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„Es gab immer wieder Beleidigungen“Emotionale Zeichen gegen Rechtsextremismus beim Festival „Glow Up Cologne“

Lesezeit 3 Minuten
Pianistin Sina Kloke ist stellvertretende Vorsitzende von „Glow Up“ und trat bei dem Kozertabend auf.

Pianistin Sina Kloke ist stellvertretende Vorsitzende von „Glow Up“ und trat bei dem Kozertabend auf. 

In der Philharmonie feierte das Festival am Freitag mit einem Konzertabend Eröffnung. Am Wochenende fanden zudem Events wie Lesungen oder Workshops statt. 

Drei Tage lang warben Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Genres für die Mitgestaltung der Demokratie und für Widerstand gegen Rechtsextremismus. Unter dem Namen „Glow Up“ („Aufblühen“) gab es Musik, Workshops, Museumsführungen, Filme und Lesungen. „Wir feiern ehrenamtlich in Wort und Musik, was eine vielfältige Gesellschaft ausmacht und setzen so ein starkes Zeichen für eine diverse Demokratie“, so die Pianistin Sina Kloke, stellvertretende Vorsitzende von „Glow Up“.

Eröffnet wurde das Festival mit einem vielfältigen Konzertabend in der Philarmonie. NRW-Ministerpräsident Henrik Wüst wünschte dem Festival in einer Videobotschaft viel Erfolg. Gemeinsam müsse man die Werte der Demokratie einstehen. Dies gelte nun besonders nach den beunruhigenden Ergebnissen der Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen. Auch die Kölschrocker von Brings versicherten per Video ihre Solidarität. Die Band sollte eigentlich beim Konzertabend in der Philarmonie auftreten, musste aber nach eigenen Angaben wegen einer anderen Verpflichtung absagen.

Glow Up in Köln: Verfolgter Künstler aus Afghanistan tritt auf

Ein Highlight des vielfältigen Programms war der Auftritt von der Shekib Mosadeq. Der aus seiner afghanischen Heimat geflüchtete Künstler sang auf Farsi über Liebe, Hoffnung, Krieg und Ungerechtigkeit. In „Wie ein Maler“, übersetzt von Inés Fabig, verband er Poesie und Musik, um Solidarität und Mut im Kampf gegen Unterdrückung zu fördern. Mosadeq lebt seit Jahren mit seiner Familie in Deutschland. Als Künstler, der sich offen gegen Fundamentalismus, Frauenfeindlichkeit und Repression geäußert hatte, musste er aus Afghanistan flüchten.

Auch die in Nairobi geborene Treesha sang mit viel Hingabe gegen Hass und Unterdrückung. Ihr Name aus der Kikuya-Sprache bedeutet „Sängerin der Lieder“. Mit intensiver Sensibilität brachte sie feine Reggae-Vibes in die Philarmonie. Die Kölner Singer-Songwriterin Becky Sikasa beeindruckte mit einer facettenreichen Klangpalette voller Farbe und Soul. Der preisgekrönte Jazzpianist Florian Weber demonstrierte einmal mehr, was für ein begabter Improvisateur er ist: Mit nur wenigen vom Publikum vorgegebenen Tönen machte er umgehend etwas komplett Neues.

Seminare für mehr Schlagfertigkeit gegenüber Rechts

Martin Huyn, Kind aus einer südkoreanischen Gastarbeiterfamilie und erster deutscher Eishockeyspieler mit asiatischen Wurzeln, las aus einem „Brief an mein jüngeres Ich“, in dem er von traumatischen rassistischen Erfahrungen erzählte. Vor allem als Eishockeyspieler sei er gegnerischen Spielern, Betreuern und Fans häufig Zielscheibe für Rassismus gewesen. „Es gab immer wieder Beleidigungen wie ‚Schlitzauge‘, ‚Japse‘ oder ‚Spiel doch auf dem Reisfeld‘ oder Namen asiatischer Gerichte. Einmal wurde ich als ‚Nasi Goreng‘ bezeichnet und Hunderte Fans haben gelacht. Ich gehörte nicht dazu.“ Doch der Politikwissenschaftler wollte die Eisstadien nicht den gestrigen Ignoranten überlassen und gründete „Hockey is Diversity“. Der Verein steht für Vielfalt, kämpft gegen Mobbing, Homophobie und Sexismus.

Die bundesweit aktive Initiative „Stammtischkämpfer*innen“ will rechten und rassistischen Parolen etwas entgegensetzen. „Wir alle kennen das: In der Familie, im Beruf, in der Bahn, im Supermarkt fallen Sprüche, die uns die Sprache verschlagen. Später ärgern wir uns, denken, da hätten wir besser den Mund aufgemacht. Aber wir können Stammtischparolen Paroli bieten“, betonte Birgit Sevenich im Gespräch mit Moderatorin Yara Hoffmann. In den Seminaren der Initiative wird geübt, die Schrecksekunde zu überwinden, Hemmschwellen abzubauen, um in Zukunft gezielt kontern zu können. Sevenich rief dazu auf, auch in Köln auf diese Art diskriminierenden Parolen entgegenzutreten.

Infos zu den Seminaren der „Stammtischkämpfer*innen“ gibt es auf der Website der Kampagne von „Aufstehen gegen Rassismus“.