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Hang zum DramaChristoph Daum stellt Film an seinem 70. Geburtstag in Köln vor

Lesezeit 3 Minuten
Christoph Daum hält seine Frau im Arm, die am Winken ist.

Christoph Daum und seine Ehefrau Angelica Camm-Daum.

Schon der Beginn seiner Laufbahn in den 80er Jahren hielt als Trainer des 1. FC Köln einige Highlights bereit.

Als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, lange vor Influencertum und Streamingdiensten, ging Christoph Daum regelmäßig viral. Wie der Fußballtrainer in seiner fast 40-jährigen Karriere, über den Sport hinaus, zu einer Art Ikone und zum popkulturellen Phänomen werden konnte , war im Residenz Kino in der Neustadt Nord überall spürbar. Nun feierte der gebürtige Zwickauer mit alten Weggefährten, Freunden und Familie seinen 70. Geburtstag und die Premiere der Dokumentation „Daum – Triumphe und Skandale“. Dass der Bezahlsender Sky ihn schon länger mit der Anfrage zu einem solchen Filmprojekt gelöchert hatte, offenbarte der Jubilar auf dem Roten Teppich ebenso wie viele andere Anekdoten, private Details und Auskünfte zu seinem Gesundheitszustand nach einer Lungenkrebsdiagnose im letzten Sommer und 22 Chemotherapien.

„Mir wurde die Frage gestellt, welchen Nachteil ich habe, wenn ich diese Doku mache“, präsentierte sich Daum zwischen 200 geladenen Gästen in der Astor Film Lounge nicht nur an dieser Stelle reflektiert, „bis auf den Zeitaufwand ist mir da nicht viel eingefallen. Weil ich sowieso keiner festen Beschäftigung nachgehen kann, außer zwischen meinem Zuhause und der Onkologie hin- und herzupendeln, habe ich die einzelnen Stationen meiner Karriere mit dem Filmteam durchgearbeitet.“

Schon der Beginn seiner Laufbahn in den 80er Jahren hielt als Trainer des 1. FC Köln einige Highlights bereit. Die deutsche Vizemeisterschaft mit den Geißböcken 1989 toppte er drei Jahre später, indem er den Titel mit dem VfB Stuttgart holte. Spätestens als Daum danach bei Bayer Leverkusen anheuerte und zum ernsthaften Herausforderer für den großen FC Bayern München avancierte, erreichte er deutschlandweite Berühmtheit. Als „Meister der Kampfansagen“ duellierte er sich oft öffentlichkeitswirksam mit Uli Hoeneß.

Patentschutz für den berühmten Satz

Schon bevor sein Film ab Freitag bei Sky anläuft, wurde eine Szene hoch- und runtergespielt. Das Treffen zwischen ihm und der „Abteilung Attacke“ des FC Bayern. „Ich habe Uli eingeladen, er kam auch kurz entschlossen an den Tegernsee und wir hatten ein wunderschönes Gespräch“, spoilerte Daum und interpretierte das als übergeordnetes Zeichen: „Dass Leute, die sich bekämpft haben, sich wieder zusammensetzen, wieder miteinander sprechen statt übereinander“, das sei in der heutigen Zeit ein wichtiges Signal.

Auch auf die tragischste Situation seiner Laufbahn, als er im Jahr 2000 Bundestrainer werden sollte, aber des Kokainkonsums überführt wurde, kann der 70-Jährige reflektiert blicken. „Ich habe Fehler gemacht und daraus gelernt“, gab er zu. „Was meinen berühmten Satz, ,Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe', angeht, habe ich mit Rudi Völler gesprochen, und er hat mir geraten, den Satz patentieren zu lassen.“ Als DFB-Sportdirektor hielt Völler die Laudatio und auch Größen wie Michael Ballack, Matthias Sammer, aber auch Bestseller-Autor Frank Schätzing und natürlich Reiner Calmund waren gekommen, um Daum zu feiern. „Er ist immer noch positiv bekloppt, leidenschaftlich wie kaum ein Zweiter und hat den unbedingten Siegeswillen“, rief der ehemaliger Bayer 04-Manager seinem Freund Christoph entgegen. Dass dieser nach Triumphen – vor allem als Trainer in der Türkei , aber auch Skandalen, auch leisere Töne anschlagen kann, zeigte sein Abschlussstatement. „Das wichtigste ist meine Familie. Für die möchte ich gegen den Krebs siegen.“