Die Erzdiözese Köln ist nicht mehr das größte deutsche Bistum. Zuletzt waren die Austrittszahlen zwar rückläufig. Aber das ist kein Grund zur Entwarnung.

Köln ist nicht mehr das größte deutsche BistumDurch die Kirche muss ein Ruck gehen

Hinter dem Kölner Dom geht die Sonne unter. Schafft die katholische Kirche in Köln einen neuen Aufbruch?
Copyright: dpa
Für die Leitung des Kölner Erzbistums spielt es „keine große Rolle“, dass die einst größte deutsche Diözese nur noch auf Platz 2 hinter Münster rangiert. Das hat Generalvikar Guido Assmann erklärt, und das ist erstens tapfer und zweitens pastoral richtig: Alle Gläubigen sind gleich wichtig, egal, ob sie in der Kölner Region leben, im Münsterland oder im kleinsten deutschen Bistum Görlitz.
Dennoch sollten die Sturmglocken in Köln noch lauter erschallen als anderswo. Dabei ist der Vergleich mit dem eher ländlich geprägten Bistum Münster weniger alarmierend als der mit der ohnehin schon traurigen Entwicklung im gesamten Bundesgebiet.
19,4 Prozent weniger Katholiken innerhalb von zehn Jahren
Konkret: Deutschlandweit hat die katholische Kirche in nur einem Jahrzehnt, von 2015 bis 2024, 16,8 Prozent ihrer Mitglieder verloren, wobei die Zahl der Austritte die der Sterbefälle regelmäßig übersteigt. Im Erzbistum Köln aber war im gleichen Zeitraum ein Minus von 19,4 Prozent zu registrieren. Die von schweren Auseinandersetzungen geprägten Jahre 2021, 2022 und 2023 brachten Austrittsquoten mit sich, die – anders als zuvor gewohnt – weit über dem Bundesdurchschnitt lagen. Und den überwiegenden Teil der Menschen, die da gegangen sind, wird die katholische Kirche nicht wieder zurückholen können.
Ein Lichtblick mag es für die Kölner Katholiken sein, dass das Austrittsgeschehen sich 2024 etwas beruhigt hat. Die Austrittsquote (1,7 Prozent aller Mitglieder zu Jahresbeginn) lag nur noch knapp über dem Bundesschnitt. Aber Beruhigung allein hilft nicht weiter. Um ein Wort des Protestanten Roman Herzog abzuwandeln: Durch die katholische Kirche im heiligen Köln muss ein Ruck gehen. Den braucht sie, wenn sie eine relevante Gruppe in der Mitte der Gesellschaft sein will. Und das muss ihr Anspruch sein.