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Prozess um MissbrauchStiefschwester gibt Einblick ins Familienleben des Angeklagten in Köln

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Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht hinter einem Aktenordner

Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht hinter einem Aktenordner (Archivbild)

Seit April steht ein 32 Jahre alter Mann aus Zollstock vor Gericht. Er soll insgesamt sieben Jungen und 16 Mädchen missbraucht haben.

Er soll insgesamt sieben Jungen und 16 Mädchen im Alter zwischen einem und sechs Jahren zum Teil schwere sexuelle Gewalt angetan haben. Seit April steht ein 32 Jahre alter Mann aus Zollstock vor der 2. Großen Strafkammer am Landgericht. Er hatte als Babysitter gearbeitet und war als Springer und Aushilfe in Kitas beschäftigt, wo er einen Teil der ihm zur Last gelegten Taten auch begangen haben soll.

Für die Opfer und ihre Angehörigen ist es meist ein Schock, wenn sie von den Taten erfahren. Aber auch für die Angehörigen der Täter, die meist keinen blassen Schimmer davon haben, was ihr Familienmitglied verbrochen hat, ist das Bekanntwerden der Vorwürfe ein schwerer Schlag.

Belastende Situation für die Familie des Angeklagten

Einen zaghaften Einblick in den Zustand einer Familie, in der ein Angehöriger Täter geworden sein könnte, hat am Dienstag die Stiefschwester (29) des Angeklagten gegeben. Vor allem für den Vater des Angeklagten, der seit 2017 mit der Mutter der Zeugin verheiratet ist, sei die Situation sehr belastend: „Für ihn ist es am schwierigsten – abgesehen von den Betroffenen und ihren Familien“, sagte die 29-Jährige.

Vor allem die Ausmaße der Vorwürfe gegen seinen Sohn, gingen dem Vater an die Nieren, weshalb er auch die Berichterstattung über den Prozess in der Presse nicht verfolge. Der Vater habe mit dem Angeklagten aber nicht völlig gebrochen, es gebe gelegentlichen telefonischen Kontakt, soweit das in der Untersuchungshaft möglich sei. Sie erklärte auch, dass Vater und Sohn eine zeitlang Probleme gehabt hätten. Den Vater habe besorgt, dass der Angeklagte nach seinem Studium im IT-Bereich beruflich nicht in die Gänge gekommen sei.

Doch der Angeklagte habe sich beruflich neu orientiert und begonnen, in der Kinderbetreuung zu arbeiten. „Er wirkte plötzlich reifer und begeistert. Wenn ich ein Kind hätte, würde ich es ihm anvertrauen, habe ich damals gedacht“, sagte die Zeugin. Gefragt nach Zukunftsplänen, die der Angeklagte nach seinem Einstieg in die Kinderbetreuung gehabt habe, bekundete die Zeugin: „Er hat gesagt, er würde am liebsten einen Kindergarten aufmachen.“ Befragt dazu, wie sie heute zu ihrem Stiefbruder stehe und ob es eine Zukunft gebe, sagte die Zeugin kurz und knapp: „Nein. Keine Zukunft.“ Der Prozess wird fortgesetzt.