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FDP sieht KriseMehr Jugendliche ohne Schulabschluss in NRW

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Schulministerin Dorothee Feller (CDU) äußert sich zum Ergebnis einer Umfrage unter Lehrerinnen und Lehrern. (Archivbild)

Schulministerin Dorothee Feller (CDU) 

NRW verzeichnet einen Anstieg der Schulabgänger ohne Abschluss. Die FDP kritisiert Krise durch „Rekord-Unterrichtsausfall“ und fordert Investitionen.

In Nordrhein-Westfalen hat die Zahl der Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, zugenommen. Im Jahr 2023 traf dies auf 11835 Schülerinnen und Schüler zu, wie aus einer Antwort der Landesregierung auf eine FDP-Anfrage hervorgeht. Laut dem „Statistik-Telegramm 2023/24“ der Landesregierung verließen im Jahr 2020 insgesamt 9709 Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen, ohne mindestens einen Hauptschulabschluss zu haben. Seitdem zeigt diese Kurve nach oben.

In der Antwort, die unserer Redaktion vorab vorliegt, wird eine weitere besorgniserregende Entwicklung beschrieben: Immer mehr Schüler verlassen eine Berufsschule, ohne dort einen höherwertigen Abschluss erreicht zu haben. Im Schuljahr 2022/23 traf dies auf 76247 Berufsschülerinnen und -schüler zu. 2019/20 waren es „nur“ 60652.

FDP sieht Beleg für zuspitzende Krise

Franziska Müller-Rech, Schulexpertin der FDP-Landtagsfraktion, sieht in diesen Entwicklungen einen Beleg für eine sich zuspitzende Schulkrise in NRW und glaubt an einen Zusammenhang mit dem „Rekord-Unterrichtsausfall“ im Land. „Die Landesregierung muss noch stärker als bisher in die Schulen investieren, insbesondere in herausfordernden Stadtteilen mit hohem Sozialindex. Wenn gerade dort viel Unterricht ausfällt, fehlen den Schülerinnen und Schülern Bildungsinhalte und Unterstützung“, sagte sie unserer Redaktion.

NRW müsse zudem die Berufs- und Weiterbildungskollegs stärken. „Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass sie die Versäumnisse an den vorher besuchten Schulformen mit einem Handstreich einfach ausgleichen.“ Der Lehrkräftemangel müsse behoben, der Arbeitsplatz Schule attraktiver werden.

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) setzt in ihrer Antwort der FDP-Kritik eine weitere Statistik entgegen: Demnach werde ein Großteil der ersten Schulabschlüsse – im Jahr 2020 fast 60 Prozent – am Berufskolleg erworben. „Jugendliche und junge Erwachsene, die ohne einen ersten Schulabschluss eine Berufsausbildung beginnen, erwerben mit dem Berufsschulabschluss einen ersten erweiterten Schulabschluss“, so Feller.

Die NRW-Regierung glaubt, dass der laufende Schulversuch mit 60 so genannten „Talentschulen“ sowie das „Startchancenprogramm“ des Bundes, von dem in NRW 900 Schulen profitieren sollen, geeignet seien, die Zahl der Schulabgänger, die keinen Abschluss erreichen, zu senken. Aus der Sicht von Franziska Müller-Rech reicht das nicht. „Wir brauchen flächendeckend Investitionen an allen Schulen und Schulformen“, sagte die Liberale.