Die Premiere des „Cirque Bouffon“ im Zelt am Schokoladenmuseum geriet zu einer fantastischen Reise nach Elementen des niederländischen Malers Hieronymus Bosch
Cirque Bouffon in KölnPremiere mit fantastischen Elementen

Der Kampf um die Krone im Cirque Bouffon
Copyright: Meike Böschemeyer
Die Krone ist das verbindende Element in der neuen Show „Paraiso“ des Cirque Bouffon. Nach „Cupido“ hat sich Bouffon-Chef Frédéric Zipperlin nun von den fantastischen Gemälden des spätmittelalterlichen niederländischen Malers Hieronymus Bosch zu einer poetischen Geschichte aus Artistik, Tanz, Musik und Humor über Könige und Königinnen inspirieren lassen. Im Zirkuszelt vor dem Schokoladenmuseum ist „Paraiso“ ein sinnlicher Genuss.
Begleitet von berauschender Musik des ukrainischen Komponisten Sergej Sweschinski nimmt die Inszenierung mit in eine Traumwelt wunderbarer skurriler Gestalten. Dinge wie der Kronleuchter mit den Blütenarmen entwickeln ein Eigenleben, necken auch schonmal die Artistinnen und Artisten. Die Göttinnen gleiche Sängerin (Anja Krips) gibt die Krone in das Spiel, die fortan die Runde machen wird und zu allerlei Begegnungen führt, nicht immer harmonischen, aber oft lustigen. Für die Clownsfrau (Noémi Pichereau), die wie ein lebendig gewordener roter Faden von einer zur anderen Szenerie überleitet, ist es allerdings recht umständlich, sich die Krone über ihren geflochtenen Haarturm aufs Haupt zu manövrieren. Der laufende kleine Mantel hat nicht mal einen Kopf. Was zum Vergnügen des Publikums allerhand Verrenkungen hervorbringt.

Atemberaubende Artistik am Seil ist Teil des Programms.
Copyright: Meike Böschemeyer
Dem russischen Kontorsionisten Alexander Mitin reicht es schon, wenn von der runden Platte auf dem Klavierdeckel die Voliere mit dem Fisch darin und das Miniklavier abgeräumt sind, um die Körperkunst des Biegens in anatomisch kaum vorstellbaren Posen zu zelebrieren. Eher höllisch als paradiesisch endet der klassische Balletttanz von zwei schwarzen Schwänen im Tutu (Yana Lutsiv und Suzanne Da Cruz), der ernsthaft zu einem Chopin-Walzer beginnt und im gegenseitigen Zerzausen endet. Etwas Gänsehaut verbreitet die Clown-Puppe, die an Rudik Yakhin haftet. Als die Clownin mit Akkordeon auf dem Rücken dazukommt und sich beide umarmen, kann sie den Kerl aus Stoff zum Tanz auffordern und er dazu das Tasteninstrument spielen. Weil er aber schnell Schluss macht, weint sie sich bei einem Zuschauer aus.
Zuschauer werden mit eingebunden
Mitspielen darf auch die Zuschauerin gegenüber dem Manegen-Rund – bei Jongleur und Magier Winston Fuenmayor aus Venezuela. „Magic“ findet er noch Ballzuwürfe, die nicht treffen. Manchmal foppen sogar ihn die Kugeln, bleiben an ihm kleben oder sie zerfallen zu Staub, wenn er sie fängt. Bei so viel Zauberkraft ist es kein Wunder, dass um ihn die Krone schwerelos kreist und sich das Königszepter in lauter Federn verwandelt. Tosenden Applaus bekommt die Ukrainerin Helena Lehmann bei der Premiere für ihre elegante Darbietung am Vertikalseil, in der sie klassisches Ballett, atemberaubende Artistik und Pole-Dance vereint.
Augenschmäuse sind die Choreografie mit muschelartigen Trichtern, die witzige Gebilde hervorbringt, und der Fahrrad-Fisch unter der beleuchteten Regenwolke. Aus der Musikgruppe ragt Violinistin Nonna Parfenov heraus, deren leidenschaftliches Crossover-Solo mitreißt.
Bis 4. Juni gastiert der Cirque Bouffon in Köln. Mittwochs und donnerstags, außer an Feiertagen ist Zirkus-Tag mit ermäßigten Eintrittspreisen von 25 Euro für Erwachsene und 15 Euro für Kinder auf allen Plätzen. www.cirque-bouffon.com