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Illegale FällungRobin-Hood-Baum lebt als Setzling weiter – Männer vor Gericht

Lesezeit 4 Minuten
Als der mächtige Bergahorn gefällt wurde, trauerten die Menschen. Nun startet der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter. Und Setzlinge vom „Robin-Hood-Baum“ verbreiten neue Hoffnung.

Als der mächtige Bergahorn gefällt wurde, trauerten die Menschen. Nun startet der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter. Und Setzlinge vom „Robin-Hood-Baum“ verbreiten neue Hoffnung.

Zwei Männer stehen wegen der illegalen Fällung des bekannten, rund 150 Jahre alten Bergahorn-Baums, des Robin-Hood-Baums, vor Gericht. Setzlinge des Baums werden landesweit neu angepflanzt.

Plötzlich stand er nicht mehr. Der rund 15 Meter hohe und etwa 150 Jahre alte Bergahorn-Baum, der nicht zuletzt wegen seiner spektakulären Lage zwischen zwei Hügeln im Norden Englands eines der beliebtesten Fotomotive des Landes war. Am Morgen des 28. September 2023 verbreitete sich die Nachricht, dass er über Nacht illegal gefällt worden war, rasch in der ganzen Welt. Auf Ungläubigkeit folgte Entsetzen. Die Frage, wer zu einer solch sinnlosen Tat fähig ist, bewegte die Menschen. Am kommenden Montag beginnt nun der Prozess gegen zwei Männer, die das regionale Wahrzeichen zerstört haben sollen. Hoffnung macht vielen Briten, dass inzwischen aus den Samen und Setzlingen des „Sycamore Gap Tree“, dem „Bergahorn-Senke-Baum“, im ganzen Land wieder neue Bäume wachsen sollen.

Schmerzlicher VerlustBriten haben eine starke Affinität zu alten Bäumen. Und dieser Baum stand auf der Beliebtheitsskala ganz weit oben. Seine Zerstörung war ein unglaublich schmerzlicher Verlust, vor allem für die Menschen in der Region im Norden Englands, wo der Baum stand. Hier hatten Paare geheiratet, hier hatten Trauernde die Asche eines geliebten Verstorbenen verstreut. Weltweit bekannt wurde der Bergahorn-Baum schließlich durch eine Szene im Film „Robin Hood – König der Diebe“ mit Kevin Costner und Morgan Freeman aus dem Jahr 1991. Sie brachte dem regionalen Wahrzeichen den Namen Robin-Hood-Baum ein.

Fällung des Robin-Hood-Baums: „Abscheuliche Tat“

Kevin Reynolds, der Regisseur des Films, bezeichnete die Tat als „abscheulich“. „Würde man das Taj Mahal oder die Gullfoss-Wasserfälle in Island zerstören?“, fragte er, um das Ausmaß des Verlustes zu umreißen. Die örtliche Polizei von Northumbria bezeichnete die Tat als „vorsätzlichen Vandalismus“, der nicht nur ein geliebtes Wahrzeichen zerstört, sondern auch den Hadrianswall beschädigt habe.

Auf den Schock folgten Wut und die Frage, wer das getan haben könnte. Ein Pub in der Nähe bot kurz nach der Tat Freigetränke für jeden an, der helfen konnte, das Rätsel zu lösen. Die Behörden leiteten rasch Ermittlungen ein. Ein 16-Jähriger wurde festgenommen, die Ermittlungen gegen ihn dann jedoch eingestellt. Schnell kamen Zweifel auf, ob er es gewesen sein könnte. Schließlich wurde die Stelle des Stammes, an der der Baum gefällt worden war, mit weißer Sprühfarbe markiert, was darauf hindeutete, dass die Aktion von langer Hand geplant war.

Robin Hood-Baum gefällt: Zwei Männer verhaftet

Im Oktober vergangenen Jahres wurden dann zwei Männer aus der nordenglischen Stadt Wigton verhaftet, die nach letzten Informationen ab Montag vor Gericht stehen werden. Ihnen wird die Beschädigung des Baumes im Wert von 622191 Pfund (rund 750000 Euro) zur Last gelegt. Außerdem sollen sie durch das Fällen einen Schaden in Höhe von 1144 Pfund (rund 1400 Euro) am Hadrianswall verursacht haben. Die römische Grenzbefestigung ist ein 1900 Jahre altes Monument nahe der englisch-schottischen Grenze und Teil des Unesco-Weltkulturerbes. Im Rahmen von Anhörungen im Vorfeld bestritten beide Männer die Taten. Welche Beweise die Staatsanwaltschaft vorlegen wird, ist noch offen. Der Prozess am Crown Court in Newcastle upon Tyne könnte etwa zehn Tage dauern.

Setzlinge des Baums, „Trees of Hope“, werden landesweit neu angepflanzt.

Setzlinge des Baums, „Trees of Hope“, werden landesweit neu angepflanzt.

Während die Strafverfolgung in diesem unglaublichen Fall bald abgeschlossen sein könnte, gibt es auch darüber hinaus Grund zur Hoffnung. Denn nach der Fällung wurden mehr als 100 Samen und 40 Setzlinge des Robin-Hood-Baumes vermehrt. Im Frühjahr war König Charles III. der erste, der einen Sycamore-Gap-Tree-Setzling erhielt. Letzte Woche gab der National Trust, eine gemeinnützige Organisation, die sich dem Schutz und der Erhaltung historischer Gebäude und Naturgebiete widmet, die Empfänger von 49 weiteren saftig-grünen Setzlingen bekannt. Sie tragen den Namen „Trees of Hope“ (Bäume der Hoffnung).

Ein zukünftiger Baum geht an ein Kinderkrankenhaus in Liverpool, ein anderer an ein Zentrum für Motoneuron-Erkrankungen, das zu Ehren des Rugby-Stars Rob Burrow in Leeds eröffnet wird. Der berühmte Sportler starb im Juni, nachdem bei ihm vor Jahren eine unheilbare Nervenkrankheit diagnostiziert worden war. „Dieser ,Baum der Hoffnung' spiegelt unseren Kampf wider und wird unsere Familien daran erinnern, dass es möglich ist, erneut auf die Beine zu kommen, selbst wenn man am Boden liegt“, sagte Lindsay Burrow, die Witwe des Sportlers.