeit werden die Außenanlagen angelegt.

Weil es keinen öffentlichen Raum gab, der sich für die Veranstaltung eignete, musste der Dersdorfer Bürgerdialog in der katholischen Pfarrkirche St. Albertus-Magnus stattfinden. Auch für Kinder und Jugendliche wünschen sich die Bürger Aufenthaltsmöglichkeiten.

Dass zu einem Bürgerdialog pünktlich zu Beginn die Glocken läuten ist schon außergewöhnlich. Aber im Bornheimer Ortsteil Dersdorf zeugte es davon, dass im Ort kein Versammlungssaal ist und sich Bürgermeister Christoph Becker und Vertreter der Verwaltung mit den Bürgern in der katholische Pfarrkirche St. Albertus-Magnus trafen. Damit wurde gleich ein drängender Wunsch der Dersdorfer deutlich, wie Ortsvorsteher Wilfried Kreuel erläuterte: „Wir haben derzeit keinen öffentlichen Raum, der für solche Veranstaltungen groß genug ist.“

Eine Dersdorferin bedauerte zudem, dass es für Senioren keinen barrierefrei zugänglichen Raum gebe. So findet das monatliche Seniorencafé in der ersten Etage des Gemeindehauses statt, die nur über eine Treppe erreichbar ist. Ins Spiel gebracht als einzige barrierefreie Möglichkeit wurde der Schulungsraum des Feuerwehrgerätehauses an der Dürerstraße. Ein Mitglied der Löschgruppe hatte allerdings Bedenken. Die Parkplatzsituation am Standort sei problematisch; als dort ein Wahlraum eingerichtet worden war, war alles zugeparkt: „Wir wissen ja nie, wann wir zu einem Einsatz gerufen werden.“ Dennoch sicherten Bürgermeister Becker und Ortsvorsteher Kreuel zu, das Gespräch mit den Feuerwehrleuten zu suchen.

Auch Orte auf junge Menschen fehlen

Nicht nur ältere Mitbürger, auch für Kinder und Jugendliche gibt es wenig Aufenthaltsmöglichkeiten in dem 1200-Seelen-Dorf. So kritisierte eine Anwohnerin, dass der Spielplatz an der Kita „Grashüpfer“ nicht öffentlich zugänglich sei. Der einzige öffentliche Spielplatz, der zuletzt umgestaltet und neu eröffnet worden ist, befindet sich an der August-Macke-Straße mitten in einem Wohngebiet. Anwohner klagten, dass es dort abends lauter werde und Fußbälle in ihren Gärten landeten. Jugendliche hätten außer einem Bolzplatz am Ortsrand keine Möglichkeit, sich zu treffen. „Wir brauchen nicht gleich ein Jugendzentrum, aber es kann auch nicht sein, dass sich junge Leute nur auf den Sitzbänken der Haltestelle der Linie 18 aufhalten können“, meinte ein Anwohner. Bürgermeister Becker sagte, dass eine Lösung gefunden werden müsste, die auch die meisten Anwohner akzeptieren. Was die Öffnung des Kita-Spielplatzes anbetrifft, gab Kreuel zu bedenken, dass die Anlage morgens für die Kinder nutzbar sein müsse. Wenn jedoch dort Bierflaschen zerschlagen werden und Glassplitter im Sand landen würden, wäre das ein Problem: „Wir sind aber dabei, dieses Problem zu lösen“, sicherte der Ortsvorsteher zu.

Ein Dauerthema nicht nur in Dersdorf, sondern in allen Ortschaften, sind marode Straßenbeläge und die zugeparkten Wege. Einmündungen wie die Ecke Grünewaldstraße/Bannweg oder die Parksituation am Waldorfer Weg würden Gefahren bergen, machten einige Anwohner geltend. Das Problem: Das Ordnungsamt, das Verstöße im ruhenden Verkehr ahndet, sei personell nicht so besetzt, dass regelmäßige Kontrollen möglich seien. Guido Broich, Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes, riet daher den Bürgern, Fotos von Verkehrsverstößen und dem genauen Standort zu machen und diese direkt an die Verwaltung zu schicken: „Dann werden wir tätig.“ Christoph Becker und Wilfried Kreuel versprachen den Bürgern, demnächst gemeinsam den Ort zu begehen, um sich einen Eindruck von den Straßenverhältnissen zu verschaffen.

Zu einem Wortgefecht kam es zwischen Heimatforscher Horst Bursch und Bürgermeister Christoph Becker. Bursch kritisierte, dass sich die Stadt „Luxusprojekte“ gönne wie den Neubau des Schwimmbades: „Dazu sind Sie finanziell nicht in der Lage. Wir müssen auch mal Verzicht üben. Ich möchte mit meinen Steuergeldern kein Schwimmbad finanzieren.“ Becker verwies auf die politischen Entscheidungsprozesse: „Was das Schwimmbad anbetrifft, das entscheiden nicht Sie. So funktioniert Demokratie nicht.“ Dafür gab es vom Publikum Applaus. Achim Bursch brachte die Rettung und Sanierung des ehemaligen Winzerhofes ins Spiel und kritisierte, dass die Verwaltung auf seine Eingabe von 2021 bislang lediglich mit einem Zweizeiler geantwortet habe. Becker sagte eine Prüfung zu.

Der nächste Bürgerdialog findet am Freitag, 21. April, 18 Uhr, in Uedorf in der Verbundschule, Heisterbacher Straße 175, statt. Anregungen und Fragen können vorab per E-Mail an ratsbuero@stadt-bornheim.de gesandt werden.