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Weiher in Kölner SüdstadtDas Wasser im Volksgarten ist zurück - und glasklar

Lesezeit 3 Minuten
Nur noch Restarbeiten sind am Ufer zu tun, dann rückt auch der  letzte Bagger ab.

Nur noch Restarbeiten sind am Ufer zu tun, dann rückt auch der letzte Bagger ab.  

Die Grube im Volksgarten ist wieder ein Weiher, und der ist  viel schöner als zuvor. Wir verraten, warum ihm auch Vogelkot in Zukunft nichts anhaben kann. 

Manche Dinge glaubt man erst auf den zweiten Blick. Frühestes. Erst dann wird klar: was in hellgrün und sandfarben changierend im Volksgartenweiher sichtbar wird, ist der Grund des Gewässers. Ein Anblick zum Genießen. Vor allem, wenn man den historischen Weiher kennt, wie er vorher war: Mit Algen zugewachsen, einer dicken Schlammschicht aus Sediment und braungrünem Wasser. Das ist jetzt glasklar und sauber, und ein paar mutige Stockenten paddeln auch schon umher.

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten haben die Stadtentwässerungsbetriebe Köln (StEB) den Weiher im zwischen Eifelplatz und Südstadt gelegenen Volksgarten vollständig mit Wasser gefüllt, am Steg des Biergartens schaukeln wieder die roten Kunststoffboote. 

130 Jahre alte Sohle war undicht geworden

Begonnen hatte die umfassende Sanierung des Gewässers Ende 2022, gekostet hat sie 5,5 Millionen Euro, der geplante Kostenrahmen wurde eingehalten. Zuerst war der Weiher komplett geleert, waren die die Fische, Amphibien und Frösche umgesiedelt worden. Dann wurde die 130 Jahre alte undichte Weihersohle erneuert und das zuvor maximal  1,40 Meter tiefe Becken entschlossen auf bis zu 3,50 Meter Tiefe ausgebaggert; die Uferzonen sind aber weiterhin flach. Die neuen Tiefwasserzonen sollen mit ihrer niedrigeren Wassertemperatur künftig für eine bessere Wasserqualität und ein langfristig stabiles ökologisches Gleichgewicht sorgen. „Die Sanierung war ein wichtiger Schritt, um die Wasserqualität und damit auch die Lebensbedingungen für Flora und Fauna nachhaltig zu verbessern“, sagt Birgit Konopatzki, Pressesprecherin der StEB Köln.

Sobald im Frühjahr die Temperaturen wieder steigen, können die Kölnerinnen und Kölner hier wieder Bötchen fahren.
Birgit Konopatzki, Pressesprecherin der StEB Köln.

Teil der Arbeiten war auch der Bau einer neuen Steganlage am Biergarten, einer langlebigen Metallkonstruktion, auf der Holzplanken befestigt sind.  Der alte Steg war baufällig und musste ersetzt werden. Um das ursprüngliche Erscheinungsbild des Weihers zu erhalten, orientierten sich die StEB Köln in Form und Größe am historischen Vorbild. „Sobald im Frühjahr die Temperaturen wieder steigen, können die Kölnerinnen und Kölner hier wieder ‚Bötchen fahren‘“, so Konopatzki.

Ein Lebensraum für Frösche, Kröten und Enten wird die kleine Insel im Weiher, sobald die dort eingesetzten Pflanzen gewachsen sind.

Ein Lebensraum für Frösche, Kröten und Enten wird die kleine Insel im Weiher, sobald die dort eingesetzten Pflanzen gewachsen sind.

Auch die Bepflanzung an den Ufern ist jetzt gesetzt, muss aber sichtlich noch wachsen. Enten, Gänse, Frösche und Kröten können den Weiher dann wieder als Lebensraum nutzen. Damit er zukünftig sauber bleibt, wurde am Hauptzugang mit Blick auf die vorherrschende Windrichtung eine Betonfläche gegossen, auf der sich das auf dem Wasser treibende Laub sammeln soll. Von dort kann es entfernt werden. Außerdem können auf der Betonfläche Reinigungsboote zu Wasser gelassen werden.

Wir haben in unserem Technikschacht Platz für einen Phosphat-Eliminationsanlage eingeplant. Wenn zu viel Vogelkot in den Weiher gelangt, bauen wir die Anlage dort ein, damit die Wasserqualität weiter gut bleibt.
Birgit Konopatzki, Pressesprecherin der StEB Köln

Doch damit nicht genug. Weil der Weiher im Laufe der Zeit auch wieder zum Lebensraum von Gänsen, Enten und Schwänen werden wird, wird auch Vogelkot ins Wasser gelangen. Der ist phosphathaltig, begünstigt das Algenwachstum und könnte die Wasserqualität erheblich verschlechtern. Falls das passiert, obwohl der See jetzt deutlich tiefer und die alte Sedimentschicht entfernt ist, sind die StEB vorbereitet. „Wir haben in unserem Technikschacht Platz für einen Phosphat-Eliminationsanlage eingeplant. Wenn zu viel Vogelkot in den Weiher gelangt, bauen wir die Anlage dort ein, damit die Wasserqualität weiter gut bleibt“, sagte Konopatzki. 

Karpfen, Hecht und Zander kommen erst in zwei Jahren zurück

In den nächsten Monaten geht es mit dem „Innenausbau“ des Gewässers weiter. Im Frühjahr und Sommer dieses Jahres werden Taucher den Weihergrund mit Armleuchteralgen bepflanzen. Diese Algenart wächst wie ein dichter Rasen und bietet Jungfischen und Kleinlebewesen Schutz. Außerdem leistet sie durch ihre Photosynthese einen wichtigen Beitrag als Nährstoffspeicher. Karpfen, Hecht und Zander werden später zurückkehren. Es wird etwa zwei Jahre dauern, bis für sie ein ausreichendes Nahrungsangebot im Weiher vorhanden ist.

Auch die Weihertechnik ist wieder in Betrieb und an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Im unterirdischen Technikschacht befinden sich Pumpen und Filteranlagen zur Erhaltung der Wasserqualität. Die verbleibenden Restarbeiten im Uferbereich sollen bis Mitte der Woche abgeschlossen sein, teilten die StEB mit. Und auch an die Bäume rund ums Teichufer wurde bei der Maßnahme gedacht. Um sie bei Trockenheit  bewässern zu können, gibt es eine Ringleitung rund um den  Teich.