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Von der Heydt-MuseumPicasso und Beckmann treffen sich in Wuppertal

Lesezeit 3 Minuten
Liegender Frauenakt mit Katze 
von Pablo Picasso im Von der Heydt-Museum Wuppertal.

Liegender Frauenakt mit Katze von Pablo Picasso im Von der Heydt-Museum Wuppertal.

Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal zeigt erstmals eine Synopse der Bilder von Pablo Picasso und Max Beckmann, zwei Schlüsselfiguren der Moderne. 

Sie haben sich nie getroffen, in der Sprache der Astronomie gesprochen, bewegten sie sich auf je eigenen Umlaufbahnen. Doch was Pablo Picasso (1881 – 1973) und Max Beckmann (1884 – 1950) gemein ist, ist die Auseinandersetzung mit dem Menschen des 20. Jahrhunderts, seinen Krisen und Nöten, und der Blick auf Unbequemes – auch in der Beziehung von Mann und Frau.

Neudefinition

Beide leisteten in der Malerei Neudefinitionen in der Frage, wie ein Bild komponiert wird, kubistisch zum Beispiel. Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal zeigt in Zusammenarbeit mit dem Sprengel Museum Hannover nun eine Synopse unter dem Titel „Pablo Picasso / Max Beckmann. Mensch-Mythos-Welt“, die teilweise große Unterschiede erkennen lässt, aber auch Gemeinsamkeiten, die staunen. „Die beiden wollten unbedingt zusammen“, flachste Museumsdirektor Roland Mönig, der mit seiner Stellvertreterin Antje Birthälmer kuratierte.

Zum Anlass nahmen sie den 50. Todestag Picassos, am internationalen Celebration-Projekt beteiligen sich 50 Häuser. Wobei das Von der Heydt-Museum stolz darauf ist, 1911 als erstes Museum weltweit ein Gemälde Picassos erworben zu haben.

Bei rund 200 Gemälden und Lithografien mit Leihgaben renommierter Häuser und aus Privatbesitz erschließt sich ein Oeuvre für die Zeit von 1900 bis 1971, das nie chronistisch Weltgeschichte wiedergibt, jedoch die radikalen Umbrüche durch Kriege und gesellschaftlichen Wandel mit starken Gesten und erzählerischer Kraft markiert.

Beckmann, der als Sanitäter im Ersten Weltkrieg in eine Krise geriet und sich die Welt anschließend neu zusammenpuzzelte, malte sich als Circusclown mit Tröte und Ratsche (1921). Unterarm und Hand sind dem Betrachter mit Wundmalen, die an Kreuzigung erinnern, zugewandt.

Gegen Hitler

„Pablo“ und „Max“ waren in der Nazizeit Verfemte. Picasso nahm den erbitterten Kampf gegen Hitler auf. Beckmann illustrierte zwischen 1942 und 44 im Amsterdamer Exil das Buch „Apokalypse“ mit Lithografien zu den „Offenbarungen des Johannes“. Die Arbeit gab ihm Hoffnung: „Es scheint dass ich weiterleben soll.“ Pablo Picasso malte 1950 die Friedenstaube.

Beide machten das Thema der Gewalt zum Motiv ihrer Kunst. Sie überlebten die Weltkriege, fanden nach der Zerstörung Zeichen der Orientierungssuche, auch indem sie Mythen aufgriffen. Berührend, wie sie Randständige, Bettler und Arme, in ihren Bildern bedachten. Tief geht der Blick ins Menschliche. Beckmanns „Der verlorene Sohn“ von 1949 zeigt einen aschfahlen Mann, bezirzt von freizügigen Gefährtinnen. Er wirkt nicht glücklich.

Geschlechterkampf

Die Beziehung der Geschlechter nimmt bei den Malern große Bedeutung ein. Picasso bewies sein grafisches Meisterwerk in seiner „Suite Vollard“ (1930 – 1937) mit Szenen aus dem Atelier des Bildhauers, dem Geschlechterkampf zwischen Mann und Frau sowie dem Mythos vom Minotaurus. Gegenseitig wahrgenommen haben sich beide Giganten.

Picasso war für Beckmann gleichsam Ansporn wie auch Stachel im Fleisch. Doch anders als Künstler, die sich in ihrer Verehrung für Picasso allenfalls als Funken im Schweif seines Kometen sehen durften, zollte der Meister Max Beckmann Respekt. Er sei ein starker Mann, sagte Picasso im Jahr 1931.

Das Von der Heydt-Museum zeigt „Pablo Picasso / Max Beckmann. Mensch-Mythos Welt“ ab Dienstag bis 7. Januar, danach geht sie nach Hannover ins Sprengel Museum. Di bis Fr 11 – 18 Uhr, Do 11–20 Uhr, Sa und so 11–18 Uhr. Turmhof 8, Wuppertal.