In Großbritannien droht dem Prinzen ein neuer Skandal – der vermeintliche Spion weist die Vorwürfe allerdings zurück.
Britische RoyalsVerschaffte Andrew einem Spion Zugang zum Palast?

Prinz Andrew ist durch den Kontakt zu einem mutmaßlichen Spion in den Schlagzeilen.
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„Es war ein spektakulärer Absturz – und einer, der kein Ende zu nehmen scheint“, schrieb die Tageszeitung „The Guardian“ am Wochenende und bezog sich damit auf Prinz Andrew, einen Royal, den man zweifellos als Problemprinz bezeichnen kann. Nachdem vor einigen Jahren seine Freundschaft mit dem inzwischen verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt geworden war, wurden ihm alle militärischen Ämter und die königliche Schirmherrschaft entzogen.
Dies und eine Zivilklage der US-Amerikanerin Virginia Roberts, die ihm sexuellen Missbrauch vorwarf, schienen der Tiefpunkt für den zweitältesten Sohn der verstorbenen Königin Elizabeth II. zu sein. Im Jahr 2022 einigte man sich auf einen Vergleich, der den Prinzen Millionen Pfund kostete. Seither gilt der 64-Jährige als Persona non grata im Königshaus.
Spion soll im engsten Kreis von Prinz Andrew verkehrt haben
Doch nun wird die Liste der Fehltritte noch länger. Der Royal soll sich mit einem mutmaßlichen chinesischen Spion angefreundet und diesem zudem Zugang zum Buckingham-Palast gewährt haben. Der Prinz „scheint ein sehr schlechtes Urteilsvermögen zu haben und ist etwas naiv, was die Menschen angeht, mit denen er Umgang pflegt“, sagte die Royal-Expertin Pauline Maclaran von der Royal Holloway Universität London dieser Zeitung. Und: König Charles III. „ist wahrscheinlich mehr denn je darauf bedacht, auf Distanz zu Andrew zu bleiben“. Der Skandal war nach einer gerichtlichen Anhörung vor wenigen Tagen ins Rollen gekommen. Ein namentlich bislang nicht genannter Geschäftsmann mit der Codenummer H6, der als „enger Vertrauter“ von Andrew beschrieben wurde, verlor eine Berufung gegen eine Entscheidung, die ihm die Einreise nach Großbritannien untersagte. Der Grund: Er stelle ein nationales Sicherheitsrisiko dar, weil er Beziehungen herstellen konnte, die vom chinesischen Staat zur politischen Einflussnahme genutzt werden könnten. H6 sei zur Geburtstagsfeier von Prinz Andrew im engsten Kreis im Jahr 2020 und zu anderen Veranstaltungen, unter anderem im Buckingham-Palast und auf Schloss Windsor, eingeladen worden, hieß es. Außerdem wurde ihm gesagt, er könne in seinem Namen mit potenziellen Investoren verhandeln.
Wie der Daily Telegraph berichtet, sollen geschäftliche Unternehmungen des Herzogs von Spendern, die mit dem mutmaßlichen Spion in Verbindung stehen, mit Bargeld unterstützt worden sein. H6 sei davon ausgegangen, dass der Royal in einer „verzweifelten Lage“ sei, in der er sich „an jedem Strohhalm klammert“. Die britische Tageszeitung „The Times“ berichtete am Wochenende, der mutmaßliche Spion habe sich überdies mehrfach mit David Cameron und Theresa May getroffen und Fotos dieser Begegnungen auf seinem Schreibtisch in seinem Londoner Büro aufbewahrt. Es ist unklar, ob diese Treffen mit den ehemaligen Premiers stattfanden, als diese noch im Amt waren, aber sie scheinen in den vergangenen 15 Jahren stattgefunden zu haben. Die britische Labour-Innenministerin Yvette Cooper äußerte sich zu den Vorwürfen und sagte, dass „Sicherheits- und Geheimdienste ständig wachsam gegenüber jeder Bedrohung der nationalen Sicherheit des Vereinigten Königreichs“ seien. Unterdessen hat die chinesische Botschaft in London die Vorwürfe zurückgewiesen.
Skandal um Prinz Andrew: Buckingham-Palast verweigert Aussage
„Einige Leute in Großbritannien sind immer bereit, unbegründete „Spionage„-Geschichten zu erfinden“, sagte ein Sprecher. Während Andrew betonte, er habe alle Kontakte zu dem angeblichen Spion „abgebrochen“, stelle sich nun die Frage, welche „finanzielle Vorteile“ er aus dieser Quelle erhalten haben könnte, sagte Maclaran. Der Buckingham-Palast lehnte eine Stellungnahme ab und verwies darauf, dass der Prinz nicht mehr im Dienst der Krone stehe. Aber die Freundschaft könne einen Zeitraum umfassen, „in dem Andrew ein arbeitender Royal war“, so die Expertin. König Charles hat seit einiger Zeit drastische Maßnahmen ergriffen, um sich von seinem problematischen Bruder zu distanzieren. So hat er Berichten zufolge versucht, ihn aus seiner derzeitigen Residenz, der Royal Lodge, zu „vertreiben“ und seine Zuwendungen gestrichen. „Diese Schritte könnten unternommen worden sein, weil er wusste, dass ein weiterer Skandal bevorsteht.“ Der Herzog von York werde in naher Zukunft nun wohl erst recht nicht in den Kreis der Royals zurückkehren. (mit dpa)