Die Kassen in den Geschäften in der City klingeln kräftig zum Jahresende. Dafür ist es jetzt auf dem Weihnachtsmarkt beschaulicher.
Zwischen den Jahren in KölnWilde Schnäppchenjagd in der Fußgängerzone

Gewusel auf der Hohe Straße am 30. Dezember.
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Das Weihnachtsrot hat sich zur Sonderangebotsfarbe gewandelt. „Sale. 20 Prozent Rabatt. 40 Prozent auf alles“, steht weiß auf rot auf Bannern an den Geschäften in der Fußgängerzone. Dichte Menschentrauben schieben sich durch Hohe Straße und Schildergasse.
„Wir sind aus einem Dorf in der Nähe von Bremen für einen Tag hergekommen“, sagt eine Mutter, die durch das Schaufenster beobachtet, wie ihre Töchter sich in einem Geschäft für Modeschmuck etwas aussuchen. Aus Buenos Aires ist eine vierköpfige Familie auf Deutschlandreise. „Wir kaufen vor allem Kleidung. Die ist hier viel preisgünstiger“, sagt der Sohn. Touristen von nah und fern schieben sich am Montag mit Einheimischen durch die Straßen.
„Viele Menschen nutzen die Zeit zwischen den Jahren, um mit der Familie etwas zu unternehmen und einzukaufen“, weiß Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW. Traditionell setzt der Handel auf das Geschäft am Jahresende. „Es gilt als dem Weihnachtsgeschäft zugehörig“, sagt Hamel.
Umsätze jetzt durch Rabatte angeheizt
Nach einem eher enttäuschenden Umsatz zum dritten Adventswochenende und einem Hoch am Montag vor Heilig Abend, seien die Umsätze jetzt, kurz vor Schluss, „Rabatt getrieben“, sagt Hamel. Schließlich sei der Handel „extrem Psychologie gesteuert“. Das heißt: Schnäppchen lassen zuschnappen.
In einem Schuhgeschäft in Domnähe ist das gut zu beobachten. „Ich nehme beide“, sagt eine Frau und schnappt sich zwei Kartons mit reduzierten Stiefeln. Die beiden Kassiererinnen haben tüchtig zu tun. „Zwar haben wir schon am Freitag reduziert, aber heute ist besonders viel los“, sagt eine von ihnen. Zwanzig Prozent billiger sind viele Schuhe, Stiefel und auch Sandalen.
Weihnachtsgeld in Lego umsetzen
Ein Geschäft, in dem viel los ist, obwohl nicht mit Rabatten geworben wird, ist der Lego-Laden. Hier wimmelt es von Familien. „Leon hat zu Weihnachten Geld bekommen. Dafür hat er sich einen Lastwagen ausgesucht“, sagt eine Mutter, die mit ihren drei Kindern aus Euskirchen nach Köln gekommen ist.
„Geld- oder Gutscheingeschenke sind immer mehr geworden“, bestätigt Hamel. Das befeuert den Spaß am Jahresendeinkauf. Und es begrenzt die Umtauschquote. „Früher war mehr Umtausch“, sagt Hamel. Das bestätigt eine stichprobenartige Umfrage. Kaum eine oder einer gibt an, dass es beim Besuch in der City darum gehe, ein Geschenk umzutauschen. Lediglich vor dem Schmuckgeschäft Pandora, wo sich eine Schlange von Menschen gebildet hat, gibt es einige Umtauschwillige.
„Der Ring, den mir meine Freundin geschenkt hat, ist zu klein“, sagt ein etwa Zwanzigjähriger. „Ich möchte ein Armband umtauschen, das ich zu Weihnachten bekommen habe“, sagt eine Mittdreißigerin, die mit ihrem Mann in der Schlange auf Einlass wartet. Hat er etwa nicht ihren Geschmack getroffen? „Doch auf jeden Fall“, beschwichtig sie, „Es gibt nur einen Defekt. Ich hoffe sehr, ich finde noch einmal das gleiche Armband.“

Eher beschaulich ist es auf Heinzels Wintermärchen Weihnachtsmarkt auf dem Heumarkt.
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„Heinzels Wintermärchen“ mit entspannter Atmosphäre
Wer es beschaulicher möchte, ist auf „Heinzels Wintermärchen“ auf dem Heumarkt richtig. Während die Weihnachtsmärkte abgebaut sind, locken Heumarkt und der Platz am Schokoladenmuseum noch mit stimmungsvollem Freiluftvergnügen. „Alle, die in Köln und dem Umland leben, haben jetzt ein bisschen mehr Zeit vorbeizuschauen und das alles mal in Ruhe zu erleben“ erklärt der 24-jährige Noah. Er ist Verkäufer beim Kerzenstand und beobachtet seit Weihnachten einen leichten Rückgang der Besucherzahlen. Vor allem der Andrang der vielen ausländischen Touristen aus den Nachbarländern hätte nachgelassen. Bei den Kölnerinnen und Kölner sei die Nachfrage nach dem Budenzauber mit Freiluft-Eisbahn aber noch vorhanden.
Auch Laura, Verkäuferin an einem Stand mit Silberschmuck, beobachtet eine Entspannung auf dem Heumarkt im Vergleich zur Vorweihnachtszeit: „Die Leute kaufen jetzt nicht mehr so viel, schauen eher, schlendern mehr ohne festes Ziel. Aber es ist eigentlich auch ganz angenehm“, erzählt die 21-Jährige. Die Menschen müssten nun nicht mehr gehetzt die letzten Weihnachtgeschenke besorgen. Auch die Zahl der Besucher aus den Nachbarländern, vor allem den Niederlanden wäre zurückgegangen. Das hätte für einen etwas schwächeren Absatz, aber auch eine insgesamt entspanntere Atmosphäre auf „Heinzels Wintermärchen“ gesorgt.
Wintermärkte
Bis zum 5. Januar ist Heinzels Wintermärchen auf dem Heumarkt täglich von 11 bis 21 Uhr geöffnet. Am Schokoladenmuseum lockt der Neujahrsmarkt noch bis zum 1. Januar täglich von 12 bis 22 Uhr.