Ein Nadelöhr ist die Trankgasse jetzt schon. Aber in den kommenden Wochen könnte sich die Staulage in der Altstadt noch dramatisieren
Kölner Altstadt abgekapselt?Tunnel in Trankgasse wird saniert – Anwohner fürchten Chaos

Im Tunnel der Trankgasse staut sich häufig der Verkehr
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Staus vom Blauen Zelt bis zur Zoobrücke, entnervte Stammkunden der Philharmonie, die ihr Abo kündigen, Hotelgäste auf Odyssee zu ihrer Luxussuite: Seit die Trankgasse im April 2023 in eine Fahrradstraße umgestaltet wurde, ist es schon zu vielen Ärgernissen rund um dieses vom Mobilitätsdezernat geschaffene Nadelöhr gekommen. Und es könnte jetzt noch ärger werden. Die Deutsche Bahn wird nämlich in Kürze den Tunnel an der Trankgasse sanieren. Dafür soll die Verbindungsröhre zwischen Rheinuferstraße und Domumfeld zeitweise sogar gesperrt werden. Ein Aufschrei geht durch die Reihen der Anwohner.
Streit um Fahrradstraße
Einst war die Trankgasse eine wichtige Route ins Herz von Köln. Dann schritt Kölns Mobilitätsdezernent Ascan Egerer voran. Eigentlich gab es den Beschluss, dass die Trankgasse erst dann zu einer Fahrradstraße umgestaltet wird, wenn die Sanierung des Domsockels im nordwestlichen Teilbereich erfolgt. Weil es im Zuge der Sanierung zu Sperrungen und Einschränkungen kommen werde, hielt die Politik diesen Zeitpunkt für optimal, um parallel den Versuch mit der Fahrradstraße durchzuführen. Geplant war der „Doppelschlag“ für das Jahr 2024. Doch die Stadtverwaltung hob die Ausschreibung für die Arbeiten am Domsockel wieder auf. Die Maßnahme kollidiere mit der Fußball-Europameisterschaft und deren Spielen in Köln, lautete das Argument. Den Umbau zur Fahrradstraße zog das Mobilitätsdezernat aber dennoch durch. Jetzt jedoch nicht mehr als Versuch, sondern als permanente Einrichtung. Über dieses Vorgehen brach im Ratsbündnis zwischen Grünen und CDU ein veritabler Streit aus. Die Arbeiten am Domsockel haben indes bis heute nicht begonnen.

Erste Gerüste zur Sondierung der Bausubstanz stehen schon.
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So entstand an der Trankgasse eine Verkehrsführung, die Einheimische an ihren Ortskenntnissen zweifeln lässt und Auswärtige zur Verzweiflung treibt. Im Tunnel der Trankgasse steht den Autofahrern nur noch eine statt ehemals zwei Spuren zur Verfügung. Die zweite ist nunmehr seit zwei Jahren eine Radspur. Die Autofahrer dürfen auf ihrer Spur beim Verlassen des Tunnels nur noch nach links in Richtung Philharmonie abbiegen. Geradeaus dürfen lediglich noch Hotelgäste und Linienbusse. Von der Marzellenstraße aus ist das Linksabbiegen in die Trankgasse untersagt. Allerdings befindet sich in der Trankgasse auch noch eine Ausfahrt des Dom-Parkhauses. Vor der Umwandlung war das zudem eine Einfahrt. Dafür dürfen die Ausfahrenden nun auf die Trankgasse einbiegen.

Die Verkehrsführung
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Welche Folgen dieses Wirrwarr in seinen extremen Auswüchsen hat, lässt sich seit 2023 besonders zur Weihnachtszeit beobachten. Tausende Menschen strömen an den Adventswochenenden zu den Kölner Weihnachtsmärkten, viele aus anderen Städten. Sie quetschen sich aus Unkenntnis oder wider besseren Wissens durch den Tunnel in der Trankgasse, um möglichst zentral zu parken. Der Verkehr staut sich auf der Rheinuferstraße bis weit in den Norden hoch zurück. Weil damit auch die Abfahrt vom Breslauer Platz am Hauptbahnhof auf die Rheinuferstraße verstopft wird, sind die Folgen weitreichend. Ein ganzes Innenstadt-Karree wird so lahmgelegt. Auf diesen Auswirkungen angesprochen, hat die Stadt im Advent 2024 der Rundschau geantwortet, es werde nun ein Gutachten über die verkehrliche Situation an der Trankgasse erstellt. Es solle analysiert werden, warum es zu diesen Extremsituationen komme. Ergebnisse wurden bisher nicht veröffentlicht.
Nächtliche Sperrungen
Diese würden nach Informationen der Rundschau ab März sowieso über den Haufen geworfen werden. Denn dann soll eine von der Deutschen Bahn beauftragte Baufirma mit den Vorbereitungen für die Sanierung des Tunnels Trankgasse beginnen. Die Stadt Köln verweist bei der Frage nach den Details zu der Sanierung auf die DB. Die wiederum flüchtet sich ins Allgemeine. Die Sanierung soll demnach im Laufe des Jahres stattfinden und die Auswirkungen auf den Verkehr sollen so gering wie möglich bleiben. Dabei kursieren schon detaillierte Pläne. Demnach wird ab März der Tunnel von innen eingerüstet. Die Gerüstarbeiten sollen bis Mitte Mai andauern. Tagsüber käme es dadurch zu „verkehrlichen Einschränkungen“. Nachts – von 22 Uhr bis 5 Uhr – soll der Tunnel sogar gesperrt werden. Die eigentlichen Sanierungsarbeiten sollen dann bis Mitte Oktober laufen – voraussichtlich. Bis zum Ende der Sanierung werde eine Fahrbahn in dem Tunnel wegfallen, weil sie als Lagerfläche benötigt werde.
Betroffen von dieser Maßnahme wäre mal wieder die Philharmonie. Viele der Konzertbesucher nutzen vom Rheinufer kommend die Trankgasse als Anfahrt zum Parkhaus der Philharmonie. Weil die Anfahrt vom Westen aus über die Trankgasse nicht mehr möglich ist, sind es mehr als noch vor 2023. Schon ein Abo-Konzert an einem ansonsten verkehrsarmen Sonntagmorgen reicht deshalb für einen Rückstau auf die Rheinuferstraße. Die nächtlichen Sperrungen des Tunnels dürften Konzertbesucher allerdings nicht betreffen, da die Röhre erst um 22 Uhr zugemacht werden soll. Und dennoch ist die Sperrung für die Philharmonie ein Problem, weil je nach Künstlern in der Nacht Equipment angeliefert wird – und das sehr wohl auch durch den Tunnel Trankgasse.
Gäste nur noch „illegal“ ins Hotel
Philharmonie-Intendant Louwrens Langevoort will zum jetzigen Zeitpunkt die Maßnahme noch nicht kommentieren. Ende Februar ist eine Begehung mit Stadtverwaltung und ausführender Firma geplant. Deren Ergebnisse will er noch abwarten. Nur noch „illegal“ ins Hotel Exelsior?Tiefe Sorgenfalten zeichnen sich indes auf der Stirn des Hoteldirektors Georg Plesser ab. Er leitet die Geschäfte des Exelsior Hotel Ernst und sagt klipp und klar: „Wenn die Sperrungen bei jetziger Verkehrsführung stattfinden, sind wir abgekapselt. Dann können unsere Gäste nur noch illegal zu uns gelangen.“ Solange nur eine Spur gesperrt werde, könne er mit der Maßnahme noch leben. Entsetzt ist er allerdings über den „Kommunikationsfluss“. Bisher sei weder die Stadtverwaltung noch die DB wegen der Maßnahme an ihn herangetreten.
Für die Industrie- und Handelskammer Köln ist klar, die Baumaßnahme muss Folgen haben, die Stadtverwaltung muss eingreifen: „Mit der Baustelle und nächtlichen Sperrungen droht der nördliche Teil der Altstadt vollends abgehängt zu werden. Wir sehen es daher als unerlässlich an, dass für die Bauphase von März bis Oktober die Einbahnstraßenregelung im Bereich Komödienstraße/Trankgasse aufgehoben wird und die Altstadt auch wieder von der Tunisstraße erreicht werden kann“, fordert Hauptgeschäftsführer Uwe Vetterlein. „Wir gehen davon aus, dass das Mobilitätsdezernat die Erreichbarkeit der Altstadt zügig regelt.“