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Iris Berben über neuen Film „Der Nachname“„Ich habe nur volle Kinos erlebt“

Lesezeit 4 Minuten
Iris Berben der Nachname

Iris Berben in einer Filmszene 

Das Jahr 2022 fing gut an für eine der beliebtesten Schauspielerinnen: Zu Karneval wurde Iris Berben in Aachen der Orden „Wider den tierischen Ernst“ überreicht. In Köln wurde sie im September beim Deutschen Fernsehpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Und nun ist sie gleich in zwei Filmen auf der Leinwand zu sehen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Seit Donnerstag läuft Ruben Östlunds Cannes-Gewinner „Triangle of Sadness“ in den Kinos und morgen startet Sönke Wortmanns „Der Nachname“.

Fortsetzung des Erfolges „Der Vorname“

Der Film ist eine Art Fortsetzung des Publikumserfolges „Der Vorname“ von 2018 – der über eine Million Zuschauer lockte – und das Remake der gleichnamigen, französischen Komödie von 2016 war.

„Was hatte Sie bewogen, die winzige Nebenrolle der Mutter in diesem Familienzwist über den Namen des Enkels zu spielen?“

„Es war ein Freundschaftsdienst für Sönke Wortmann, erinnert sich Iris Berben, ‚in dessen Hochschulabschlussfilm „Drei D‘ ich 1988 auch eine kleine Rolle übernommen und versprochen hatte, noch mal mit ihm zusammenzuarbeiten. Dass das 30 Jahre dauern würde, ahnte ich damals natürlich nicht.“

„Und jetzt ist das gesamte Ensemble für „Der Nachname“ zusammengeblieben !?“

„Mir hat es besonders Spaß gemacht“, lacht sie, „weil ich diesmal eine größere Rolle hatte durch die Fokussierung der Handlung auf die Beziehungsprobleme der Paare statt auf den gesellschaftlichen Hintergrund.“

Iris Berben roter Teppich

Die Schauspielerin Iris Berben

Iris Berben, die sich schon während ihrer Zeit als Präsidentin der „Deutschen Filmakademie (2010-2019) für mehr Geschichten und bessere Rollen für Schauspielerinnen jenseits der 50 im deutschen Fernsehen und Kino eingesetzt hatte, blickt dabei ein wenig neidisch auf Frankreich, wo man seine Stars ein ganzes Schauspielerleben lang pflegt und ihnen extra Rollen auf den Leib schreibt. Vielleicht ergibt sich diese Wertschätzung nun auch für Iris Berben – zu deren internationalen Filmen erstaunlicherweise bisher nur Sergio Corbuccis Italo-Western „Laßt uns töten, Companeros“ (1970) und das britisch-amerikanische Sport-Biopic „Eddie, the Eagle“ (2016) gehören – mit ihrer ausdrucksstarken Interpretation einer wegen eines Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselten Industriellen-Gattin in der bitterbösen Gesellschaftssatire „Triangle of Sadness“, obgleich sie immer nur den einen Halbsatz („In den Wolken….“) wiederholen muss. Die nie durch Starallüren auf sich aufmerksam machende Schauspielerin gibt sich bescheiden, schwärmt aber von den Dreharbeiten mit Ruben Östlund.

„Himmlische Tochter“ und Hörbucherzählerin

Die 1950 in Detmold geborene Schauspielerin war eine frühe Wegbegleiterin des Neuen Deutschen Films, arbeitete mit den Regisseuren Klaus Lemke und Rudolph Thome zusammen. Einem breiten Publikum wurde sie durch die TV-Serie „Himmlische Töchter“ (mit Ingrid Steeger), die Comedy-Show „Sketchup“ (mit Diether Krebs) und die Krimi-Serie „Rosa Roth“ bekannt. Bis heute spielte Iris Berben in knapp 150 Kino- und TV-Filmen mit, sprach Hörbücher ein, lieh u.a. Juila Roberts und Whoopy Goldberg ihre Stimme und erhielt über 40 Auszeichnungen für ihr künstlerisches Schaffen und gesellschaftliches Engagement. Sie ist die Mutter des Filmproduzenten Oliver Berben und seit 2007 mit dem Stuntman Heiko Kiesow liiert. (rrh)

„Man ahnte schon am Set, dass das großes Kino wird. Hierzulande kommt viel zu viel auf die Leinwand, was eigentlich ins Fernsehen gehört. Dabei ist das künstlerische Potenzial durchaus vorhanden. Aber die Fördersysteme und Arbeitsbedingungen beim Fernsehen müssten reformiert werden.“

Und Iris Berben blickt wehmütig auf jene künstlerisch innovativen Jahre der deutschen Filmgeschichte, ehe die vielen jüdischen Filmemacher nach Hollywood flohen, um dem Holocaust zu entkommen – und damit spricht sie auch indirekt ihr jahrzehntelanges Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus an. Dafür wurde sie 2002 vom Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet.

Aber sie blickt auch optimistisch in die Zukunft, will nicht in das Corona-Gejammer von den leeren Kinos nach der Pandemie einstimmen: „Bei der Premiere von „der Nachname“ beim Filmfestival in Zürich und der anschließenden Promotion-Tour durch Deutschland habe ich nur volle Kinos – auch hier in Köln – engagierte Kino-Betreiber und ein begeistertes Publikum erlebt. Man kann es nur ermutigen und ihm zurufen: Geht ins Kino, denn nur dort wird die Kunst des Films sichtbar. Es ist einfach ein anderes Erlebnis als zuhause vor irgendeinem Mini-Bildschirm zu sitzen, weil es uns als sozialer Ort miteinander verbindet.“

Der Nachname, anderthalb Stunden, ab 20. 10. im Kino.