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Historische Orte in Köln-EilGeprägt von Gutsherren und Tagelöhnern

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So prägend wie der Gutshof von Familie Meller für den Ort war, so prägnant ist das große Familiengrab auf dem Friedhof.

Eil – Dass Eil der flächenmäßig größte Stadtteil im Kölner Stadtgebiet ist, fällt in seinem südlichen Teil kaum auf: Hier ist das Viertel von Straßenzügen voll adretter Einfamilienhäuser mit sorgfältig gepflegten Vorgärten geprägt.

Doch die Geschichte des Ortes geht weiter zurück, als der heutige zeitgenössische Anschein vermuten lässt – schließlich konnte der Ort erst im vergangenen Jahr seine 700-Jahr-Feier begehen. Zu diesem Anlass hatte Eckehard Backhausen, geborener Eiler und Hobby-Heimathistoriker, bereits eine Kurzfassung der Eiler Chronik geschrieben. Sein Wissen über die Ortsgeschichte teilt er jedoch auch persönlich bei Führungen durchs Veedel, die vom Ortsring Eil angeboten werden.

Eiler Geschichte

Mit 16,25 Quadratkilometern ist Eil nach seiner Fläche der größte Stadtteil von Köln. Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Eil stammt aus dem Jahr 1268. Die Bewohner verdienten ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner auf den benachbarten Rittergütern Röttgen und Leidenhausen.

Nun hatte Backhausen dazu eingeladen, vom Pfarrer-Oermann-Platz aus mit ihm gemeinsam den südlichen Teil des Viertels zu erkunden. Nur einen Steinwurf weit weg entfernt befindet sich auf der anderen Straßenseite die Kirche St. Michael. Für gewöhnlich stattet Backhausen ihr einen Besuch ab, doch dieses Mal konnte sie wegen einer Sanierung nicht betreten werden. Nächster Halt war der Mellerhof, der einen für den Ort sehr geschichtsträchtigen Namen trägt: Wo sich heute eine Ladenzeile mit Supermärkten und Restaurants befindet, erstreckte sich einst im 19. Jahrhundert der Gutshof der Familie Meller, die über den größten Grundbesitz des Ortes verfügte. „Alles das, was wir heute als Neu-Eil bezeichnen, war damals Ackerland im Besitz der Familie Meller“, so Backhausen.

Auch an anderer Stelle hat die Familie Meller Eil ihren Stempel aufgedrückt, so mit dem Friedhof des Ortes, heute an der Frankfurter Straße gelegen. „In einem Schreiben vom Mai 1907 machte Andreas Meller der Bürgermeisterei Heumar eine Schenkung über eine Parzelle seines Ackerlandes zum Zweck der Anlage einer neuen Begräbnisstätte“, wusste Backhausen zu berichten. Das großzügige Familiengrab der Mellers, in dem mehrere Generationen ihre letzte Ruhe fanden, ist noch heute zu besichtigen und schon vom Eingang des Friedhofes her auszumachen. Zu der kleinen Friedhofskapelle wusste Backhausen eine persönliche Anekdote aus seiner Zeit als Messdiener zu erzählen: „Bei Beerdigungen war es üblich, dass die Glocken geläutet wurden – so lange, bis die Prozession am Grab angekommen war. Hörten wir früher oder später auf zu läuten, gab es Ärger. Da wir nicht die größten und die Hecken höher waren, gab es regelmäßig Ärger – aber im Tausch für zwei freie Schulstunden nahmen wir das in Kauf.“

Eil war früher eine Siedlung für Tagelöhner. Heute ist es ein Stadtteil voll beschaulicher Einfamilienhäuser.

In der Schulstraße, bei den Alteingesessenen noch als „Kirchjass“ bekannt, machte Backhausen auf einen der letzten „Kniefälle“ aufmerksam: einen alten Prozessionsaltar, vor dem bei Umzügen im Knien gebetet wurde, daher der Name. Ein paar Meter weiter findet sich das Gebäude der Gemeinschaftsgrundschule Unter Birken, das aus den 1970er Jahren stammt. Backhausen selbst erinnert sich noch an das alte Schulgebäude, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand. Zum Schluss verwies Backhausen auf das benachbarte Haus der Schule: Dieses sei zwar seines Wissens nach das kleinste Gebäude Eils, berge jedoch ein wichtiges Zeitzeugnis: Dort befindet sich der Eingang zu einem der zwei Luftschutzbunker des Ortes.