Meine RegionMeine Artikel
AboAbonnieren

Briefwahlzentrum Köln4000 Wahlhelfer zählen in der Kölnmesse die Stimmen der Kölner

Lesezeit 3 Minuten
Konzentriert wurde in der Messehalle gearbeitet.

Konzentriert wurde in der Messehalle gearbeitet.

Rund 300.000 Kölnerinnen und Kölner gaben ihr Votum per Brief ab —Ihre Stimmen wurden in den Messehallen ausgezählt. Die älteste Wahlhelferin ist 100 Jahre alt.

Es ist ein eindrucksvolles Bild, das sich in der weitläufigen Halle des Congress-Centrum Ost der Kölnmesse bietet, die für die Bundestagswahl zum Briefwahlzentrum umfunktioniert wurde: Gut 4000 ehrenamtliche Wahlhelfer, jeweils zu acht an einem Tisch, halten sich hier bereit, um mit der Auszählung der Briefwahlstimmen zu beginnen. Der „Personalaufwand“ ist durchaus gerechtfertigt, denn der Trend zur Briefwahl ist ungebrochen: Fast 300.000 Kölner hatten die Briefwahlunterlagen beantragt, gut 40 Prozent der Wahlberechtigen – mehr als bei der Europawahl im vergangenen Jahr oder der Landtagswahl 2022.

Briefwahl in Köln: Reker begrüßt die Ehrenamtlichen

„Ein grandioses Bild“ böte die Hall, findet auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). Gemeinsam mit Stadtdirektorin Andrea Blome, der Kreiswahlleiterin, begrüßt sie die Ehrenamtlichen und gibt das Startsignal zum Öffnen der Wahlbriefe. „Vielen Dank, dass sie diese Arbeit leisten“, sagt Reker. Besonders schön findet sie, dass sich manche kostümiert hatten. „Das zeigt uns, Demokratie funktioniert in jedem Aufzug“, scherzt sie. Einer dieser Kostümierten ist Torsten Böhm – er ist Wahlvorsteher des Briefwahlzentrums und hat sich mit Narrenkappe und einer Fantasie-Funkenuniform fein gemacht. „Ich kontrolliere und beaufsichtige die Beisitzer, also die Ehrenamtlichen, und unterstütze Schriftführer“, beschreibt er seine Aufgabe. „Wenn es Unstimmigkeiten gibt, helfen wir bei der Schlichtung, achten darauf, dass es keine politischen Äußerungen gibt.“

Kostümiert kam Wahlvorsteher Torsten Böhm nach Deutz.

Kostümiert kam Wahlvorsteher Torsten Böhm nach Deutz.

Die älteste Wahlhelferin ist 100 Jahre jung

An den Tischen zeigt sich ein Querschnitt der Gesellschaft: Von jungen Menschen mit buntgefärbten Haaren und tätowierten Armen bis zu Hochbetagten. Auch Torsten Burmester, Kandidat der SPD für das Amt des Kölner Oberbürgermeisters bei der Kommunalwahl im September, ist unter den Helfern. Die älteste von allen Kölner Wahlhelfern   ist nicht in   der Halle, sondern in einem Wahllokal in Godorf tätig, dort hatte Reker sie zuvor noch besucht: 100 Jahre jung ist Lydia Mörs-Platte, laut Reker außerdem immer noch eine begeisterte Karnevalistin. Auch die jüngsten und ältesten Wahlhelfer des Briefwahlzentrums erhalten eine Ehrung, so etwa die 18-jährige Marie – sie feierte im vergangenen Dezember ihren Geburtstag. Zum Einsatz als Wahlhelferin hat sie sich aus „allgemeinem politischen Interesse“ entschlossen – und weil auch Familienmitglieder und Freunde dabei sind, „da lag das nahe“, sagt sie.

Köln: Lydia Mörs-Plattes, mit 100 Jahren Kölns älteste Wahlhelferin, sitzt in ihrem Wahllokal in Köln-Rondorf an der Wahlurne.

Köln: Lydia Mörs-Plattes, mit 100 Jahren Kölns älteste Wahlhelferin, sitzt in ihrem Wahllokal in Köln-Rondorf an der Wahlurne.

Das Alter der ältesten Wahlhelferin verschweigt Andrea Blome taktvoll, aber Edeltraut hat eine eindrucksvolle Erfahrung vorzuweisen: Seit den 1960er Jahren ist sie regelmäßig bei Wahlen tätig, „da bin ich ziemlich stolz drauf“, sagt sie.

Nach dem Startsignal zum Öffnen der Wahlbriefe erfüllt geschäftige Atmosphäre den Raum. Zuweilen ergibt sich aus dem ausgefüllten Wahlzettel kein eindeutiges Bild – dann können die acht Wahlhelfer untereinander diskutieren, ob die Stimme zählt, oder ob sie die Kriterien nicht erfüllt. Für schwierigere Fragen stehen auch Teams von Stadtbediensteten als Ratgeber zur Verfügung, die die Laien unterstützen, sollten sie untereinander zu keinem Ergebnis kommen.

Auch Muhamad Asmani ist unter den Helfern. Er beteiligt sich zum fünften Mal als Wahlhelfer – in seinem Heimatland war der Über-80-Jährige selbst einmal Kandidat für ein politisches Amt, erzählt er. „Aber leider war das keine demokratische Wahl.“ In Köln hat er eine neue Heimat gefunden und war lange als Professor für Physik an der Technischen Hochschule Köln tätig. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, in einer Demokratie zu leben und Einfluss nehmen zu können.“