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„Büdchen Casablanca“ in SülzEs wird ein neuer Besitzer gesucht

Lesezeit 3 Minuten
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Ein etwas anders Büdchen wollte Barbara Krings eröffnen – das ist ihr zweifellos gelungen. Nun hofft der ganze Stadtteil, dass sich ein geeigneter Nachfolger findet.

Sülz – Besitzerwechsel oder Schließung? Noch ist nicht ganz klar, wie es mit dem „Büdchen Casablanca“ weitergehen wird. Die Chancen für einen Besitzerwechsel stehen aber gut. Barbara Krings, die bisherige Betreiberin des ungewöhnlichen Lädchens an der Sülzburgstraße, sagt, sie sei im Austausch mit möglichen Interessenten.

Ihre Bekanntgabe, das „Casablanca“ aus persönlichen Gründen schließen zu müssen, hatten Stammgäste betrübt zur Kenntnis genommen. „Ihr habt eine tolle Marke gesetzt! Das wird lange in Erinnerung bleiben“, schrieb eine Nutzerin auf Facebook, und „Wie schade!“ war ein Kommentar, den man im Netzwerk dutzendfach lesen konnte.

Kultur und Mallorca-Keramik

Mit einem innovativen Konzept hatten Krings und ihr Lebensgefährte das Büdchen an der Ecke Euskirchener Straße/Sülzburgstraße zu einer beliebten Anlaufstelle gemacht. Einmal im Monat gab es Lesungen oder Konzerte, bei denen jeweils bis zu 40 Gäste Platz fanden. Auch das Sortiment des kleinen Ladens ging über die übliche Massenware hinaus. „Ich lebe seit 20 Jahren in Sülz. Als ich mich dazu entschieden habe, hier ein Büdchen zu betreiben, war schnell klar: Das kann nicht 08/15 sein. Das würde in dieser Lage nicht funktionieren, und darauf hätte ich auch keine Lust gehabt“, sagt Barbara Krings, die hauptberuflich als Producerin beim Fernsehen arbeitet.

Pariser Vorbild

Etwa 1.000 Büdchen soll es in Köln geben, schreibt der emeritierte Kölner Professor für Völkerkunde, Dr. Erwin Orywal. Vorläufer der Büdchen seien vor rund 150 Jahren die Pavillons in Pariser Parks gewesen. Deutsche Mineralwasseranbieter machten das nach. So entstanden die Trinkhallen, aus denen sich später die Büdchen entwickelt haben. (jot)

Sie übernahm das Ladenlokal, in dem früher schon jahrzehntelang ein klassisches Büdchen war, und krempelte es von Grund auf um. Vintage-Sessel stehen hier neben Holzpaletten und Regalen mit bunter Keramik aus Mallorca. Es gibt Schokolade mit Demeter-Zertifizierung und Bio-Weine direkt vom Winzer.

Auch die Atmosphäre sei schnell sehr persönlich gewesen, sagt Krings: „Wir haben eine DHL-Station gehabt. Dadurch kannte man die Leute gleich namentlich und konnte sie auch so begrüßen. Auch untereinander sind die Kunden ins Gespräch gekommen. So kam zum Beispiel die Rentnerin, die mit ihrem Computer Probleme hatte, in Kontakt mit einem, der gerade arbeitslos war, sich aber gut auskannte und ihr helfen konnte.“

Aus gesundheitlichen Gründen konnten Barbara Krings und ihr Lebensgefährte den kleinen Laden dann aber nicht mehr so betreiben, wie sie es geplant hatten. Daher hängt an der Tür nun zunächst einmal ein Schild, das die Schließung verkündet. Möglich ist aber, dass die Betreiberin zeitnah eine Einigung mit neuen Interessenten findet. Unterstützen würde sie diese in jedem Fall, sei es durch gelegentliche Hilfen im Laden, durch Lieferantenkontakte oder praktische Tipps. Das Casablanca könnte also bald wieder ein offener Treff im Veedel sein.