Eine geplante Reform von Bundesjustizminister Marco Buschmann sieht vor, dass künftig beide Ehepartner einen Doppelnamen annehmen dürfen. Ein Kommentar von Marie Busse.
Kommentar zur NamensreformDoppelnamen würden die Gleichberechtigung stärken

Ein Brautpaar in der Kirche (Symbolbild).
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Bislang können aus Meyer und Schmidt nie zwei Meyer-Schmidts werden. Nur ein Ehepartner kann den Doppelnamen tragen, mögliche Kinder erhalten automatisch den Einzelnamen. Diese Namensregelung ist zu starr und es ist richtig, dass die Ampelkoalition sie ändern will. Künftig könnten beide Ehepartner einen Doppelnamen tragen und den auch an die Kinder weitergeben.
„Bandwurmnamen“ aus mehr als zwei zusammengesetzten Namen sollen verboten bleiben. Die Befürchtung vor einer Generation von Meyer-Schmidt-Müllers ist also unbegründet. Die Reform ist aus gleich zwei Gründen gut: Namen sind Teil der Identität. Sie stehen auf Zeugnissen, Führerschein und Ausweisen. Es ist daher legitim, die Frage zu stellen: Weshalb dem Einzelnen bei der Namenswahl, der etwas Persönliches ist, nicht größtmögliche Freiheit zugestehen?
Möglichkeit ist nicht gleich Zwang
Eine zusätzliche Möglichkeit einzuführen, ist nicht gleichbedeutend mit dem Zwang, sie zu nutzen. Und es gibt einen weiteren gewichtigen Grund. Die Entwicklung des Namensrechts bildet die fortschreitende Emanzipation der Frau ab. Jahrhunderte mussten Frauen den Namen des Mannes annehmen, erst seit 1976 dürfen sie ihren Nachnamen behalten. In den 1990ern wurde das Namensrecht weiter gelockert.
Dennoch nimmt drei Viertel der Frauen den Namen des Mannes an, viele mit dem Argument, als Familie einen Namen tragen zu wollen. Die Möglichkeit eines echten Doppelnamen stärkt daher die gleichberechtigte Partnerschaft. Vorbilder für Doppelnamen gibt es in Europa genug: In Spanien tragen die Menschen gewöhnlich zwei Nachnamen - den der Mutter und den des Vaters. Die Kinder bekommen einen neuen Doppelnamen - zusammengesetzt aus den ersten Nachnamen von Mutter und Vater.
Vorbilder aus ganz Europa
In englischsprachigen Ländern geht man noch weiter: Dort dürfen Nachnamen nach der Eheschließung sogar verschmelzen. Dass in Deutschland bald Menschen Schmeyer statt Meyer und Schmidt heißen, ist unwahrscheinlich. Aber dass es bald mehr Meyer-Schmidts geben könnte, ist eine gute Entwicklung.