„Mama - Von Maria bis Merkel“: Der Düsseldorfer Kunstpalast widmet sich dem Mutterbild in Kunst und Kultur.
Von „Maaamaaa“ bis moderner MutterschaftDie Vielfalt der Mutterrolle in der Kunst

Los geht's mit Heintjes Hit „Mama“ - ein Blick in die neue Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast.
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US-Vizepräsident J.D. Vance ätzt gegen „kinderlose Katzenfrauen“. Und der russische Präsident Wladimir Putin denkt über ein „Sexministerium“ nach, um die Geburtenrate nach oben zu treiben und Kanonenfutter zu produzieren.
So weit waren die Nazis auch mal. Adolf Hitler persönlich stiftete 1938 das „Ehrenkreuz der Deutschen Mutter“, das in Gold an Frauen verliehen wurde, die acht und mehr Kinder auf die Welt brachten. Weswegen es unter der Hand auch „Karnickelkreuz“ genannt wurde.
In Zeiten des Krieges und des Klimawandels erfährt das Mutterbild gerade wieder eine Umdeutung. Ein guter Grund, um es genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch, wenn Felix Krämer, der Direktor des Düsseldorfer Kunstpalastes, nicht explizit auf politische Deutungen abzielt, sondern erklärt, er wolle mit dem Thema, das alle anspricht, auch „Besucher ohne kunstgeschichtlichen Rucksack“ ins Museum locken.
Von Heintje bis Paula Modersohn-Becker
Gut 120 kunst- und kulturgeschichtliche Objekte, die ältesten aus dem 14. Jahrhundert, die jüngsten aus der Gegenwart, sind in der Ausstellung „Mama. Von Maria bis Merkel“ zu sehen. Etwa die Hälfte davon stammt aus der eigenen Sammlung.
Sie sollen ermöglichen, die Mutterschaft „neu zu sehen und zu hinterfragen“, erklärt Westrey Page, die mit Linda Conze und Anna Christina Schütz die Schau kuratiert hat. Dabei handele es sich, wie sie gleich hinzufügt, keinesfalls um eine „Fortschrittserzählung“.

Auch Muttergottesfiguren sind in der Ausstellung zu sehen.
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Das Thema ist emotional stark besetzt und polarisiert. Schon im ersten Saal trillert der zwölfjährige Heintje sein „Maaamaaa“. Wie süß, meinen die einen, die anderen fliehen schnell und übersehen dabei hoffentlich nicht, dass das Original nicht von 1967 stammt, sondern aus dem Jahr 1938 im faschistischen Italien durch den Tenor Beniamino Gigli eingesungen wurde und von einem Sohn an der Front angestimmt wird, der sich nach der Mutter sehnt. Lange galt das Kinderkriegen als Pflicht der Frau dem Staat gegenüber.
Und ist das nicht noch heute so? Wenn Kinderlosen vorgehalten wird, sie erhielten ihre Altersvorsorge auf Kosten der Kinderkriegenden? Themen wie Care-Arbeit und Fürsorge reißt der Parcours ebenso an wie sich wandelnde Ideale des Mutterseins oder den Entschluss zur Abtreibung.

Die Skulptur „Die Steinklopferin“ von Karl Janssen stammt aus dem Jahr 1902.
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Vor einer blauen Wand sind Madonnen zu sehen. Galt das Motiv der Maria mit dem Kind doch lange als Urbild der Mutterschaft. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war es in reicheren Schichten üblich, den Nachwuchs nicht selbst zu stillen und zu erziehen. Nach Jean-Jacques Rousseaus „Emile oder Über die Erziehung“ (1762) wurde es dann fast zum Naturgesetz.
Erst mit der Emanzipation im 20. Jahrhundert setzte ein erneuter Gesinnungswechsel ein. Neuerungen wie die im Kunstpalast gezeigte „Egnell SMB Brustpumpe“ ermöglichten es der Frau, flexibler zu werden und das Kind nicht mehr wie die „Steinklopferin“ (1902) des Bildhauers Karl Janssen mit „auf Arbeit“ zu nehmen.

Eine Sammlung zum Thema Merkel.
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Die Doppelbelastung aber brachte neue Probleme. Judith Samens Foto „Brotschneiden“ (1997) zeigt eine Mutter in Kittelschürze, die beim Schneiden lieblos den Säugling unter den Arm klemmt. Kein Deut mehr von der Innigkeit zwischen Mutter und Kind, wie auf den fünf Gemälden Paula Modersohn-Beckers einen Saal weiter.
Und auf Erich Gerlachs „Im Zwielicht“ schielt die Frau mit Kind auf dem Arm voller Sehnsucht auf ihren über seinen Büchern brütenden Mann. Ein Beleg dafür, dass es auch in der DDR, die sich die Emanzipation gerne auf ihre Fahnen schrieb, damit nicht so weit her war.

Der Sessel „La Mamma“ von Gaetano Pesce, Fotografien von Leigh Ledares und das Bild „Hemmung: Deine Mutter anrufen und auflegen“ von Lara Jordan.
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Selbst der einer Fruchtbarkeitsgöttin aus der Steinzeit nachempfundene rote Sessel „La Mamma“ (1969) von Gaetano Pesces noch, bringt die biologische Abhängigkeit und deren unliebsame Folgen zum Ausdruck. Lässt sich die Schnur, die ihn an den kugeligen Fußhocker bindet, doch ebenso als Nabel wie als Klotz am Bein deuten.
Während die Überforderung der Mutter oft thematisiert wird, kommt die Rabenmutter zu kurz. Dabei hätte die Kunstgeschichte Motive hergegeben. Man denke etwa an Max Ernsts das Jesuskind züchtigende Jungfrau oder die narzisstischen Mutterfiguren bei Paula Rego.
Mutter Beimer spricht
Mit queeren Lebensentwürfen, die nicht mehr fragen, wer die Mutter ist, sondern wer mütterlich handelt, endet der Parcours. Exemplarisch steht dafür die Collage der Amerikanerin A.L. Steiner mit dem Titel „Puppies & Babies“ (2012), auf der Fotografien von mit ihrem Kind kuschelnden Müttern neben denen kleben, auf denen Freundinnen der Künstlerin mit ihren Hunden schmusen. Jeder soll nach seiner Façon glücklich werden. Ist das nicht ein schönes Ende?
Den Audio-Guide zur Ausstellung hat mit Marie-Luise Marjan (alias Mutter Beimer) eine der beliebtesten TV-Mütter eingesprochen.
Bis 3. August,Di bis So 11 18 Uhr, Do 11 21 Uhr, Am Ehrenhof 4-5.