Das alteingesessene Fotogeschäft in Sülz ist nach über 30 Jahren seit Mitte März geschlossen. Es wird allerdings wieder ein „Foto Kuhweide“ geben.
Neuer Standort, neues KonzeptFoto Kuhweide in Sülz schließt nach Jahrzehnten für immer

Gustav Kuhweide in seinem Laden mit Mitarbeiterin Britta Schumacher (l.) und Tochter Svenja Paulsen.
Copyright: Susanne Esch
Manchmal kommen Menschen in den Laden und wundern sich, wenn sie die Fototerminals entdecken. „Ach bei Ihnen kann man auch Bilder drucken?“, fragen sie dann erstaunt. Gustav Kuhweide hat dann eine humorvolle Antwort parat: „Ja, bei uns kann man nur kein Klopapier kaufen.“ Das ist zwar etwas flapsig, bringt die Situation aber auf den Punkt. Der Fotohandel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant verändert. Drogeriemärkte wurden in mancher Hinsicht zur Konkurrenz. Vieles ist schwerer geworden. Nach 36 Jahren schließt Kuhweide sein Fotogeschäft an der Sülzburgstraße 78 nun endgültig.
Jahrzehntelange Pendelei und mehrere Umzüge
Ein Grund ist ein privater: Kuhweide lebt bereits sehr lange in der Eifel und pendelt jeweils 90 Kilometer zwischen Jünkerath und Köln. Er ist nun 65 Jahre alt und die Fahrerei satt. Die dafür nötige Zeit möchte Kuhweide lieber für seine Hobbys verwenden, seine Kamerasammlung und sein Fotoarchiv. Aufhören zu arbeiten möchte er aber nicht: In Jünkerath wird er ein neues Fotogeschäft eröffnen, mit einem geänderten Konzept. Das alte Geschäftsmodell ist über die Jahrzehnte unpassend geworden. Die Rahmenbedingungen haben sich stark geändert.
Der ausgebildete Einzelhandelskaufmann und Fotoingenieur eröffnete 1989 sein erstes Geschäft in einem Lokal an der Luxemburger Straße. Es lief gut: „Anfangs habe ich vor allem durch den Verkauf von Kameras verdient“, erzählt er. Aber auch das Entwickeln von Bildern war im analogen Zeitalter lukrativ, das Fertigen von Porträt-, Pass- und Familienfotos. Er bezog mit seinem Geschäft ein größeres Ladenlokal an der Sülzburgstraße, in dem heute die Bäckereikette „Èpi“ eine Filiale betreibt. Später zog er in ein kleineres Nachbarladenlokal um, denn der Markt begann, sich zu verändern, vor allem durch die Digitalisierung.
Digitalisierung und Marktmacht erschweren das Geschäft
Die Notwendigkeit, Filme zum Entwickeln in ein Fotolabor zu geben, fiel weg. Drogeriemärkte entdeckten Fotostationen als Möglichkeit, die Kunden anzulocken. Handys hielten in der zwischenmenschlichen Kommunikation Einzug. Ihre Kameras wurden immer besser. Alles das hatte Folgen. „Die Generation zwischen 15 und 30 Jahren weiß teilweise gar nicht mehr, dass es Fotogeschäfte gibt“, sagt Kuhweide.

Das Fotogeschäft an der Sülzburgstraße 78.
Copyright: Susanne Esch
Auch der Kamerahandel verlegte sich ins Internet, wo Kundinnen und Kunden die Geräte oft günstiger erwerben können als im Fotogeschäft: „Vielen fällt es sehr schwer die Beratungsleistung zu zahlen“, sagt Kuhweide. Dabei sei sie natürlich sehr wichtig. Allerdings kann der Fachmann auch gar nicht mehr jede Kamera verkaufen.
„Manche Hersteller verlangen, dass man eine sehr große Mindestmenge an Geräten abnimmt. Ich muss dann 50.000 Euro hinlegen und mir eine Menge von Geräten hier hinlegen, die in einem halben Jahr schon wieder veraltet sind“, so Kuhweide. Das könnten nur sehr große Ketten. Der Handel brach ein, doch die Mieten in der Stadt blieben hoch. In Köln haben mittlerweile zahlreiche alteingesessene Fotoläden geschlossen.
Geschäft mit Passfotos, Beratung und Exkursionen
Einen Aufwärtstrend erwartet Kuhweide beim Geschäft mit den Passfotos: „In der Vergangenheit hat etwa die Hälfte der Menschen ihre Passfotos selbst gemacht“, so Kuhweide. Das ist bald nicht mehr möglich. Ab dem Ersten Mai dürfen Passfotos nur noch in Automaten, die in den Ämtern aufgestellt werden, geschossen werden – und von zertifizierten Fotografen erstellt werden. Kuhweide gehört dazu. Er rechnet mit einer stärkeren Nachfrage – nunmehr in der Eifel.
Dort wird er einiges anders machen: „Ich berate die Kunden beim Kauf einer Kamera, finde mit ihnen heraus, welches Modell das richtige für ihre Bedürfnisse ist, und dann suchen wir gemeinsam nach einem günstigen Angebot.“ Auch Fotocoaching wird er dort anbieten, einen einstündigen individuellen Lehrgang, zugeschnitten auf den Kunden und die Kundin und sein oder ihr Gerät. Zudem bietet die Eifel eine Möglichkeit: „Mit der Natur vor der Ladentür kann man sehr schöne Fotoexkursionen unternehmen“, so Kuhweide. Er freut sich, wenn seine Kölner Stammkunden ihn dafür in der Eifel besuchen.