Der internationale Rückhalt für den Furor der Regierung von Benjamin Netanjahu schwindet. Zu groß sind die Kollateralschäden.
Kommentar zum Krieg in NahostWarum der Rückhalt für Netanjahu schwindet

Palästinensische Gebiete, Maghazi: Ein Junge steht vor den Trümmern nach einem Luftangriff im Flüchtlingslager Maghazi im Zentrum des Gazastreifens.
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An diesem Sonntag ist es auf den Tag sechs Monate her, dass Extremisten der Hamas weit mehr als 1000 Israelis feige und hinterrücks ermordet haben – ein Massaker, für das es nicht die geringste Rechtfertigung geben kann. Seither befindet sich Israel im Ausnahmezustand. Und die Armee tut alles, um das Netzwerk der Islamisten ein für allemal zu vernichten.
Der internationale Rückhalt für den Furor der Regierung von Benjamin Netanjahu allerdings schwindet. Zu groß sind die Kollateralschäden. Laut palästinensischer Gesundheitsbehörde und UN mehr als 20000 tote Zivilisten – darunter viele Kinder –, weite Teile von Gaza, darunter das Schifa-Krankenhaus, in Schutt und Asche, eine Hungersnot in der palästinensischen Bevölkerung und zuletzt die von der israelischen Armee getöteten internationalen Mitarbeiter einer Hilfsorganisation – all das nährt die Frage: Stehen Ziel und Mittel noch im vertretbaren Verhältnis zueinander?
Netanjahu verspielt das Verständnis der Partner
Mit seiner unbarmherzigen Art ist Netanjahu auf bestem Weg, jegliches Verständnis bei den Partnern zu verspielen. US-Präsident Joe Biden artikuliert sein Missfallen inzwischen ungewöhnlich deutlich; seine Drohung, keine Offensivwaffen mehr zu liefern, hat nun offenbar erste Früchte getragen.
Berlin bleibt indes erstaunlich konziliant und belässt es bei wiederholten Ermahnungen. So geraten jene, die doch Menschenrechte und humanitäre Werte gegenüber autoritären Regimen gern anmahnen, zunehmend in den Verdacht, mit zweierlei Maß zu messen. Derlei spielt der Propaganda von Hisbollah und dem Iran in die Hände. Eine Ausweitung des Gaza-Krieges ist längst nicht mehr ausgeschlossen.
Dass sich Premier Netanjahu nach wie vor weigert, einen Plan für eine politische Lösung in Gaza für „den Tag danach“ vorzulegen, macht die Lage noch prekärer; eine dauerhafte Friedenslösung kann es nur mit einer Perspektive für die Palästinenser geben.
Über Jahre hat es Netanjahu aber sowohl an Ideen als auch am Willen gemangelt, eine Lösung in der Palästinenser-Frage voranzutreiben. Im Gegenteil: Durch seine kompromisslose Siedlungspolitik hat er eine Eskalation der Lage befeuert.
Mit Politikern vom Schlage Netanjahus an der Regierungsspitze werden Palästinenser und Israelis niemals zueinander finden – solange die iranische Mullah-Diktatur bei Hamas und Hisbollah im Hintergrund die Strippen zieht allerdings auch nicht.