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AusgrabungenDas fanden Archäologen am Bezirksrathaus Köln

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Prof. Dr. Marcus Trier vom Römisch-Germanischen Museum und Gregor Wagner von der archäologischen Bodendenkmalpflege erklären anhand von historischen Karten die Lage des Hofes.

Prof. Dr. Marcus Trier vom Römisch-Germanischen Museum (r.) und Gregor Wagner von der archäologischen Bodendenkmalpflege erklären anhand von historischen Karten die Lage des Hofes.

Die Überreste einer Hofanlage aus dem 19. Jahrhundert liefern nun Aufschluss über die Ortsgeschichte von Rodenkirchen.

Wenn das Amt für archäologische Denkmalpflege Köln die Überreste historischer Bauten ausgräbt, ist große Vorsicht geboten. Zunächst werden mit einem kleinen Bagger die obersten Erdschichten abgetragen. Der nächste Schritt erfolgt in Handarbeit: Mitarbeiter der archäologischen Denkmalpflege legen die Überreste mithilfe von Handschaufeln und Bürsten Stück für Stück frei, bis die gesamte Bausubstanz an der Oberfläche liegt. Bei der Dokumentation gibt es Unterstützung aus der Luft: Für die Lage getreuen Ausmessung des Fundortes kommt eine Drohne zum Einsatz, die mithilfe von GPS die Strukturen abmisst. Die Fundstücke werden untersucht und mithilfe von Fotos dokumentiert.

In der heutigen Mitte von Rodenkirchen stadt eine Hofanlage

In der heutigen Mitte von Rodenkirchen stand eine Hofanlage.

Auf der Baustelle des Bezirksrathauses in Rodenkirchen wurden die Überreste einer historischen Hofanlage aus dem 19. Jahrhundert gefunden. Im Zuge des Neubaus wurden bei den archäologischen Untersuchungen die Grundmauern des historischen Bauwerks entdeckt. Die vorhandenen Strukturen werden nun bis in 80 Zentimeter Tiefe freigelegt. Im Anschluss werden die Funde auf dem rund 1000 Quadratmeter großen Areal umfassend dokumentiert.

„Wenn wir normalerweise zusammenkommen, dann treffen wir uns in der historischen Innenstadt“, bemerkt Professor Doktor Marcus Trier, Direktor des Römisch-Germanischen Museums. Beginnend im alten Rom, über das Mittelalter bis hin zur Neuzeit und Modere ließen sich im Stadtzentrum Überreste aus sämtlichen Epochen der Stadtgeschichte nachweisen. Als „riesiges Schichtpaket aus 2000 Jahren urbaner Kontinuität“ bezeichnet Prof. Trier die City der Domstadt. Allerdings wecken mittlerweile auch Gebiete außerhalb der Innenstadt das Interesse der Wissenschaft. Viele heutige Vororte Kölns seien „archäologische Hotspots“, erklärt der Professor. Als Beispiel nennt er die steinzeitliche Siedlung in Lindenthal oder das Flottenkastell „Alteburg“ im heutigen Marienburg. 

In der heutigen Mitte von Rodenkirchen stand eine Hofanlage

Rund sechs Wochen sind für die Arbeiten der Bodendenkmalpflege kalkuliert.

Das nun entdeckte Hofgelände erlaubt Rückschlüsse auf die Siedlungsentwicklung in Rodenkirchen. Auf den ersten Aufzeichnungen befindet sich das zunächst unbebaute Grundstück außerhalb des mittelalterlichen Ortskerns des Dorfes. Mit der Errichtung des Hofes Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Ortsgebiet Richtung Süden erweitert. Das historische Gebäude ist somit ein Vorbote für die Siedlungsbauten im 20. Jahrhundert, die Rodenkirchen stark vergrößerten. 

Warum die so kurz vergangene Geschichte Kölns archäologisch rekonstruiert werden muss, erklärt Professor Trier folgendermaßen: „Man denkt immer, man weiß alles, was gerade mal ein paar Jahrzehnte weg ist. Aber ganz viel weiß man eben nicht.“ Historische Grundrisse seien selten vorhanden. Auch hochwertige Fotografien aus den ländlichen Gebieten der 40er und 50er Jahre seien eine Rarität. Um die Dorfgeschichte kleiner Ortschaften wie Rodenkirchen zu verstehen, müsse man auch archäologische Mittel auffahren. Trier fügt ergänzend hinzu: „In ein paar Jahrzehnten sind wir vielleicht selber ein Fall für die Archäologie.“