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Weiter nach Corona-SperrungHändler in Bad Honnef stehen in den Startlöchern

Lesezeit 4 Minuten

Ulrike Helmling hat an der Kasse ihrer Buchhandlung Werber einen Spuckschutz installiert sowie mehrere Schilder im Verkaufsraum.

Bad Honnef – Reinhold Bähr (Herrenmodehaus), Axel Schmidt (Intersport) und Ulrike Helmling (Buchhandlung Werber) stehen in den Startlöchern, um ihre Läden wieder aufzumachen. Und zwar mit einem hohen Maß an Sicherheit für ihre Kunden und Mitarbeiter.

„Wir haben alle nötigen Maßnahmen getroffen“, sagt die Buchhändlerin. Der Laden sei ein wenig umgebaut worden: Kunden, die Bücher nur abholen oder bezahlen wollten, würden an denen vorbeigeleitet, die im Literaturangebot stöbern wollen. Spuckschutz sei sowohl an der Kasse als auch am Bestell-Computer installiert worden. Die Mitarbeiter würden Handschuhe und Masken tragen, und es sollten nicht mehr als fünf Kunden gleichzeitig im rund 120 Quadratmeter großen Geschäft sein, sagt Ulrike Helmling.

Durch die vierwöchige Ausnahmezeit sei ihr Unternehmen „besser als befürchtet“ gekommen. Die Buchhandlung hatte ihr Online-Geschäft weitergeführt und eine „Abholstation“ eingerichtet. Die staatlichen Zuschüsse habe sie binnen dreier Tagen auf dem Konto gehabt, das sei eine „super Maßnahme“ gewesen. Auch ihr Vermieter sei ihr sehr entgegengekommen. Zwar habe es nur wenig Umsatz gegeben, aber auf der anderen Seite seien auch die Kosten niedrig gewesen. Die Kurzarbeit werde erstmal weitergeführt. Unter dem Strich sei sie „vorsichtig optimistisch“.

Von einer „schweren Zeit“ spricht Intersport-Inhaber Axel Schmidt mit Blick auf die vergangenen vier Wochen. Das weiter gelaufene Online-Geschäft sei nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ gewesen, der Umsatz sei im Grunde zu 100 Prozent weggefallen. „Den einen Monat holen wir nicht wieder rein.“ Auch Schmidt hat die staatliche Förderung sehr zeitnah bekommen, wie er gegenüber der Rundschau betont.

Lebensmittelgutscheine

Mehr als 100 Familien und Alleinstehende, die sonst jede Woche Unterstützung durch die Tafel der Arbeiterwohlfahrt erhalten, müssen zurzeit wegen der Corona-Krise darauf weitgehend verzichten. Es gab nur eine einmalige Verteilaktion aus dem Lager vor Ostern.

Die Bürgerstiftung möchte diesen Menschen mit einem Lebensmittelgutschein helfen und bittet die Bad Honnefer Bürger um Spenden. „Ein Lebensmittelgutschein kann den Kunden der Tafel helfen, sich und ihre Familien zu versorgen“, sagt Annette Stegger von der Bürgerstiftung. Gemeinsam mit Petra Kunau-Görtz von der Honnefer Tafel hat sie die Aktion vereinbart. Durch diese Zusammenarbeit sei sichergestellt, dass die Gutscheine an die wirklich Bedürftigen gelangten. Wie hoch die Gutscheine ausfallen werden, hänge von der Spendenbereitschaft der Bürger ab. Infos gibt’s online. (csc)

www.buergerstiftung-badhonnef.de

Axel Schmidt hat mit rund 600 Quadratmetern „ein für Bad Honnefer Verhältnisse großes Geschäft“, wie er selbst sagt und sieht deshalb wenig Probleme was die Abstandsregelungen angeht. In der Regel seien eh nur zwei oder drei Kunden gleichzeitig im Laden. Das Wochenende wolle er nutzen, um alle noch nötigen Maßnahmen umzusetzen, gestern sollte zum Thema noch ein „Webinar“ der Intersport-Zentrale laufen, sagte der Geschäftsmann, der von einer „nie dagewesenen Krise“ spricht und hofft, spätestens Ende des Jahres wieder normalen Umsatz machen zu können.

Auch Reinhold Bähr betont, dass man in seinem mehr als 300 Quadratmeter großen Geschäft gut Abstand halten könne. „Die Kunden haben genug Platz.“ Er und die Mitarbeiter würden mit Masken arbeiten, für die Kunden stünden beispielsweise Handdesinfektionsmittel zur Verfügung. Wenn gewünscht, biete man Kunden auch Termine außerhalb der Kernöffnungszeiten an. Auch das Herrenmode-Geschäft hat während der vergangenen vier Wochen spezielle Angebote gemacht, wie Bähr berichtet. So sei man inzwischen im „Kiezkaufhaus“ präsent, da habe die Stadt Bad Honnef sehr geholfen. Er habe beispielsweise auch Kunden eine Auswahl von Kleidungsstücken vor die Haustür gestellt, später die verbliebenen Sachen wieder abgeholt und die Ware per Überweisung bezahlen lassen. Alles kontaktlos also. Aber auch das sei natürlich nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ gewesen.

Sind bereit: Im Herrenmodehaus freuen sich (v.l.) Gisela und Reinhold Bähr und ihre Mitarbeiterin Ulrike Schwipper auf Kundschaft.

„Wir müssen sehen, was wird“, sagt Reinhold Bähr und appelliert an die Menschen, nun auch wieder in die Geschäfte vor Ort zu gehen und nicht online zu shoppen. „Wenn die Leute nicht mehr einkaufen gehen, kriegen wir alle ein Problem.“

Kurzarbeit im Blumenladen geht weiter

Nicht ganz so hart hat es unterdessen Karin Vorrath getroffen, die vor vier Wochen zunächst davon ausgegangen war, dass sie ihr Blumenstudio in der Hauptstraße komplett schließen müsste. Doch nach einigen Sicherheitsmaßnahmen etwa an der Kasse und einem Gespräch mit dem Ordnungsamt habe sie ihr Geschäft schnell wieder zumindest von 9 bis 14 Uhr aufmachen können, beispielsweise für Trauerfälle. „Das hat ein bisschen geholfen.“ Kommenden Montag werde sie wieder in den Normalbetrieb übergehen, allerdings die Kurzarbeit erstmal fortführen. Die Inhaberin von Karins Blumenstube: „Wir müssen sehen, was machbar ist.“