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Trotz schlechter AkustikVicky Leandros überzeugt in der Kölner Philharmonie

Lesezeit 3 Minuten
Freudestrahlend: Vicky Leandros in der Philharmonie.

Freudestrahlend: Vicky Leandros in der Philharmonie.

Es sitzt einfach jede Note und man muss sich fragen: Warum geht eine so glänzende Sängerin eigentlich schon auf Abschiedstournee?

Am Ende dieses Abends weiß man zwei Dinge ganz genau: Mit 71 verfügt Vicky Leandros immer noch über eine verblüffende Stimme. Und auch in der Philharmonie kann man Konzerte erleben, die in Sachen Klang unterirdisch sind. Dröhnend, wie durch eine Konservenbüchse gespielt wummert die Musik der neun-köpfigen exzellenten Band.

Dazu klingt die Stimme vor allem in den bewegteren Schlagermomenten wie in den Hintergrund gemischt – wie es ein gnädiger Tontechniker machen würde, hätte die Dame auf der Bühne ihren gesanglichen Zenit mehr als nur überschritten.

Doch davon ist Vicky Leandros Lichtjahre entfernt. Schon beim Eröffnungssong „Après toi“, dem Grand-Prix-Sieger von 1972, sitzt jede einzelne Note, da wo sie schon bei den Plattenaufnahmen vor 50 Jahren gesessen hat – und die Töne werden gehalten, wo sie gehalten werden müssen. Genauso bei „Free again“, im Original von Barbra Streisand, an deren Interpretation sie sich deutlich orientiert – und mit einer erstaunlichen Leichtigkeit über die Rampe bringt.

Glänzende Abschiedsrunde

Da fragt man sich schon, warum so jemand überhaupt schon auf Abschiedstournee ist? Die Antwort gibt sie selber in einer ihrer Plaudereien: „Für mich ist es der richtige Zeitpunkt“, jetzt, da sie mit ihrer Stimme das Publikum noch berühren könne. „Ich möchte nicht an den Punkt kommen, wo ich das nicht mehr erreichen kann. Dafür waren diese 50, 60 Jahre viel zu schön für mich.“

Diese lange Karriere lässt sie Revue passieren. Die erste Single von 1965, „Messer, Schere, Gabel, Licht“, wird kurz angesungen, ebenso das japanische „Machi-Kutabireta Nichiyobi“. Es gibt die großen Hits von „Ich bin“ und „Theo, wir fahr'n nach Lodz“ bis „Grüße an Sarah“ oder „Ich liebe das Leben“ , inklusive einstudiertem Mitsingen der ausverkauften Philharmonie. Dazu Songs auf Griechisch, zum Teil geschrieben von Mikis Theodorakis oder Klassiker wie „Ne me quitte pas“.

Sie lässt die Hände kreisen, die Finger bewegen sich, als zeichneten die Wasserwellen in die Luft, die Arme werden seitlich ausgestreckt, als stünde jeden Moment der letzte Sirtaki ins Haus – das volle Vicky-Programm.

Aber es wurde in der Vorbereitung auch tief in der Kiste der persönlichen und Fan-Favoriten gegraben – und wirklich Überraschendes zutage gefördert. Etwa zwei Nummern aus ihrem in Nashville produzierten Album „Across The Water“ (1975) oder die griechische Fassung von Herbert Grönemeyers „Männer“, die sie nun, anders als auf der entsprechenden Platte, auch zum Teil auf Deutsch singt. Hier wird sich auf der letzten Runde noch einmal richtig Mühe gegeben, statt einfach eine 08/15-Größte-Hits-Geschichte abzuspulen.

Es bleibt ihr und den Fans nur zu wünschen, dass die Tontechnik dann beim Wiederholungskonzert am 1. Mai 2024 die Philharmonie besser in den Griff bekommt.